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Brennpunkt-Schulen: Berlins Schulen lernen von New York

Geringe Anmeldezahlen, viele Schulschwänzer, hohe Abbrecherquote und hoher Unterrichtsausfall waren die Indikatoren für die Auswahl der Schulen.

Geringe Anmeldezahlen, viele Schulschwänzer, hohe Abbrecherquote und hoher Unterrichtsausfall waren die Indikatoren für die Auswahl der Schulen.

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dpa

Berlin -

Die Berliner Schulverwaltung setzt auf Hilfe von außen. Der Staat allein kann den Berliner Problemschulen offenbar nicht mehr helfen. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) holt sich daher Hilfe von der Robert-Bosch-Stiftung, die Bildung zu einem ihrer Arbeitsschwerpunkte gemacht hat und den Deutschen Schulpreis verleiht.

Nach New Yorker Vorbild sollen nun auch Brennpunktschulen in der Hauptstadt den Umschwung schaffen. In der US-amerikanischen Stadt werden solche Schulen seit 2002 von externen Beratern unterstützt. Die Schulen können über die bereit gestellten Gelder und das Personal weitgehend frei entscheiden. Dafür müssen sie einen jährlichen Bericht abliefern, in dem die Leistungen und Fortschritte der Schule dokumentiert sind.

In dieser Art sollen auch zehn Schulen in Berlin mit dem Projekt „School Turnaround“ gefördert werden. „Unser Ziel ist es, dass die unterstützten Schulen sich bis 2015 erkennbar verbessern“, sagte Bildungssenatorin Scheeres. „Dabei wollen wir auch lernen, wie staatliche Unterstützungssysteme verbessert werden können.“

Berlin hat Nachholbedarf im Bildungsbereich. Im Vergleich der Bundesländer schneiden die Schulen in der Hauptstadt generell schlecht ab und belegen, was die Leistung und die Schulabbrecherquote angeht, stets einen der hintersten Plätze.

Das Förderprojekt soll zunächst über zwei Jahre laufen. Gut eine Million Euro stehen in dieser Zeit zur Verfügung zur Verfügung.

Geld für Projekte

Die Schulverwaltung hat sieben Sekundarschulen und drei Grundschulen in sozial schwachen Berliner Bezirken ausgesucht, die an die Grenzen ihrer Handlungsfähigkeit gelangt sind. Indikatoren dafür sind sinkende Anmeldezahlen, eine geringe Lernbereitschaft unter den Schüler, die Schulschwänzer- und Abbrecherquote, die Zahl der ausgefallenen Unterrichtsstunden und das Abschneiden in zentralen Vergleichsarbeiten und Pisa-Tests. Mitunter sind auch die Schulleiter zu passiv und der Krankenstand hoch.

In einem ersten Schritt analysieren die Berater die Stärken und Schwächen der einzelnen Schulen. Konkrete Hilfsangebote werden im Anschluss ausgearbeitet und die Schulleitungen oder Kollegien gecoacht. Die Eltern- und Öffentlichkeitsarbeit sollen ebenfalls verbessert und bislang ungenutzte Potenziale erkannt werden, sagte Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Bosch-Stiftung. „Wir wollen gerade nicht die Leuchtturm-Schulen fördern.“
Die teilnehmenden Schulen erhalten auch Geld für Projekte. Wolfgang Lüdtke, Leiter der teilnehmenden Neuköllner Kepler-Schule, hat bereits konkrete Vorstellungen, wofür er solche Mittel brauchen könnte: „Ich würde gerne jemanden einstellen, der sich speziell um unsere Schulschwänzer kümmert.“

Die Bosch-Stiftung hat schon die New Yorker Schulreform wissenschaftlich begleitet. Vier Faktoren machen ihrer Ansicht nach eine gute Schule aus: Schulautonomie, Leistungsverantwortung, Führungskompetenzen sowie motivierte, fähige Mitarbeiter.

Unabhängig von dem Projekt will der Berliner SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh gut 100 Brennpunktschulen finanziell stärker unterstützen. Ab 2014 sollen ihnen zwischen 15 und 20 Millionen Euro zusätzlich zur freien Verfügung stehen.