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Bürger fragen – die DB antwortet: „Wir machen nichts, was Blödsinn ist“

Im Betriebswerk Rummelsburg warten ICE-Züge auf ihren nächsten Einsatz. Derzeit werden vier Garnituren zusätzlich gebraucht, weil Hannover und Frankfurt nur auf Umwegen erreichbar sind.

Im Betriebswerk Rummelsburg warten ICE-Züge auf ihren nächsten Einsatz. Derzeit werden vier Garnituren zusätzlich gebraucht, weil Hannover und Frankfurt nur auf Umwegen erreichbar sind.

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Berliner Zeitung/Markus Wächter

Gerhard Curth vom Deutschen Bahnkunden-Verband hat es geschafft. Zum ersten Mal in 30 Jahren ist es ihm gelungen, einen Bahn-Chef für einen Fahrgastsprechtag zu gewinnen. Rüdiger Grube stellte sich im Hauptbahnhof Fragen von Bahn-Fans und Bahnkunden. Nebenbei nannte er interessante Details. Zum Beispiel, dass der Stillstand am Flughafen BER die Bahn monatlich mit zwei Millionen Euro belastet. Oder dass eine Zugfahrt von Berlin nach München im ICE-Sprinter dank einer neuen Strecke ab Ende 2017 nur noch drei Stunden und 48 Minuten dauern wird. Ingulf Leuschel, Berliner Konzernbevollmächtigter der Bahn, assistierte. Bürger fragen – die DB antwortet.

Allein am Sonntag waren in Berlin 23 Aufzüge defekt. Meist heißt das, dass sie zwei bis vier Monate außer Betrieb sind. Ihre Wartungsverträge sind schlecht.

Die Kritik ist berechtigt. Dass 23 Aufzüge nicht funktionieren, ist nicht akzeptabel. Mein Vater saß im Rollstuhl, ich weiß, wie das ist. Dass unsere Wartungsverträge schlecht sind, kann ich aber nicht bestätigen. Allerdings müssen wir jeden größeren Auftrag europaweit ausschreiben und müssen dann nach Preisgesichtspunkten entscheiden. Das macht das Leben nicht einfach. Vandalismus ist ein weiteres Problem. Auch bei Rolltreppen, gerade am Wochenende. Jugendliche bringen sie mit einem Trick zum Stehen.

In Montabaur halten ICE-Züge, auch in Limburg Süd. Warum nicht mehr am Bahnhof Zoo in Berlin?

Wir haben nichts gegen den Bahnhof Zoo. Es ist nur so: Wenn wir dort mit Fernzügen halten würden, würde die Qualität des Nahverkehrs auf der Stadtbahn in Berlin weiter sinken. Ein ICE-Halt dauert zwei Minuten, inklusive Anfahren und Bremsen gingen am Zoo jedes Mal 4,2 Minuten verloren. Damit würde jeder Halt eine Trasse für einen Regionalzug blockieren, und der Regionalexpress RE 1 könnte nicht mehr im 30-Minuten-Takt fahren. Sicher, vor dem Krieg hielten die Fernzüge auf der Stadtbahn öfter. Aber damals gab es nicht so einen dichten Nahverkehr wie heute.

Was müssen wir tun, damit die Bahn die Landeshauptstadt Potsdam stärker beachtet? Warum halten bei uns nicht mehr Fernzüge?

Potsdam liegt leider nicht an einer durchgehenden Fernstrecke. Für die 30 bis 40 Reisenden pro Zug, die dort einsteigen würden, lohnt sich der Umweg nicht.

Lärmschutzwände sind hässlich – zum Beispiel die am Ostkreuz. Ich will was von meiner Stadt sehen.

Ich finde es auch nicht schön, dass wir manchmal so hohe Lärmschutzwände haben. Mittlerweile haben wir herausgefunden, dass man sie auch niedriger bauen kann, wenn man sie dichter ans Gleis her-anrückt. Apropos Lärm: Mit Hilfe von Flüsterbremsen wollen wir den Lärm unseres Güterverkehrs um 50 Prozent reduzieren.

Bei der S-Bahn soll das Aufsichtspersonal abgeschafft werden. Wie stellen Sie sicher, dass zum Beispiel bei Weichenstörungen ausgebildete Betriebseisenbahner zur Stelle sind?

Wir machen nichts, was Blödsinn ist. In Berlin wird das Thema Aufsichten bei der S-Bahn sehr emotional behandelt. Dabei ist die Berliner S-Bahn weltweit das einzige Verkehrssystem dieser Art, bei dem das Aufsichtspersonal noch Züge abfertigt. Bei der BVG gibt es schließlich auch keine Zugabfertiger mehr. Zu den Störungen: Die häufigsten Störungen bei der Berliner S-Bahn betreffen nicht Weichen, sondern Signale. Oft werden solche Ausfälle durch Kabelklau verursacht. Wenn es dazu kommt, kann den Fahrgästen keine Aufsicht helfen.

Die Bahnreform hat eine negative Seite – es gab einen drastischen Personalabbau. 2000 bis 2012 wurden allein bei DB Netz 38 Prozent der Stellen gestrichen. Dass das Folgen hat, ist klar. Wie in Mainz, wo im Stellwerk Fahrdienstleiter fehlen.

Diese Entwicklung haben wir gestoppt. Die Bahn hat viele neue Mitarbeiter eingestellt, allein von 2010 bis heute ist die Zahl der Stellen netto um rund 7 200 gestiegen. Auch bei den Fahrdienstleitern gab und gibt es Zuwachs. Zurzeit werden rund 400 bei uns ausgebildet, 2009 waren es 79. Über die Bahnreform sind wir offenbar verschiedener Meinung. Wir sind jetzt ein gesundes Unternehmen, das war vor 20 Jahren noch nicht der Fall. Es gibt kein Unternehmen, das sich so gemausert hat.


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