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Bürgerforum zu Olympia-Bewerbung: Wir wollen die Spiele! Wirklich?

Die Olympischen Ringe leuchten am 03.02.2015 in Berlin am Olympiastadion. Mit dieser Aktion wirbt die Olympiastadion GmbH für die Olympischen Spiele in Berlin.

Die Olympischen Ringe leuchten am 03.02.2015 in Berlin am Olympiastadion. Mit dieser Aktion wirbt die Olympiastadion GmbH für die Olympischen Spiele in Berlin.

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dpa

Das Volk ist, wie der Senat spätestens bei seiner Niederlage beim Volksentscheid zum Flughafen Tempelhof gelernt hat, heutzutage sehr empfindlich. Es wünscht bei allem und jedem mitzureden. Deshalb ist das Verfahren für die Bürgerbeteiligung zu einer Bewerbung Berlins um die Olympischen Spiele 2024 oder 2028 ganz oben, in der Senatskanzlei, angesiedelt.

Dort machen sich der Regierende Michael Müller und seine Leute Gedanken über ein den Berlinern wohlgefälliges Verfahren. Feinfühlig hat man beispielsweise darauf verzichtet, zum „Stadtöffentlichen Bürgerforum Olympische und Paralympische Spiele 2024 – Was will Berlin?“ am Donnerstag in die Max-Schmeling-Halle einzuladen, weil der Sportort von Sportkritikern als Zeichen der Voreingenommenheit hätte bewertet werden können. Heißt es. Der Senat lädt nun am 12. Februar um 18 Uhr ins Ewerk Wilhelmstraße 43 in Mitte ein. Dem Volk lauschen dort Michael Müller nebst weiteren Senatoren.

Für das Ewerk gibt es zwei Erklärungen. Es hat aus Senatssicht den Vorteil, dass nur rund 350 Menschen hineinpassen. Wer als Volk rein darf, wird vor allem über eine Anmeldung per E-Mail (moderator@was-will-berlin.de) geregelt. Die Senatskanzlei beteuert, es gehe keinesfalls um eine Abwehr störender Olympiagegner. Die zweite Erklärung ist, dass Olympia 2024 derzeit kein Schwein interessiert und deshalb keine Großsporthallen füllt. Altes Übel der Basisdemokratie: Erst wenn die Bagger anrollen, wacht das Volk auf und empört sich.

Aber 2024 ist nah, geplant wird jetzt. Wer noch freie Zeitkapazitäten hat: Es gibt noch andere Gelegenheit zur Partizipation. Bis zum 28. Februar können sich Interessierte auf einen Platz in der 50-köpfigen „Bürgerbegleitgruppe“ bewerben, die eine Bewerbung „kritisch begleiten“ sollen. 25 Plätze sind allerdings senatsseitig bereits an Vertreter der sogenannten Stadtgesellschaft vergeben, ein zeitgeistiger Begriff für das, was man bislang Establishment oder die üblichen Verdächtigen nannte: Verbände und Institutionen für Sport, Wirtschaft, Kultur, Umwelt, Integration …

Die in Berlin relevante Gruppe der Erwerbslosen, die vielleicht mehr Brot als Spiele wollen, gehört institutionell nicht dazu. Individuell kann sich aber jeder auf die restlichen 25 Plätze bewerben, die nach Alter, Bezirk und Geschlecht quotiert verlost werden. Und was passiert, wenn der DOSB am 21. März Hamburg den Zuschlag als deutscher Olympiabewerber gibt? Dann kann Berlin das Beteiligungsverfahren als Training für Direkte Demokratie verbuchen. Der nächste Volksentscheid kommt bestimmt.



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