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Bürgerbräu-Brauerei in Friedrichshagen: Das Denkmal wird um 15 Meter gekürzt

Landmarke: Der Schornstein, rechts davon die ehemalige Brauerei.

Landmarke: Der Schornstein, rechts davon die ehemalige Brauerei.

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berliner zeitung/Hans Richard Edinger

Seit 90 Jahren steht er am Ufer der Müggelspree in Friedrichshagen, er gehört zum Stadtbild des Ortsteils wie der Müggelsee, der ein paar Hundert Meter weiter südlich beginnt: der Schornstein der Bürgerbräu-Brauerei. Seit das Unternehmen vor sechs Jahren schloss, blieb der 64 Meter hohe Turm mit den markanten drei Buchstaben BBB im Mauerwerk kalt.

Genau das ist ihm jetzt zum Verhängnis geworden, wie Matthias Dunge vom Berliner Landesdenkmalamt sagt: „Vor einigen Monaten wurden Risse im Mauerwerk bemerkt. Der Schornstein begann zu bröckeln, weil Fugenmasse herausfiel.“ Nachdem auch noch einer der stählernen Sicherungsringe abriss, mit denen das Bauwerk im obersten Teil umschlossen ist, drohte der Backsteinbau sogar einzustürzen.

Rille für Rille abgeschliffen

Obwohl das gesamte Brauereigebäude inklusive Schornstein ein Industriedenkmal ist, genehmigte der Bezirk Treptow-Köpenick den Abriss – für die Nachbarn bestand Gefahr für Leib und Leben. Fast zwei Drittel des geklinkerten Turmbaus sollten abgerissen werden. Die Eigentümer wandten sich an die Denkmalschutzbehörden, Aufnahmen durch Drohnen erfolgten, Statiker und weitere Experten wurden eingeschaltet. Das Ergebnis ihrer Arbeit: Der Schornstein kann saniert werden, nur die obersten 15 Meter müssen weg. Denkmalschützer Dunge: „Das war eine gute Entscheidung, jetzt bleibt das Bauwerk als traditionelle Landmarke, die man von überall sieht, erhalten.“

Im Herbst begannen Mitarbeiter einer Spezialfirma mit dem Verfugen. Rille für Rille wird abgeschliffen und neu verfüllt. Im unteren Teil erkennt man die bereits sanierten Stellen an ihrem frischen Ockerton.

Anfang 2010 war Schluss

Tina Häring, die Eigentümerin des Gebäudekomplexes, ist froh über den Erhalt. Noch immer, sagt sie, hänge ihr Herz an der Brauerei. Die bayerische Brauerfamilie Häring hatte Bürgerbräu im Jahr 1992 von der Treuhand gekauft. Biermarken wie Rotkehlchen oder Bernauer Schwarzbier kamen danach aus Friedrichshagen, wo man mit dem Slogan „Familienbrauerei im Grünen“ warb. Anfang 2010 war Schluss, die Konkurrenz der Branchen-Großen war zu stark. Die Namensrechte wurden an Radeberger verkauft, Bürgerbräu-Bier wird seither in Hohenschönhausen gebraut.

Bier ausgeschenkt wird an der Müggelspree schon seit 1753, nachdem Preußenkönig Friedrich II. Kolonisten aus Böhmen und Schlesien dort ansiedelte, so Friedrichshagen begründete und das dortige Gut die „Krugrechte“ erhielt. 1926 brannte die Brauerei ab und wurde in ihrer heutigen Form wieder aufgebaut. Die Zukunft der Gebäude, in dem nur noch Besucher durchs historische Sudhaus geführt werden, ist indes offen. Geplant ist ein Standort für Wohnungen und Gewerbe.