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Brücke zwischen Berlin Kreuzberg und Schöneberg ausgehängt: Yorckbrücken ohne Liebesschwüre

Die Brücke Nummer 11 wird ausgehängt. Nach ihrer Sanierung soll sie Teil des überregionalen Radfernweges Berlin–Leipzig sein.

Die Brücke Nummer 11 wird ausgehängt. Nach ihrer Sanierung soll sie Teil des überregionalen Radfernweges Berlin–Leipzig sein.

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dpa

Seit 25 Jahren, sagt Christoph Schmidt, kenne er die Brücken über der Yorckstraße. Jene Überführungen, über die früher einmal Züge zum Potsdamer und Anhalter Bahnhof fuhren. Fünf der verrosteten und maroden Konstruktionen werden jetzt saniert. Am Samstag wurden die ersten mit einem Riesenkran abgehängt. Ab September sollen sie Fußgängern und Radfahrern als sanierte, sichere Verbindungen zwischen dem Park am Gleisdreieck in Kreuzberg und dem Flaschenhalspark in Schöneberg dienen.

Christoph Schmidt, der Chef der für die Arbeiten verantwortlichen Grün Berlin GmbH, ist am Samstag etwas wehmütig. Als nämlich die tonnenschwere, mehr als 100 Jahre alte Brücke 15 als erste per Kran auf den Tieflader gehoben wird, zeigt er auf einen verblassten Schriftzug: „Morini, ick liebe dir für sempre“ steht dort. „Ich habe beim Autofahren unter den Brücken oft darüber nachgedacht, wer denn damit gemeint sein könnte und ob er oder sie geantwortet hat“, sagt Schmidt. Der Liebesschwur wird nicht mehr aufzuklären sein, denn zu den Sanierungsarbeiten zählt auch die Entfernung der Graffiti, die im Gegensatz zur Stahlkonstruktion nicht unter Denkmalschutz stehen.

Nord-Süd-Grünzug wird komplettiert

Bislang gibt es für Fußgänger und Radfahrer über der Yorckstraße nur die provisorisch hergerichtete Brücke 10, eine vergleichsweise neue Verbindung aus den 1930er-Jahren. Sie soll bis Jahresende vor Ort renoviert werden. Die übrigen vier wurden aus ihren Verankerungen geholt, weshalb die Yorckstraße seit Freitagabend gesperrt war. Ab Montagfrüh soll sie wieder für den Verkehr frei sein. Die vier Stahlkonstruktionen wurden zu einer Brachfläche neben einem nahe gelegenen Baumarkt transportiert. Dort werden sie bis September abgestrahlt, saniert und neu beschichtet.

Mit der Verbindung zwischen den beiden Parkanlagen in Kreuzberg und Schöneberg wird auch der sogenannte Nord-Süd-Grünzug komplettiert. Man kann dann vom Schöneberger Südgelände direkt bis ins Regierungsviertel gelangen. Die Brücken 10 und 11 sind zudem Bestandteil des überregionalen und touristisch viel befahrenen Fernradweges Berlin–Leipzig.

Über die Sanierung der Yorckbrücken wird seit Jahren diskutiert. Schwierigste Abstimmungen seien dafür nötig gewesen, sagt Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler. Beteiligt waren außer dem Land Berlin und dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg auch noch die DB Netz AG der Deutschen Bahn – und eben die Grün Berlin GmbH, die insgesamt neun Berliner Parks betreibt, darunter auch die umliegenden Anlagen in Kreuzberg und Schöneberg.

Die Sanierung wird mit gut vier Millionen Euro beziffert. Das meiste Geld bezahlt das Land. Auch die Bahn beteiligt sich, sie kommt für die Sanierung der Widerlager auf.