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City West: Frühere Zentrale der Berliner Volksbank wird durch Neubau ersetzt

Ganz schön kantig: So soll das Budapester 35 einmal aussehen.

Ganz schön kantig: So soll das Budapester 35 einmal aussehen.

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Barings

Berlin -

Die City-West erhält ein weiteres Hochhaus. An der Budapester/Ecke Kurfürstenstraße, gleich gegenüber des Olof-Palme-Platzes und dem Ost-Eingang des Zoos, entsteht ein 60 Meter hohes, achteckiges Büro- und Geschäftsgebäude. Schon in dem nächsten Wochen sollen die Bauarbeiten beginnen, im Herbst 2019 Eröffnung sein.

Nun wird das Haus mit dem wenig originellen Arbeitstitel Budapester 35 aber nicht in einer Baulücke errichtet – im Häusermeer rund um den Breitscheidplatz wäre gar kein Platz. Vielmehr soll das Budapester 35 die Zentrale der Berliner Volksbank mit seiner weithin sichtbaren rot-braunen Fassade ersetzen. Noch im Februar soll entkernt, dann abgerissen werden, schon im Herbst soll von dem markanten Rundbau nichts mehr zu sehen sein.

Abriss und Neubau werfen Fragen auf. Schließlich ist der Vorgängerbau erst 1985 eröffnet worden. 32 Jahre sind selbst im schnelllebigen Berlin, das sich ständig neu erfindet, für ein Haus kein Alter. Warum also nicht ein Umbau, eine Aufstockung von sechs auf elf Stockwerke, wie es in ursprünglichen Plänen vorgesehen war?

Höher, größer, sparsamer

„Dafür gibt es viele Gründe“, sagt Architekt Armand Grüntuch, und zählt auf: Das neue Haus wird mit 17.800 Quadratmetern und 600 Quadratmetern Lagerflächen rund doppelt so viel Nutzfläche haben wie das alte Bankgebäude. Zwar nutze man die alten Fundamente, doch tatsächlich hätte sich eine Aufstockung nicht gelohnt. „Das wäre zu umständlich gewesen“, so Grüntuch. Also habe man sich für einen neuen, vor allem deutlich höheren Wurf entschieden: 60 Meter hoch, nicht mehr rund, sondern mit vielen Ecken, die Fassade nicht mehr mit Naturstein besetzt, sondern komplett gläsern.

Ebenerdig und im ersten Stock ist Einzelhandel vorgesehen, auf den 13 Etagen darüber sollen Büroflächen entstehen. Auf dem Dach wird eine begehbare, aber nicht öffentliche Terrasse angelegt.

„Das neue Haus kann flexibler genutzt werden“, sagt der Architekt. War das alte Gebäude für nur einen Nutzer geeignet – nämlich die Bank –, können künftig viele Mieter unterkommen, ein Innenumbau sei jederzeit ohne großen Aufwand möglich. Im Übrigen sei die moderne Bauweise auch viel energetischer als der alte Bau mit seiner riesigen Klimaanlage. „Im neuen Haus wird man die Fenster öffnen können. Allein diese natürliche Lüftung spart Energie. Insgesamt werden wir deutlich weniger Energie verbrauchen als der nur halb so große Vorgänger“, sagt Grüntuch. Außerdem biete seine vielkantige Fassade immer wieder neue Perspektiven. „Das Haus wird immer anders aussehen, je nach dem, von wo man schaut“, so der Architekt.

Kein Bebauungsplan nötig

Für die städtebauliche Einordnung des Bauvorhabens sorgt Peter Strieder, einst Stadtentwicklungssenator und heute Politikberater und Senior Partner einer PR-Agentur. Es sei kein Zufall, dass dieses Bauvorhaben in der City-West angesiedelt sei, so Strieder. „Das neue Gebäude passt in die Zeit – und es passt an diesen Ort“, sagt Strieder. Die historische Mitte sei weitgehend saniert, im alten Westen passiere derzeit am meisten, auch was die Höhenentwicklung angehe. Er nennt als Bezugspunkte das Upper West und das Zoofenster mit dem Waldorf Astoria am anderen Ende des Breitscheidplatzes – beide fast 120 Meter hoch.

Doch warum dann nicht auch so hoch? Architekt Grüntuch und Strippenzieher Strieder wiegeln ab: Das würde an dieser Stelle nicht gehen, auch politisch nicht. Ein solches Haus würde die Ecke zu sehr dominieren. Der Architekt nennt noch einen gewichtigen Grund. „Für unser Gebäude braucht man keinen Bebauungsplan, für ein noch höheres sehr wohl“, sagt er. Und die dauere erfahrungsgemäß zwei bis drei Jahre. So lange wollten die Manager der US-amerikanischen Barings Real Estate keinesfalls warten. Sie haben das Projekt im aktuellen Planungsstand erworben. Die rund 100 Millionen Euro der Fondsanleger wollten jetzt investiert werden.