blz_logo12,9

Chabad-Gemeinde: Ein Campus für orthodoxe Juden

Blau-weiß: Das Gebäude soll die jüdischen Farben tragen.

Blau-weiß: Das Gebäude soll die jüdischen Farben tragen.

Foto:

NBS Tchoban Voss

Berlin -

Ein Bagger fährt über das Gelände und ebnet die Sandhügel ein. Dann schmeißt ein Arbeiter den Rüttler an und planiert. Es sieht ganz so aus, als solle es bereits morgen losgehen mit den Bauarbeiten auf dem Areal in Wilmersdorf. Die orthodoxe jüdische Chabad Lubawitsch Gemeinde will an diesem Ort Kita, Grundschule, Gymnasium und Lehrerausbildung ansiedeln – gleich neben ihrer Synagoge an der Münsterschen Straße. Rabbiner Jehuda Teichtal hat seinem neusten Projekt bereits einen großen Namen gegeben. Ein jüdischer Campus für die Bildung solle hier entstehen, sagt er. Noch gehört der Gemeinde allerdings das Grundstück gar nicht, auf dem sie bauen will.

Das hält Yehuda Teichtal allerdings nicht davon ab, seine Pläne am Mittwoch der Öffentlichkeit zu präsentieren. Mit dem Architekten an seiner Seite stapft der Rabbiner in seiner traditionellen Kleidung über das Gelände, zeigt hierhin und dorthin, um seine Pläne zu erläutern. Ein Haus soll gebaut werden, rundlich in seiner Form, mit viel Glas und blauen Terrakotta-Fließen.

Einziehen sollen eine Kita für Kinder ab dem ersten Lebensjahr, eine Grund- und Oberschule für 400 Schüler, eine Begegnungsstätte mit Programm für etwa 600 Besucher pro Woche und ein Sportzentrum. Es soll einen Ort für Feste und Feierlichkeiten aller Art geben, Seminar- und Tagungsräume sowie einen kleinen Park drum herum.

Yehuda Teichtal ist ein charismatischer Mensch. Er wirkt durchaus überzeugend, wenn er von einem „umfassenden Ort für Menschen aller Religionen“ und einer „Begegnungs- und Bildungsstätte vom Kindergarten bis zur Universität“ spricht.

17 Jahre Chabad in Berlin

Seit 17 Jahren gibt es die Chabad Lubawitsch Bewegung auch in Berlin. Sie entstand vor 250 Jahren in Weißrussland und hat sich mittlerweile in etwa 70 Ländern etabliert. Die treibende Kraft dieser ausgesprochen traditionellen Gemeinschaft mit ultraorthodoxen Riten ist in Berlin das Ehepaar Teichtal. Die Eheleute haben in den vergangenen Jahren in dieser Stadt eine Menge bewegt. So ist es ihnen in den vergangenen Jahren gelungen, immer wieder namhaften Unterstützer, darunter auch Bundesminister, für ihre Vorhaben zu gewinnen. Trotz Vorbehalten liberaler Juden ist Chabad Lubawitsch Teil der jüdischen Einheitsgemeinde geworden und bestimmt deren Kurs mit.

Yehuda Teichtal hat schon einmal bewiesen, dass er etwas aus dem Nichts schaffen kann: indem er das bestehende jüdische Bildungszentrum mit dem architekturpreisgekrönten Synagogenraum in seinem Inneren errichtete. Sieben Millionen Euro habe es gekostet, das frühere Bewag-Transformatorenhaus in ein Gotteshaus zu verwandeln, sagt er. Das Geld habe er in kleinen Spenden zusammen getragen. Ein amerikanisches Prinzip: Die Gemeinschaft müsse sich selbst finanzieren und dabei spendeten auch weniger wohlhabende Leute für einzelne Fenster oder Bänke. „Von der Gesellschaft für die Gesellschaft“, so nennt das Teichtal.

Lottomittel für die Schule

Und so soll es auch jetzt wieder gehen. Zehn Millionen Euro veranschlagt das Architekturbüro NPS Tschoban Voss an Baukosten für das Gebäude mit einer Geschossfläche von etwa 5000 Quadratmetern. Die Planungsleistung ist gratis. Sergei Tschoban, der selbst aus einer Petersburger jüdischen Familie stammt, und seine Mitarbeiter arbeiten umsonst für die Gemeinde. Seit vier Jahren plant Tschoban bereits an dem Gebäude. „Das Fundraising läuft auch schon seit ein paar Jahren“, sagt Teichtal. Zahlreiche Privatpersonen wie auch Stiftungen hätten bereits Interesse geäußert und wollten Geld spenden. Die Lottostiftung werde sich mit 1,5 Millionen Euro für die Schule beteiligen.

Mehr Platz für Schüler, das ist der drängendste Grund für den Neubau. Bisher betreibt die Gemeinde eine Traditionsschule für Grundschüler am Spandauer Damm. Sie ist aber zu klein für all die Schüler, die sie aufnehmen könnte. Zuwandernde Juden aus Osteuropa und Israel würden gern ihre Kinder an der Schule unterbringen. „Aber in diesem Schuljahr mussten wir erstmals Kindern absagen“, sagt Teichtal, „wir brauchen dieses Grundstück“.

Ob er das bekommen wird, ist allerdings unklar. Es gehört der Deutschen Rentenversicherung und die hat es zum Verkauf ausgeschrieben. Sechs Millionen Euro solle das insgesamt 7 600 Quadratmeter große Areal zwischen Brandenburgischer und Westfälischer Straße mindestens kosten, sagt Yehuda Teichtal. Er hat eine Kooperation mit einem Wohnungsbauunternehmen verabredet. Seinem Plan zufolge, sollen auf dem größeren Teil des Geländes Wohnungen gebaut werden. Das zur Synagoge hin gelegene Areal würde Bildungscampus. „Wir haben uns beworben, aber wir wissen nicht, wer mitbietet“, sagt Teichtal. Eine Entscheidung solle innerhalb der kommenden Wochen fallen. Nach dem Kauf sei ein Baubeginn innerhalb eines halben Jahres realistisch, sagt sein Architekt.



Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?