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Cirque du Soleil: Das Vorzeigekind

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Patrick Schuhmann ist beim „Cirque du Soleil“ am Cyr Wheel und auf dem Schleuderbrett zu sehen.
Patrick Schuhmann ist beim „Cirque du Soleil“ am Cyr Wheel und auf dem Schleuderbrett zu sehen.
Foto: Getty Images
Berlin –  

Mit 16 zog der Berliner Patrick Schuhmann in die Welt, um ein berühmter Artist zu werden. Nun steht 22-Jährige aus Marzahn-Hellersdorf bei der weltberühmten Artistentruppe des Cirque du Soleil unter Vertrag.

Patrick Schuhmann macht sich warm fürs Training vor der Abendvorstellung. Im Zelt neben dem Grand Chapiteau ist es eng, weil hier auch die anderen Artisten üben, die Kostüme gebügelt werden und die Garderoben hier sind.

Patrick Schuhmann, 1,70 Meter groß und ungefähr 70 Kilo schwer, steigt auf die Wippe, lässt sich zusammen mit drei Kanadiern abwechselnd hochkatapultieren, dreht in der Luft eine Doppelschraube und landet auf einer Fläche von 30 mal 30 Zentimetern. Es sind die unspektakulären Vorbereitungen für eine spektakuläre Show.

Der 22-jährige Berliner ist einer der wenigen, die aus dem Stand sechs Meter hoch fliegen können. Seinen Berliner Freunden zeigt er momentan, was er in Montreal gelernt hat. Er ist unter Vertrag beim kanadischen Cirque du Soleil, der seit einer Woche mit seinem Programm „Corteo“ in Berlin gastiert. Er ist der einzige Deutsche im Ensemble, das 62 Artisten aus 25 Ländern umfasst.

„Eines unserer Vorzeigekinder“

Mit 16 ging Patrick Schuhmann aus Marzahn-Hellersdorf weg in der Absicht, beim berühmtesten Artistik-Konzern der Welt zu arbeiten. Seit drei Jahren ist er nun dort. Beim Cirque du Soleil hat er sich auf das Schleuderbrett spezialisiert und das Cyr Wheel, einen großen Reifen, in dem er über die Bühne kreiselt.

Am vergangenen Wochenende, als Patrick das erste Mal in Berlin auftrat, im roten Anzug und bei Musik und buntem Licht, da schaute seine Mutter zu. Auch Freunde waren da. „Leute, die meine Karriere gefördert haben und denen ich einen Gefallen schulde“, sagt er. Darunter war auch Fabian Gröger, sein früherer Trainer beim Kinder- und Jugendzirkus Cabuwazi-Springling, wo er einmal anfing.

Der 22-Jährige ist der einzige Deutsche unter den 62 Künstlern. Patrick Schuhmann kommt aus Marzahn-Hellersdorf, wo er beim Kinder- und Jugendzirkus Cabuwazi-Springling anfing. Das Grand Chapiteau des Cirque du Soleil steht an der Heidestraße 30 nahe des Hauptbahnhofs.
Der 22-Jährige ist der einzige Deutsche unter den 62 Künstlern. Patrick Schuhmann kommt aus Marzahn-Hellersdorf, wo er beim Kinder- und Jugendzirkus Cabuwazi-Springling anfing. Das Grand Chapiteau des Cirque du Soleil steht an der Heidestraße 30 nahe des Hauptbahnhofs.
Foto: Bernd Friedel

Als Patrick klein war, wohnte seine Familie in einem Einfamilienhaus in Hönow hinter der Stadtgrenze, und er ging in Hoppegarten zur Schule. Als er elf war, ließen sich die Eltern scheiden. Seine Mutter, von Beruf Krankenschwester, zog mit ihm in den 7. Stock eines Plattenbaus am Roßweiner Ring. Zu seinem früheren Turnverein ging er nicht mehr; er hing auf der Straße rum. In dieser Zeit überredete ihn ein Kumpel, der beim Kinderzirkus Cabuwazi war, mitzukommen. Patrick hatte zufällig nichts anderes vor und probierte dort das Trampolin aus. Das gefiel ihm. Er kam wieder.

Er spielte erste Rollen, traute sich mehr zu und wurde auch in der Schule besser. „Er war fast jeden Tag hier“, erinnert sich Fabian Gröger, der bei Cabuwazi künstlerischer Leiter ist. „Er wurde eines unserer Vorzeigekinder.“ 2006 knüpfte Cabuwazi Beziehungen zum Cirque du Soleil, welcher sich sich weltweit sozial engagiert. Als die Kanadier in Berlin gastierten und Patrick hinter die Kulissen durfte, stand fest: Er wollte Artist werden – Artist beim Cirque du Soleil. „Dafür musst du zur Artistenschule nach Montreal“, sagt Gröger. Er trainierte ihn ein Jahr intensiv, um ihn fit zu machen und nahm ein Bewerbungsvideo auf.

In der 10. Klasse, als sich andere für eine Friseur- oder Mauerlehre bewarben, schrieb Patrick nach Montreal – und bekam eine Absage. Nach ein paar Wochen kam noch ein Brief aus Kanada. Die Schule hatte sich geirrt. Er war angenommen. „Finanziell war es eng für uns“, erinnert sich Patrick, der heute gut verdient. „Und trotzdem hat meine Mutter mir die Schule in Montreal finanziert. Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen.“

2013 nach Südamerika

Im Sommer 2006, als Deutschland im Taumel der Fußball-WM versank, begann der damals 16-Jährige, seinen Weg zu gehen. „Ich bin mit dem Gefühl gegangen, ich bin der König von Marzahn“, sagt er. „Und dann bin ich erstmal voll gegen die Wand gelaufen. Ich konnte kein Englisch, kein Französisch, schaffte anfangs die ganzen Kurse nicht.“ Aber er war ein exzellenter Akrobat. Er wiederholte die Prüfungen, nach sechs Monaten hatte er Englisch und Französisch fast so drauf wie seine Muttersprache.

Am Ende erhielt er ein gutes Artisten-Diplom, und die Leute von Cirque du Soleil entdeckten ihn. Er war schon in Russland und in Holland. Als er mit dem Programm „Corteo“ durch Europa tourte, war er jeden zweiten Monat für eine Woche zu Hause in Berlin. Als er in der vorvergangenen Woche in Berlin landete, machte Mutti – so sagt er zu ihr –, was er besonders liebt: Kassler und Sauerkraut. Sie brauchte ihm kein Sofa aufzuklappen, die Firma bezahlt ihm eine Dienstwohnung in der Nähe vom Brandenburger Tor.

2013 geht seine Truppe für ein Jahr nach Südamerika. Dann werden seine Kumpels und seine Familie länger auf ihn warten müssen. Für ihn ist Marzahn-Hellersdorf einer von vielen Flecken auf der Welt geworden. „Ich muss in Deutschland nicht mehr unbedingt leben“, sagt er. „Doch es zieht mich immer wieder hierher und auch zu meinen Freunden, und ich bin immer noch gern bei Cabuwazi und helfe den Kids.“ Gröger, sein Ex-Trainer, sagt, dass Patrick besonders in den letzten Monaten gereift ist. Patrick selbst will irgendwann mal eine eigene Show auf die Beine stellen. „Eine Show, wo mein eigener Name drauf steht.“

Bis 30. Dezember gastiert Cirque du Soleil in Berlin. Am 14. 12., um 16 Uhr, gibt es eine Benefiz-Gala für Cabuwazi.

Informationen unter 030/54490150.

Tickets gibt es auch beim Kundencenter der Berliner Zeitung unter 01805-23 27 00.

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