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Charité-Forschungszentrum: Millionenbau mit Mängeln

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Der Neubau hat 85 Millionen Euro gekostet und weist Mängel auf.
Der Neubau hat 85 Millionen Euro gekostet und weist Mängel auf.
Foto: dpa
Berlin –  

Die Charité eröffnet das neue Lehr- und Forschungszentrum CharitéCrossOver. 85 Millionen Euro hat es gekostet. Doch es hat auch gravierende Mängel: Es gibt nur Kaltwasser, Türklinken funktionieren nicht und ein Fahrstuhl ist sogar nur Attrappe.

Im lichtdurchfluteten Atrium hatten sich rund 200 geladene Gäste beim Sektempfang versammelt, während über ihnen vereinzelt Mitarbeiter an den Balustraden standen und selbst gekauften Sekt aus Plastikbechern tranken. Am Mittwoch hat die Charité im Beisein des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit auf dem Campus in Mitte ein Zentrum für Grundlagenforschung eröffnet – nach drei Jahren Bauzeit und vielen Jahren immer wieder verworfener Planungen.

Der Zeitpunkt für die Einweihung des 85-Millionen-Euro-Baus scheint jedoch verfrüht: So sind die Bauarbeiten noch im Gang und gravierende Mängel nicht behoben, und von den rund 600 Beschäftigten, die hinter der Klinkerfassade des Sechsgeschossers forschen sollen, ist erst die Hälfte eingezogen. Zudem beklagen die Mitarbeiter Fehlplanungen.

„Wir begrüßen, dass die Forschungsinstitute zusammengeführt wurden. Aber was gebaut und wie es in Betrieb genommen wurde, stimmt sehr nachdenklich. Viel Fassade“, sagte Christoph Berndt, Personalratschef der Fakultät. „Es gibt weiterhin offene Fragen zur Arbeitssicherheit, zu der auch der Brandschutz gehört.“

Das Atrium als Fluchtweg

Ein Forscher berichtete, dass Rauchklappen nachgerüstet werden müssten. „Ende September haben wir abends in einem Labor Ethanolflaschen zum Abdampfen hingestellt. Am nächsten Morgen stand der ganze Raum unter Dampf, weil Luftabzüge ausgefallen waren“, sagte er. „Ein Funke hätte gereicht, dann wäre alles explodiert.“

Während Charité-Chef Karl Max Einhäupl in seiner Ansprache den neuen Bau als „gute Stube“ des Universitätsklinikums pries, führte eine Mitarbeiterin durch die Arbeitsbereiche. „An manchen Wänden bröckelt der Putz. Und die mittlere der drei Aufzugstüren ist eine Attrappe“, sagte die junge Frau. Der Fahrstuhl sei nicht eingebaut worden, weil kein Geld mehr dagewesen sei.

„In unserem Institut sind wir nicht arbeitsfähig. Es ist keine Spülküche zur Reinigung von Glasmaterialien eingerichtet“, sagte sie. Zudem gebe es nur Kaltwasser. Den Instituten sei es überlassen, aus ihrem Forschungsetat Boiler einzubauen. Die Türklinken würden nicht funktionieren. „In den Stickstoffraum gelangen wir nur von außen, so dass wir mit gentechnisch veränderten Proben auf das Gelände müssen.“ Auch gebe es keinen Keller, weil das Bauland zu sumpfig sei.

Und auch der repräsentative Innenhof, in dem die Eröffnung gefeiert wurde, kann nach Angaben von Personalratschef Berndt nur genutzt werden, wenn die anliegenden Räume versperrt werden. „Das Atrium dient als Fluchtweg“, sagte Berndt. „Ich hoffe nun, dass die Charité zumindest die notwendigen Lehren für den geplanten Umbau des Bettenhochhauses zieht.“ Vom Charité-Vorstand gab es bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme.

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