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Bürger entscheiden: Neue Lampen für Moabit

Lampenführung durch Moabit

Welche leuchtet am besten? Das hellste Licht hat die TownGuide (417 Euro). In der Anwohnergunst liegt sie nicht vorn.

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BLZ/Markus Wächter

Berlin -

Die Moabiter sind entscheidungsfreudig. Und wenn sie gefragt werden, welchen Lampentyp sie sich für ihren Kiez als Beleuchtung wünschen, können ihre Sprüche schon mal vernichtend sein. „Das sieht ja aus wie im Industriegebiet.“ Oder: „Die ähnelt ja einem Marmeladeneimer.“ Ausgestellt sind die mit LED-Licht ausgestatteten Lampen in der Waldstraße in Moabit, am Mittwochabend gab es dort den ersten Lampenrundgang für Anwohner. Ein Dutzend Interessierte kamen.

Der Senat will den Kiez umrüsten: Die alten Gaslampen sollen weg und durch moderne Leuchten ersetzt werden. Dabei können erstmals in der Stadt auch die Anwohner mitentscheiden, welcher Lampentyp künftig in ihrem Kiez aufgestellt wird. Unter sieben Modellen können die Bewohner wählen und ihre Stimme schriftlich oder online abgeben. Die Lampe mit den meisten Stimmen soll dann die neue Kiezleuchte werden. So jedenfalls sieht der Plan des Senats aus.

Lampenführung im Kiez

Ob der Plan aber aufgeht, muss nach dem ersten Kiezspaziergang – der Senat bietet bis April regelmäßig für die Anwohner Lampenführungen an – infrage gestellt werden. „Zuerst würde ich mir die Umrüstung der bestehenden Lampen von Gas auf LED wünschen“, sagt Andreas Szagun. Er wohnt in der Beusselstraße und hat sich schon oft die neuen Lampen angesehen, weil er täglich durch die Waldstraße geht. „Die fipsigen Dinger dahinten leuchten nur wie eine Taschenlampe“, sagt er. Und meint damit den Typ, der an der Turmstraße steht und den schrecklichen Namen „Italo 2 Urban TP“ trägt. Szaguns Favorit ist die Leuchte daneben und heißt „TownGuide“. „Sie blendet nicht so wie die anderen Leuchten.“

Doch warum müssen in Moabit die alten Gaslampen überhaupt verschwinden? „Wir haben von der Polizei den Hinweis erhalten, dass es hier verstärkt Eigentumsdelikte gibt“, sagt Evelyn Hoffschröer. Sie leitet in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung den Bereich öffentliche Beleuchtung und erklärt an diesem Abend den Anwohnern die verschiedenen Leuchten. Laut Polizei werden in dem Quartier vermehrt Autos aufgebrochen. Der Präventionsbeauftragte des Abschnitts führt das auch auf die Beleuchtung zurück, denn die Gaslampen leuchten nicht mehr alle Straßenbereiche zwischen den eng parkenden Autos aus.

Das stimmt zwar, zu dunkel ist es in den Straßen aber nicht. Vielmehr wirkt das orange-gelbe Licht der Gaslaternen sehr angenehm. Es verbreitet in den Wohnstraßen eine warme und gemütliche Atmosphäre. Die ausgestellten LED-Leuchten dagegen strahlen überwiegend weißes und damit kaltes Licht ab. Ob sich dadurch Diebe abhalten lassen, Autos zu knacken, wird von den Moabitern bezweifelt.

„Ich finde es gut, dass die Bürger an der Entscheidung beteiligt werden“, sagt Barbara Wirth aus der Zinzendorfstraße. Auch sie möchte, dass die bestehenden Gaslampen auf LED umgerüstet werden, wie es der Senat schon in Teilen von Neukölln und Spandau gemacht hat. Aber welche Lampe findet sie am schönsten? „Gar keine. Sie wirken wie Fremdkörper, wenn sie vor den schönen alten Häusern stehen.“

Auch die Initiative „Rettet die Berliner Gaslaternen“ hat jetzt Moabit entdeckt. „Das alte Stadtbild soll erhalten bleiben. Die historischen Gaslaternen sind ein Kulturgut“, sagt Volker Elingshausen. 2 500 Flyer hat er in dem Stadtteil verteilt.

Im Senat beobachtet man die Entwicklung aufmerksam. Denn die Moabiter Lampen sind zugleich in der Bürgerbeteiligung ein Experiment. „Nur die alten Lampen umzurüsten, bringt nicht mehr Licht auf die Straße und die Gehwege. Das aber ist unser Ziel“, sagt Evelyn Hoffschröer und versucht, die Anwohner zu überzeugen. Natürlich könnten die Anwohner auch sagen, dass sie keine modernen Leuchten wollen. Bei der Abstimmung der Bürger deutet sich aber schon ein Trend an: Vorn liegen bisher zwei kegelförmige Leuchten, sie gefallen den Anwohnern am besten.