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Braunfels zum Stadtschloss: Mein Entwurf ist nicht im Wettbewerb „gescheitert“

Das ist der aktuelle Planungsstand. Franco Stella entwarf die Ostfassade des Humboldt-Forums kompakt und geschlossen.

Das ist der aktuelle Planungsstand. Franco Stella entwarf die Ostfassade des Humboldt-Forums kompakt und geschlossen.

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Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum

Berlin -

Der Architekt Stephan Braunfels hat die Debatte um den Bau des Berliner Schlosses (Humboldt-Forum) mit einem interessanten Vorschlag neu entfacht. Braunfels schlägt vor, auf den 113 Meter langen und etwa 30 Meter hohen Ostflügel, der in moderner Architektur nach einem Entwurf Franco Stellas entstehen soll, ersatzlos zu verzichten. So würde sich das Gebäude mit dem Schlüterhof zur Umgebung öffnen.

Bei den Projekt-Beteiligten – der Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum und dem Förderverein Berliner Schloss – stößt Braunfels’ Idee auf Ablehnung. Der Geschäftsführer des Fördervereins, Wilhelm von Boddien, bezichtigte Braunfels der Scharlatanerie und warnte vor einem mehrjährigen Baustillstand.

Hier Braunfels’ Antwort:

Herr von Boddien bezeichnet die erneute Veröffentlichung meines Schlossentwurfs, den ich erstmals vor 17 Jahren, am 14. Dezember 1996, veröffentlicht und seither immer wieder verfeinert und publiziert habe, als „verantwortungslos“.

„Verantwortungslos“ handelt Wilhelm von Boddien selber, wenn er seit vielen Jahren alle Fakten verdreht und die Wahrheit immer wieder auf den Kopf stellt. Boddien droht mit „ungefähr drei Jahren Baustillstand“, wenn mein Vorschlag jetzt in letzter Minute doch noch umgesetzt wird. Das ist totaler Blödsinn, denn alle Teile des riesigen Schlosses können ohne Planungsänderung weitergebaut werden – nur der mittlere Teil des Ostflügels nicht. „Erhebliche Schadensersatzklagen“ wird es auch nicht geben: Die geringfügigen notwendigen Umplanungen kann Stella während der laufenden Baustelle kurzfristig fertigen und das Ganze kann im vorgesehenen Kostenrahmen abgewickelt werden.

Ich selber muss bei meinen beiden Berliner Großbaustellen – Marie-Elisabeth-Lüders Haus und Bundesarchiv – seit Jahren baubegleitende Umplanungen vornehmen, um Änderungswünsche und Kostenreduzierungen erfüllen zu können, ohne dass dies zu Bauzeitverlängerungen führen würde – Bauzeitverlängerungen haben ganz andere Ursachen.

Boddien bezeichnet mich ehrenrührig als „Scharlatan“, weil ich „nur schöne Landschaftszeichnungen“ und nicht auch gleich kostenlos neue Detailpläne und Flächenberechnungen geliefert habe.

Dabei verschweigt er, dass ich schon in der Vorrunde des Architektenwettbewerbs überobligatorisch nachgewiesen hatte, dass das geforderte Raumprogramm – locker – ohne den Wiederaufbau des Ostflügels unterzubringen ist und dass das eigentlich zu knappe Budget überhaupt nur eingehalten werden könne, wenn dieser Osttrakt eben nicht wiederaufgebaut wird.

Alles das weiß Boddien seit langem – er kennt meinen Vorschlag auch schon seit 17 Jahren und gerade deshalb hat er im Vorfeld des Wettbewerbs vor fünf Jahren dafür gesorgt, dass die Vorgaben so eng gezogen wurden, dass mein Vorschlag schon in der Vorrunde ausgeschieden werden MUSSTE.

Mein Entwurf ist also keineswegs im Wettbewerb „gescheitert“, wie Boddien und die Stiftung jetzt immer erzählen, sondern bewusst ausgeschieden worden, weil Boddien, der meinen Vorschlag seit 1996 bekämpft hat, nicht riskieren wollte, dass er im Wettbewerb in die Endrunde kommt und die immensen städtebaulichen Qualitäten meines Entwurfs dort diskutiert und am Ende prämiert werden könnten.

Der Vorwurf der „Scharlatanerie“ ist – abgesehen davon, dass ich seit langem einer der anerkanntesten Architekten Deutschlands bin – also absurd und ehrenrührig!

Prof. Stephan Braunfels

Das Berliner Schloss im Jahr 2019
So soll das Berliner Stadtschloss nach seiner Fertigstellung einmal aussehen.