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Bundeswehr-Showroom in der Friedrichstraße: Kaum Besucher in teurem Bundeswehr-Showroom

Hauptmann Mathias Kruse begrüßt im Showroom seinen Vorgesetzen Michael Matz, General für Standortaufgaben Berlin. Die Kameraden stehen stramm.

Hauptmann Mathias Kruse begrüßt im Showroom seinen Vorgesetzen Michael Matz, General für Standortaufgaben Berlin. Die Kameraden stehen stramm.

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Lars Reimann

Mit viel Tamtam und in Anwesenheit von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) öffnete am 19. November der Showroom der Bundeswehr seine Pforten. Hier direkt am Bahnhof Friedrichstraße geht die Bundeswehr nun mit jungen Offizieren, Werbevideos und Hochglanzbroschüren auf Nachwuchssuche. Weil die Wehrpflicht ausgesetzt wurde, findet die Armee nämlich immer weniger Soldaten. Der gut ausgestattete Showroom soll helfen, den Mangel an qualifiziertem Personal zu beheben.

Aber der Showroom lockt kaum junge Leute an. Oft ist drinnen gar kein Besucher anzutreffen. Das bestätigte nun auch der Bund. Von der Eröffnung bis zum Ende der zweiten Januarwoche hätten insgesamt 1?681 Personen den Showroom besucht, also gut 40 pro Tag. Jeder, der von den Offizieren begrüßt wird, zählt schon als Besucher.

14.705?Euro Miete im im Monat

45,8 Prozent der Begrüßten sprachen dann immerhin auch mit den anwesenden Offizieren über eine mögliche Bundeswehr-Karriere. Über konkrete Verpflichtungen vor Ort gibt es keine Erkenntnisse. Das alles teilte Steffen Kampeter (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, auf zwei Berichtsanforderungen der Bundestagsabgeordneten Gesine Lötzsch (Linke) mit.

Die Werbeaktion ist der Bundeswehr einiges wert. Sie zahlt eine Gesamtbruttomiete von 14.705?Euro im Monat. Darin ist die Ladenmiete für die 66 Quadratmeter Showroom enthalten, hinzu kommen die 12 Räume für die Karriereberater auf insgesamt 289 Quadratmetern sowie vier Tiefgaragen-Stellplätze, und das direkt am Bahnhof Friedrichstraße. Unklar ist noch, ob auch die Seminarbesucher, die die hinteren Räume nutzen, als Besucher des Showrooms gezählt werden.

Das Projekt Showroom ist laut Kampeter langfristig angelegt. Der Mietvertrag zwischen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und dem Vermieter Deka-Immobilien läuft bis zum 31. August 2024. Die Bundeswehr ist nur Untermieter. „Es dürfte davon auszugehen sein, dass der Mietvertrag in gegenseitigem Einvernehmen verlängert werden wird“, teilte Kampeter mit. Eine Kaution musste die Bundeswehr übrigens nicht hinterlegen.

Insgesamt sind auch rund um den Showroom bereits erhebliche Kosten entstanden. Allein der Umbau der Ladenfläche schlug laut Kampeter mit 48?000 Euro zu Buche, die individuelle Möblierung des Showrooms kostete 18.260 Euro, die Außenleuchtschrift mit dem Slogan „Wir. Dienen. Deutschland“ wurde mit 9116 Euro verbucht. Und für die IT-Ausstattung bezahlte die Bundeswehr über 40?000 Euro. Zusammen mit den bereits entstandenen Personalkosten, die Mitarbeiter von Lötzsch durchaus plausibel mit 68.000 Euro berechnen, sind bis Anfang März insgesamt bereits etwa 250?000 Euro für den Showroom ausgegeben.

Linke: Fall für den Rechnungshof

Das würden bedeuten, dass der Showroom pro Tag bisher gut 3000 Euro gekostet hat – also mehr als der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst eines Berliners. Das Bundesverteidigungsministerium teilte am Donnerstag auf Anfrage mit, dass es konkrete Zahlen zu den Personalkosten nicht vorgelegt habe.

Nach Ansicht der Lichtenberger Bundestagsabgeordneten Gesine Lötzsch, die auch Vorsitzende des Bundestags-Haushaltsausschusses ist, wird hier viel zu viel Geld ausgegeben. „Der Showroom ist eine einzige Verschwendung von Steuergeldern und ein Fall für den Rechnungshof“, sagte Lötzsch der Berliner Zeitung. Es gehe um viel Show, das Ergebnis sei aber eher dürftig.