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Brandschutzprobleme am Hauptstadtflughafen: Leerfahrten zum Flughafen

Anstehen zum Gucken: Bis zu eine Stunde mussten alle warten, die am Sonnabend einen Blick in einen Airbus A 320 werfen wollten. Am Sonntag, dem zweiten Teil der Publikumstage auf dem künftigen Großflughafen in Schönefeld, durfte dann der A 319 (im Hintergrund) besichtigt werden. Die Besucher konnten auch einen Blick ins Terminal werfen, allerdings nur von außen.

Anstehen zum Gucken: Bis zu eine Stunde mussten alle warten, die am Sonnabend einen Blick in einen Airbus A 320 werfen wollten. Am Sonntag, dem zweiten Teil der Publikumstage auf dem künftigen Großflughafen in Schönefeld, durfte dann der A 319 (im Hintergrund) besichtigt werden. Die Besucher konnten auch einen Blick ins Terminal werfen, allerdings nur von außen.

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Markus Wächter

Berlin -

Zum Debakel um den Flughafen Berlin Brandenburg (BER) kommen immer neue Einzelheiten ans Licht. So wurde bekannt, dass auch die Deutsche Bahn (DB) eindringlich vor Problemen mit dem Brandschutz gewarnt hat – ohne dass sie ernst genommen wurde. Ihr Bahnhof unter dem Terminal sei deshalb noch immer nicht funktionsbereit, hieß es in einem Brief, den sie der Flughafengesellschaft im März schrieb. Dabei seien einwandfreie Brandschutzanlagen für die Sicherheit der Fahrgäste unabdingbar, denn die Fluchtwege führen von der unterirdischen Station durch das Terminal nach oben. „Doch unsere Bedenken wurden abgebürstet“, sagte ein DB-Mitarbeiter. Wie Lufthansa und Air Berlin will auch die DB Schadensersatz verlangen, weil der BER nicht am 3. Juni öffnet.

Umbuchungen machen Arbeit, klagen die Airlines. Mehr Personal werde benötigt, und am neuen Flughafen blieben Kerosinvorräte ungenutzt. „Von uns wird es ebenfalls eine größere Forderung geben“, so die DB. Denn die Strecken zum Flughafen verursachen hohe Kosten – auch wenn dort noch kein regulärer Betrieb stattfinden kann.

So müssten regelmäßig Leerzüge durch den Tunnel und den Bahnhof 15 Meter unter dem Terminal fahren, damit die Anlagen belüftet werden und keinen Schimmel ansetzen. Allein die S-Bahn plant drei tägliche Fahrten ein. Für die „Geisterzüge“ fallen Personalkosten an. Auch die Benutzung der Trassen, die von DB Netz verwaltet werden, kostet Geld. Der DB entgehen Einnahmen, Dienstpläne sind neu zu schreiben. Um Kupferklau und Vandalismus zu verhindern, sind alle Strecken zu bewachen.

Gutachten: Nur die Hälfte klappt

In dieser Woche wird die S-Bahn ihre „Streckenkundefahrten“, bei denen sich das Fahrpersonal mit den Anlagen vertraut macht, stoppen. Ein Lokführer berichtete: „Wir sind schon vor Monaten die Treppen vom Bahnhof zum Terminal hochgestiegen. Als wir die Zustände da sahen, haben wir uns gefragt, wie die Arbeiter pünktlich fertig werden wollen.“ Dass die Brandschutzanlagen noch nicht abgenommen sind, sei ein vorgeschobenes Argument, um die Eröffnung des Flughafens erneut verschieben zu können. Es sei offenbar schlampig gearbeitet worden, sagte Andrew L. Carr, Projektsteuerer und Baugutachter in Berlin, der Berliner Zeitung. Zum 3. Juni wäre der Flughafen niemals fertig geworden. „Hier geht es nicht nur um den Brandschutz. Das ist eine Ausrede.“

Das legt auch ein Bericht der Orat Consulting aus München nahe, der am Wochenende bekannt wurde. Danach seien wichtige Prozesse vom Check-In über den Zoll bis zum Boarding und Bodenverkehr im April nur zu 52 Prozent betriebsbereit gewesen. Das heiße aber nicht, dass der BER nur knapp halb fertig war, entgegnete Flughafensprecher Ralf Kunkel. 52 Prozent der Prozesse hätten zuverlässig zu 100 Prozent funktioniert. Beim Rest standen die Erprobungen noch aus – oder die Verfahren seien zum Teil noch nicht stabil gelaufen. „Es ist und bleibt so, dass der Brandschutz der Grund für die Verschiebung der Eröffnung war“, sagte der Sprecher. Es habe zwar weitere Probleme gegeben, bekräftigte Flughafenchef Rainer Schwarz. Doch sie hätten einer Inbetriebnahme am 3. Juni nicht im Wege gestanden.

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