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Berliner Zeitung | Brandschutz-Probleme: Neue Zweifel am BER-Starttermin
11. November 2012
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Brandschutz-Probleme: Neue Zweifel am BER-Starttermin

Volle Fahrt voraus zum neuen Flughafen? Von wegen: Auch die Deutsche Bahn fordert nun Schadenersatz von der Berliner Flughafengesellschaft.

Volle Fahrt voraus zum neuen Flughafen? Von wegen: Auch die Deutsche Bahn fordert nun Schadenersatz von der Berliner Flughafengesellschaft.

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dpa

Berlin -

Neue Zweifel am Eröffnungstermin für den Hauptstadt-Flughafen BER lösen Irritationen aus. Grund ist offenbar wieder der nicht funktionierende Brandschutz. Nachdem der Technikchef der Flughafengesellschaft, Horst Amann, vor gut zehn Tagen nach einer Aufsichtsratssitzung noch wörtlich versichert hatte, es bleibe beim Termin 27. Oktober 2013, wurde jetzt ein warnendes Schreiben des zuständigen Ingenieurbüros hhpberlin bekannt.

In dem Brief vom 30. Oktober ist von erforderlichen Umbauten, etwa der Gepäckförderung und der Sprinkleranlagen, die Rede, die nicht der Baugenehmigung entsprächen. Solange diese Probleme nicht gelöst seien, „sehen wir den geplanten Eröffnungstermin kritisch“, heißt es.

Die Eröffnung wurde bereits mehrfach verschoben, die Flughafen-Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund stellten in der vergangenen Woche weitere 1,2 Milliarden Euro bereit, um die Kosten wegen der Verspätung, die Lärmschutz- und weiteren Baukosten zu finanzieren. Technikchef Amann bestätigte am Wochenende den Eingang des hhp-Schreibens. Es lägen „noch nicht für alle offenen Punkte tragfähige Lösungen“ vor, räumte er ein; die Gesellschafter seien unterrichtet worden.

Man arbeite intensiv an Lösungen, so Amann: „Die weiteren Beratungen in den nächsten Tagen werden Klarheit bringen.“ Flughafensprecher Ralf Kunkel nannte keine weiteren Details und ließ offen, ob der Aufsichtsrat am 1. November den Warnbrief der Ingenieure erörtert habe. Auch die Frage, ob der Termin wieder unsicher sei, blieb unbeantwortet.

Klage in Millionenhöhe

Die Sprecher der beteiligten Landesregierungen bekundeten ihr Vertrauen in Amanns Pläne. Die Regierungschefs und Mitglieder des Aufsichtsrats, Klaus Wowereit und Matthias Platzeck (beide SPD), äußerten sich nicht. Die Grünen-Opposition im Abgeordnetenhaus verlangte dagegen eine sofortige Sondersitzung des Gremiums. Es dränge sich der Verdacht auf, dass das Parlament vor der Abstimmung über die Zusatzkosten „bewusst getäuscht“ worden sei, sagte Fraktionschefin Ramona Pop.

Auch die Schadenersatzkosten durch die verspätete Eröffnung könnten noch deutlich steigen. Laut Bild am Sonntag bereitet jetzt auch die Deutsche Bahn AG, ein öffentliches Unternehmen wie der Flughafen, eine Millionen umfassende Klage vor, um entgangene Erlöse auszugleichen. Die Entscheidung darüber falle im Dezember, hieß es. Bislang hatte Air Berlin die Flughafengesellschaft auf eine zweistellige Millionensumme verklagt.