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Club-Szene: Das Knaack kehrt zurück

Tanz am Mauerpark: Der neue Standort an der Eberswalder Straße hat durchaus Vorteile. Die Partytram hält vor der Tür, es gibt keine nervigen Nachbarn. Das Trafohaus mit Graffiti (li.) kann geschickt in den Club-Neubau integriert werden.

Tanz am Mauerpark: Der neue Standort an der Eberswalder Straße hat durchaus Vorteile. Die Partytram hält vor der Tür, es gibt keine nervigen Nachbarn. Das Trafohaus mit Graffiti (li.) kann geschickt in den Club-Neubau integriert werden.

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Benjamin Pritzkuleit

Berlin -

Daran hat wohl keiner mehr geglaubt: Für den Knaack-Club, der vor gut zwei Jahren wegen Beschwerden über Lärm schließen musste, gibt es jetzt einen neuen Standort, sogar an einer ziemlich guten Ecke in Prenzlauer Berg. Auf einer Brache an der Eberswalder Straße, direkt am Mauerpark, können die Betreiber einen neuen Club bauen, mit Schallschutzwänden, damit draußen keiner die laute Musik hört. Die Lage ist besonders, soll doch der Neubau inmitten der früheren Wendeschleife für die Endstation der Straßenbahn entstehen. Heute braucht keiner mehr diese Anlage, die Straßenbahn der Linie M 10 („die Partytram“) fährt weiter bis zum Nordbahnhof.

Die Baupläne für den neuen Club sind bereits fertig. Die Veranstaltungshalle bietet Platz für 400 Besucher, es wird ein Café und eine Terrasse auf dem Dach geben, von dort soll eine Brücke in den Mauerpark führen. Bei Konzerten können Tourbusse und Trucks über eine breite Einfahrt an die Bühne fahren. Der Eingang befindet sich auf der von der Straße abgewandten Seite. Niemand soll gestört werden.

Denn genau das war ja der Grund, der vor drei Jahren zum bitteren Ende des Knaack-Clubs geführt hatte. Nach mehreren Prozessen hatte das Oberverwaltungsgericht die Betreiber gezwungen, die Lautstärke im Club so zu reduzieren, dass sie im benachbarten Wohnhaus ab 22 Uhr höchstens 25 Dezibel beträgt. Das ist Zimmerlautstärke.

Bei diesem Pegel lässt sich kein Club mit Konzerten und Disco betreiben. „Man kann sagen, der Laden, der mittlerweile von den Ämtern so verstümmelt wurde, war einst eine coole Sau“, schrieben die Betreiber damals frustriert. Nach 58 Jahren musste das Knaack Ende 2010 schließen.

Dabei hatten die Betreiber nichts Unrechtes getan. Vielmehr hatte das Bauamt bei der Genehmigung für einen Neubau an der Rückseite des Clubs schlichtweg vergessen, auf den Lärmschutz zu achten. Und so drang das Gewummer aus dem Club später ungeschützt in die Schlafzimmer der neuen Nachbarn. Doch die Richter am Oberverwaltungsgericht erkannten keinen Verstoß des Amtes, die Baugenehmigung sei rechtens. Die Richter legten fest, dass der Lärm aus dem Club die neuen Bewohner gefährde.

Fertigstellung bis 2016

Erbost reagierte das Berliner Partyvolk auf den Szene-Niedergang in Prenzlauer Berg. Einige Monate zuvor hatte bereits der benachbarte Magnet-Club geschlossen. Er zog nach Kreuzberg. Es folgten das Icon aus der Cantianstraße und die Szenebar „Zum schmutzigen Hobby“, die nach Lärmbeschwerden aus der Rykestraße nach Friedrichshain wechselte. Zuletzt gab das White Trash bekannt, von der Schönhauser Allee wegziehen zu wollen.

Im Bauamt Pankow hat man den schlampigen Vorgang um den Knaack-Club offenbar nicht vergessen. „Wir sind dem Club noch was schuldig“, sagt der Stadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner (Grüne). Alles scheint geklärt. Das Grundstück gehört dem Land Berlin, es gilt Baurecht. Bis zum Jahr 2016 soll der neue Knaack-Club fertig sein.

Die Betreiber haben sich nach dem Niedergang ihres Clubs nicht gelangweilt. Thilo Goos, Mitinhaber des früheren Knaack, ist auch Geschäftsführer von Black Box Music, dem Unternehmen, das auch den neuen Club baut.

Der Firma gehören in Wilhelmsruh mehrere Probehallen, in denen sich Bands auf ihre Tourneen in großen Hallen vorbereiten. Black Box Music arbeitet mit Gruppen wie Rammstein, Silbermond, Die Toten Hosen und Scooter zusammen, sowie für internationale Größen wie Gossip und Robbie Williams.

Ob der Club am Mauerpark den alten Namen behält oder einen neuen kriegt, steht noch nicht fest.