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Bundeswehr-Werbung an Schulen: Etat für Bundeswehr-Werbung verdoppelt

Jugendoffizier der Bundeswehr beim Vortrag an einer Berliner Schule

Jugendoffizier der Bundeswehr beim Vortrag an einer Berliner Schule

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blz/paulus ponizak

Eine Preisvergabe stößt auf Protest: Am Sonntag wurde das Schöneberger Robert-Blum-Gymnasium in Aachen mit dem Friedenspreis ausgezeichnet, den die Stadt, Gewerkschaften und christliche Gruppen vergeben. Die Schulkonferenz hatte nämlich vor zwei Jahren das Gymnasium zur „Schule ohne Militär“ erklärt, Bundeswehr-Vertreter durften die Schule nicht mehr betreten.

Am Montag meldete sich die Bildungsverwaltung mit Kritik zu Wort: Staatssekretär Mark Rackles (SPD) stellte klar, dass der Beschluss der Schule gar nicht gültig sei. „Eine solche Festlegung ist mit dem Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule nicht vereinbar“, teilte er mit. Der Beschluss der Schulkonferenz würde die Aufgabe des einzelnen Lehrers zu einer ausgewogenen Auseinandersetzung mit sicherheits- und friedenspolitischen Fragen im Unterricht beeinträchtigen.

Werbeetat steigt massiv

Das Thema „Bundeswehr an Schulen“ ist dabei aktueller denn je. Weil die Wehrpflicht ausgesetzt wurde, hat die Bundeswehr ein akutes Personalproblem. Die Gesamtausgaben für Nachwuchswerbung sind deshalb 2012 auf 29 Millionen Euro im Jahr gestiegen. Zum Vergleich: 1998 gab die Armee mit 9,8 Millionen Euro nur ein Drittel dieser Summe für Werbung aus. Das meiste Geld wird für Werbung in allerlei Medien ausgegeben.

Aber auch ganz konkret für die Arbeit in Schulen steigt der Werbeetat. Am Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium in Lichtenberg lief im Frühjahr einen ganzen Montag lang der Werbe-Spot „Bundeswehr Karriere“ über das für jeden Schüler sichtbare digitale schwarze Brett der Schule. Dies teilte die Bildungsverwaltung auf eine Anfrage der Linke-Abgeordneten Evrim Sommer mit.

Mehr als eine halbe Millionen für Nachwuchswerbung

In einem Bericht an die Linke-Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch räumte die Bundeswehr nun erstmals ein, in den beiden vergangenen Jahren bundesweit jeweils mehr als eine halbe Million Euro für Nachwuchswerbung an Schulen ausgegeben zu haben – 2011 waren es 615.844 Euro, 2012 noch 557.275 Euro. Der Etat für die Werbung an Schulen hat sich seit 2009 demnach mehr als verdoppelt, damals betrug er 246.868 Euro. „Die Bundeswehr steht in Konkurrenz zum zivilen Arbeitsmarkt“, betonte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Die Armee präsentiert sich auf Aufbildungsmessen an Schulen. Darüber hinaus stellen Jugendoffiziere Aufgaben der Bundeswehr auf Einladung im Politikunterricht vor. Empfohlen ist den Lehrern, dabei auch Bundeswehr-kritische Akteure zu Wort kommen zu lassen. Das ist aber oft nicht der Fall. Für Berlin sind allein vier Jugendoffiziere zuständig, darunter erstmals auch eine Frau im Range eines Oberleutnants.

Anders als noch vor ein wenigen Jahren gibt die Bildungsverwaltung keine Zahlen über die Auftritte der Bundeswehr mehr heraus. Offenbar geschah dies in Abstimmung mit dem Verteidigungsministerium. Auf der anderen Seite hat Berlin anders als acht Bundesländer noch keinen Kooperationsvertrag mit der Bundeswehr unterschrieben, in dem die Zusammenarbeit mit Jugendoffizieren näher geregelt wird. Meist haben Unions-geführte Landesregierungen Verträge abgeschlossen.