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Container-Dörfer in Berlin: Kleinere Flüchtlingsheime, weniger Widerstand

Nahe dem Tierheim sollen Container für Flüchtlinge aufgebaut werden. Für wie viele, ist noch Verhandlungssache.

Nahe dem Tierheim sollen Container für Flüchtlinge aufgebaut werden. Für wie viele, ist noch Verhandlungssache.

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dpa/Sebastian Kahnert

Eines steht für Andreas Geisel fest: „Es kann keine Diskussion darüber geben, ob wir die Flüchtlinge unterbringen“, sagt der SPD-Politiker und Bürgermeister von Lichtenberg. Angesichts von bis zu 1400 Menschen, die jeden Monat nach Berlin kommen, dürfe man den Kopf nicht in den Sand stecken. Aber, so sagt Geisel auch: „Wie und wo diese Menschen unterkommen, ist eine sehr wichtige Frage.“ Für die Flüchtlinge selbst und für ihre künftige Nachbarn.

Genau über diese Frage gibt es Debatten zwischen einigen Bezirken und dem Sozialsenator Mario Czaja (CDU). Dieser hatte vor etwa zwei Wochen sechs Standorte bestimmt, an denen Container-Dörfer für Flüchtlinge errichtet werden sollen. Diese Orte, allesamt am Stadtrand gelegen, sind für insgesamt rund 2400 Menschen gedacht, für die das Land keine anderen Unterkünfte hat. Aus den meisten der fünf betroffenen Bezirke, die von der Entscheidung des Senators komplett überrascht wurden, kam Widerspruch. Weil die Grundstücke zu dicht an bestehenden Flüchtlingsheimen liegen, weil es an Schulplätzen für die Kinder fehlt, weil der Weg zu den Ämtern viel zu weit ist.

Lichtenberg, wo bereits rund 1600 Flüchtlinge leben, soll ein Container-Dorf im Ortsteil Falkenberg bekommen. Am Hausvaterweg, auf einer gut 10.000 Quadratmeter großen Wiese nahe dem Tierheim Berlin, weitab von jeglicher sozialer Infrastruktur. Die nächste Schule zum Beispiel sei gut einen Kilometer entfernt und habe zudem keine freien Plätze, sagt Geisel. „Wir rechnen mit bis zu 450 Kindern, wie sollen wir das machen?“

Das Problem sei auch ein grundsätzliches: „In einem Dorf wie Falkenberg, wo etwa eintausend Menschen leben, 480 Flüchtlinge unterzubringen, ist nicht ganz einfach.“ Es ist unmöglich, soll das heißen. Am Mittwoch hat Geisel deshalb in Czajas Sozialverwaltung vorgesprochen. Dort habe man ihn verstanden, sagt Geisel: „Wir werden jetzt gemeinsam nach Alternativ-Standorten suchen.“ Was aber nicht heiße, dass es in Falkenberg gar keine Flüchtlinge geben wird. Aber: „Es sollen nicht mehr so viele an einem Ort sein. Wir wollen kleinere Unterkünfte, die von den Anwohnern leichter akzeptiert werden.“

Weniger Glück in der Senatsverwaltung hatte der Bürgermeister von Treptow-Köpenick, Oliver Igel (SPD). Auch er hat Vorbehalte gegen das geplante Container-Dorf vorgetragen. Dieses soll im Allende-Viertel 2 gebaut werden. 400 Menschen sollen dort untergebracht werden.

Weil es aber in etwa 500 Meter Luftlinie entfernt schon ein Heim für 300 Flüchtlinge gibt und weil die Stimmung im Viertel sehr kritisch ist, sieht Igel ein großes Akzeptanzproblem: „700 Flüchtlingen in einem einzigen Wohngebiet sind schwierig.“ Doch der Senator, so teilte der Bürgermeister am Mittwoch mit, bleibe bei seiner Entscheidung.

Igel will das Problem jetzt pragmatisch angehen. „Wir müssen dafür sorgen, dass ein Stück Ruhe in die Diskussion kommt, weil wir die Entscheidung umsetzen müssen“, sagt er. Angesichts von Protest-Petitionen und offen rechter Stimmungsmache kein leichtes Vorhaben. Anfang Dezember sollen zwei Info-Veranstaltungen stattfinden, zu denen die 5000 Anwohner des Allende-Viertels 2 eingeladen werden

Noch vor Weihnachten sollen die Container bezogen sein. Igel: „Wir müssen dafür sorgen, dass die Flüchtlinge, die oft nur ihr nacktes Leben retten konnten, eine Unterkunft bekommen und dass die Kinder betreut werden.“ Angesichts von vier Heimen im Bezirk, mit denen es kaum Probleme gebe, hoffe er auch im Allende-Viertel auf ein wachsendes Verständnis.

Bürgerberatung in Marzahn

Auch der Bürgermeister von Marzahn-Hellersdorf, Stefan Komoß (SPD), sieht sich in seinem Bezirk mit Akzeptanzproblemen für die Container konfrontiert. Am Montagabend demonstrierten Neonazis gegen die Unterkunft an der Schönagelstraße. „Wir werden die Anwohner zeitnah über die Senats-Planung informieren, wenn wir denn selbst Informationen erhalten“, sagt Komoß. Vom zuständigen Landesamt heiße es bislang nur, dass 400 Menschen Ende Februar einziehen sollen. Das Amt, so der Rathauschef, organisiere aber eine Bürgerberatung. Diese soll ab diesem Donnerstag im Stadtteilzentrum an der Marzahner Promenade stattfinden.