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Container-Dorf für Flüchtlinge im Allende-Viertel Köpenick: Angestaute Wut trifft auf Bürgermeister

Flüchtlinge sollen in dieser Containersiedlung in der Alfred-Randt-Straße im Allende Viertel 2 untergebracht werden.

Flüchtlinge sollen in dieser Containersiedlung in der Alfred-Randt-Straße im Allende Viertel 2 untergebracht werden.

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imago/Thomas Lebie

Mehr als 300 Anwohner haben sich für diesen Montag angemeldet. Mehr passen auch nicht rein in die Turnhalle der Müggelschlösschen-Grundschule im Allende-Viertel 2 in Köpenick. Dorthin hat für diesen Abend das Bezirksamt Treptow-Köpenick zur ersten Informationsveranstaltung über das Container-Dorf im Wohngebiet eingeladen. Gut 5000 Anwohner-Briefe hatte das Bezirksamt verschickt. Wer an der Veranstaltung teilnehmen wollte, musste sich anmelden. Am Eingang werden die Ausweise kontrolliert. Zwischenfälle mit ungebetenen Provokateuren sollen so vermieden werden.

Dennoch wird es für den Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick Oliver Igel (SPD) und seine Kollegen kein leichter Abend werden. Denn eine Menge Unmut, Frust und Wut haben sich im Viertel aufgestaut, seit vor fünf Wochen Berlins Sozialsenator Mario Czaja (CDU) mitteilte, dass in dem Wohngebiet, zwischen Altenheim, Grundschule und Kita, Wohncontainer für 400 Flüchtlinge aufgebaut werden. Das Allende-Viertel 2 ist einer von insgesamt sechs Standorten in Berlin. Selbst die Bezirkspolitiker waren von Senator Czaja vor vollendete Tatsachen gestellt worden.

Akzeptanz schwindet wegen Überforderung

Seit gut zwei Wochen wird auf der Fläche, auf der vor drei Jahren eine leere Kita abgerissen wurde, gebaut. Noch vor Weihnachten sollen die ersten Flüchtlinge einziehen. Zuerst wurden rund 30 Bäume gefällt, jetzt bringen Tieflader aus Slowenien und Tschechien täglich die vorgefertigten Wohncontainer auf die umzäunte Baustelle. Ein Großteil der 252 Container steht bereits, gestapelt über drei Stockwerke.

Sozialsenator Mario Czaja (CDU) will insgesamt 2400 Flüchtlinge in Wohncontainern unterbringen. Außer in Köpenick werden auch in Buch, in Lichtenberg, in Marzahn und in Steglitz solche Unterkünfte aufgestellt. Für den anhaltend großen Zustrom von Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten reichen die bisherigen Unterkünfte in Berlin nicht aus. Der Standort im Allende-Viertel gilt als umstritten. Denn etwa 500 Meter davon entfernt befindet sich bereits ein Asylbewerberheim.

300 Menschen leben dort seit einem Jahr in einem ehemaligen Seniorenheim. Anwohner wie Uli Haas, ein 70-jähriger Ingenieur, unterstützen die Flüchtlinge. In vielen Gesprächen haben er und seine Mitstreiter vom Runden Tisch des Allende-Viertels erreicht, dass das Heim bei den Nachbarn akzeptiert wird. Dass jetzt weitere 400 Flüchtlinge im Viertel untergebracht werden, sieht auch Haas kritisch: „Es überfordert die Menschen und lässt die Akzeptanz schwinden“, sagt er.

Rechtsextreme übernehmen "Bürgerdemos"

Das Ergebnis sind Protestdemonstrationen von Anwohnern, bei denen auf den „selbstherrlichen Staat“ geschimpft wird, der überfordert sei, Entscheidungen geheim halte und seinen Bürgern nicht zuhöre. Doch längst haben auch in Köpenick Rechtsextreme das Ruder bei den „Bürgerdemos“ übernommen. Ordner sind Mitglieder verbotener Kameradschaften oder rechte Fußball-Hooligans, als Redner treten Rechtsextreme wie der NPD-Landeschef Sebastian Schmidtke auf.

Das Allende-Viertel 2 entstand Anfang der 1980er-Jahre. Zwischen Kiefern und Birken wurden damals zwei Doppelhochhäuser sowie diverse Fünf-, Zehn- und Elfgeschosser gesetzt. Die sanierten Plattenbauten sind gefragt, es gibt kaum Leerstand. Viele der Erstbewohner sind inzwischen um die 80 Jahre alt.

Wegen der Nähe zum Wald und zum Müggelsee ziehen auch zunehmend junge Familien dorthin. Die Kita „Rappelkiste“, die unmittelbar an das Container-Dorf grenzt, ist voll belegt. Viele Eltern der Kinder haben Angst – vor Demos und Polizeieinsätzen am Haus. Doch es gibt auch Anwohner, die positiv denken: Eine gerade gegründete Bürgerinitiative will das Leben im Viertel mitmenschlich gestalten. Mit den 400 neuen Nachbarn, wie Thomas Fuchs von der Initiative „Allende 2 hilft“ sagt: „Es muss doch möglich sein, dass wir hier miteinander auskommen.“