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Catering an Berliner Schulen: Verträge fürs Schulessen werden überprüft

Etwa 150.000 Essen werden täglich an Berliner Schulen ausgegeben.

Etwa 150.000 Essen werden täglich an Berliner Schulen ausgegeben.

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dpa

Berlin -

Das Schulessen in Berlin kostet so wenig Geld, dass es nicht gut, gehaltvoll und vitaminreich sein kann. Die Qualitätsanforderungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) werden nur zum Teil erfüllt, schreibt die Hamburger Ernährungswissenschaftlerin Ulrike Arens-Azevedo in einer Studie im Auftrag der Senatsbildungsverwaltung.

Das Mittagessen an Grundschulen müsste demnach deutlich teurer sein, wolle man die Qualitätsstandards einhalten und gleichzeitig alle Kosten der Essensanbieter abdecken – je nach Art des Angebotes würde das Mittagessen an Grundschulen dann zwischen 3,17 und 3,36 Euro kosten. Deutlich mehr als heute: Laut Studie kostet eine Portion derzeit durchschnittlich nur 2,01 Euro, wobei es zwischen einzelnen Bezirken Schwankungen von etwa 40 Cent gibt. An der Studie beteiligten sich sieben von zwölf Bezirken.

Besonders beunruhigend: Einige Bezirke haben zuletzt Ausschreibungen durchgeführt, bei denen die Einhaltung der DGE-Standards in die Verträge mit den Caterern hineingeschrieben wurden. „Wenn diese Qualitätskriterien aber laut Studie ohnehin nicht eingehalten werden können, muss man sich fragen, ob hier womöglich das Vergaberecht verletzt wurde“, sagte Cornelia Partmann von der AG Schulessen des Landeselternausschusses am Freitag.

Die Qualitätsstandards fordern ein fettarmes und wenig frittiertes Speiseangebot. Salat, Rohkost oder gegartes Gemüse sollten täglich, Seefisch einmal die Woche angeboten werden. Das Essen darf maximal drei Stunden warm gehalten werden.

Schulsenatorin Scheeres: Hoher Preis sicher noch keine Qualität

Auch an Sekundarschulen und Gymnasien müsste das Schulessen eigentlich teurer sein. Statt 2,48 Euro müssten es an Gymnasien je nach Angebot zwischen 3,97 und 4,25 Euro kosten, an Sekundarschulen müssten es statt 2,41 Euro mindestens 70 Cent mehr sein.

Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) möchte nun aufgrund der Studie erst einmal eine Debatte um die Qualität des Schulessens führen. „Allein ein höherer Preis sichert noch lange kein qualitativ besseres Schulessen“, sagte sie der Berliner Zeitung. Zunächst sollten die Bezirke nach einheitlichen Kriterien ausschreiben. Vor Ort sollten Essenausschüsse, bestehend aus Eltern und Schülern, die Speisen testen. Und die Caterer müssten ein internes Qualitätsmanagement aufbauen. Senatsintern wird überlegt, eine externe Qualitätskontrolle bei der Senatsverwaltung für Verbraucherschutz einzurichten.

Etwa 150.000 Schulessen werden täglich ausgegeben. Ein höherer Landeszuschuss würde also viel Geld kosten. Derzeit hätten die Essensanbieter pro Portion nur einen Gewinn von ein bis zwei Prozent, sagt Rolf Hoppe, Sprecher der Berliner Schulcaterer. Um wirtschaftlich überleben zu können, helfe man sich mit einer Mischkalkulation. Das heißt: Wenn etwas teurerer Seefisch angeboten wird, gibt es gleichzeitig eine eher einfache, kostengünstige Kartoffelsuppe, dann eben ohne Geflügel-Wiener. Auch ein Obstkorb könne so nicht täglich angeboten werden. Tatsächlich hat jüngst erst der Caterer Brings, der an Schulen in Treptow-Köpenick tätig war, Insolvenz anmelden müssen. Die Studie geht nun davon aus, dass die Caterer pro Portion acht Prozent Gewinn machen dürfen.

Die Verträge schließen die Bezirke mit den Essensanbietern. Peter Beckers (SPD), Schulstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, fordert, die Mittel für das Schulessen zweckgebunden zu vergeben. Die Essensqualität solle ein externes Landesinstitut kontrollieren.