Hermann Barges ist zufrieden. Mehr als 5000 Unterschriften hat seine Bürgerinitiative „100 Prozent Tempelhofer Feld“ über die Feiertage für ihr Volksbegehren gesammelt, mit der die geplante Randbebauung des ehemaligen Flughafenareals verhindert werden soll. „Wir sind zuversichtlich, dass wir unser Ziel erreichen“, sagt Barges, der Vorstandschef der Bürgerinitiative ist.
Das Ziel sind zunächst 23.000 Unterschriften. So viel will die Initiative bis Mitte Januar sammeln. Denn dann wäre es nach ihrer Berechnung möglich, einen Volksentscheid über die Zukunft des Tempelhofer Feldes noch am Tag der Bundestagswahl, dem 22. September, durchzuführen. Die notwendige Beteiligung von mindestens 25 Prozent der Wahlberechtigten wäre damit so gut wie sicher.
Seit der Eröffnung 2010 haben viele Menschen das Gelände "Tempelhofer Freiheit" für sich erobert.
Foto: dpaAm kommenden Sonntag lädt die Initiative ihre Unterstützer um 15.30 Uhr zum „kraftvollen Singen mit Kerzen und Laternen“ zum Platz der Luftbrücke. Im Anschluss an die Kundgebung soll eine weitere Bilanz der Unterschriftenaktion gezogen werden. Zwar werden für die Einleitung eines Volksbegehrens nur 20.000 Unterschriften benötigt, doch weil immer ein paar ungültige dabei sind, wollen Barges und seine Mitstreiter sicherheitshalber 23.000 Unterschriften sammeln. Für ein erfolgreiches Volksbegehren werden dann in einer zweiten Stufe rund 173.000 Stimmen benötigt.
Erreicht die Initiative dieses Ziel, wird in einem dritten Schritt bei einem Volksentscheid über einen Gesetzentwurf der Initiative abgestimmt. Dieser sieht vor, dass das Tempelhofer Feld „in seiner jetzigen Form dauerhaft gesichert“ werden soll, wie es auf der Unterschriftsliste heißt. Der geplante Bau von 4650 Wohnungen, die Errichtung von Gewerbeflächen und der Zentral- und Landesbibliothek wären dann nicht mehr möglich.
Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) beurteilt die Wünsche der Bürgerinitiative kritisch. Wenn es keine Bebauung des Tempelhofer Feldes geben dürfe, könnten dort auch keine dringend benötigten Wohnungen errichtet werden, sagt er. Dies könne nicht im Interesse der Bürger sein. Es gehe ohnehin nur darum, den Rand des Feldes zu bebauen. „Die große Fläche soll erhalten bleiben“, so Müller.
Eine große Wiese mit Wasserbecken, Bäumen und Kletterfelsen – mit diesem Entwurf gewannen die Landschaftsarchitekten des Büros gross.max den Wettbewerb für die Parklandschaft Tempelhof.
Foto: GROSS.MAXDas Areal in Tempelhof werde zusätzlich zu den anderen Neubaugebieten benötigt. „Eine Randbebauung muss möglich sein“, fordert Müller. Unterstützt wird der Senator in dieser Frage vom Berliner Mieterverein (BMV). „Dass Wohnungsbau auf dem Tempelhofer Feld ausgeschlossen werden soll, halten wir nicht für richtig“, sagt Michael Roggenbrodt, stellvertretender Geschäftsführer des Mietervereins. Er fordert allerdings, dass auf dem Areal auch Wohnungen mit bezahlbaren Mieten entstehen.
Wenn es nach dem Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) geht, müsste der Senat sogar noch mehr Tempo machen. „Je schneller das Tempelhofer Feld bebaut werden kann, desto besser“, sagt BBU-Chefin Maren Kern. „Berlin braucht neue Wohnungen und Bauland. Nur so kann die Entwicklung der Mieten gedämpft werden.“
Die grünste Metropole Europas könne es sich nicht leisten, „dieses große Flächenpotenzial nicht für die weitere Entwicklung der Stadt zu nutzen“, so BBU-Chefin Kern. Ähnlich sieht es die Industrie- und Handelskammer (IHK). Der Stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Christian Wiesenhütter sagte der Berliner Zeitung: „Um den prognostizierten Bedarf von mehr als 10.000 Wohnungen in Berlin pro Jahr zu decken, müssen verfügbare Flächen schnell mobilisiert werden.“
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