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Curry 36 am Bahnhof Zoo: Konkurrenz für Konnopke's Imbiß

Neue Filiale: Ab Mittwoch gibt es Curry 36 auch am Bahnhof Zoo.

Neue Filiale: Ab Mittwoch gibt es Curry 36 auch am Bahnhof Zoo.

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Christian Schulz

Berlin -

Einmal einvernehmlich, einmal nicht. Die Zeitgleichheit sei reiner Zufall , sagen die Beteiligten. Curry 36 eröffnet seine erste Filiale um 11 Uhr mit einer Party direkt am Bahnhof Zoo. Sogar lokale Politprominenz hat sich angekündigt. Der Bezirksbürgermeister von Charlottenburg/Wilmersdorf, Reinhard Naumann (SPD), will kommen und eine Start-Currywurst testen. Konnopke’s Imbiß hingegen, jene Traditionswurstbude unter dem Viadukt an der Schönhauser Allee, bekommt Konkurrenz vom eigenen Sohn.

Mario Ziervogel, Sohn der Konnopke-Betreiberin Waltraud Ziervogel, eröffnet seinen eigenen Imbiss Ziervogel’s Kult-Curry ein paar hundert Meter weiter weg, am Senefelderplatz. Imbiss-Chef Mario Ziervogel wollte endlich eigenständig sein. Er wolle mit 50 Jahren nicht immer noch als Angestellter der Mutter arbeiten, sagt der heute 48-Jährige. Also habe er seine Mutter um die Geschäftsübergabe gebeten. Aber Waltraud Ziervogel, eine resolute, kämpferische Frau, dachte nicht daran. Auch mit 76 Jahren will sie ihren Imbiss am U-Bahnhof Eberswalder Straße in Alleinherrschaft weiterführen. Mario Ziervogel sagt, seine Mutter habe ihm vor etwa einem Jahr fristlos gekündigt.

Freunde testen die Wurst im Probebetrieb

Der Sohn suchte sich ein eigenes Geschäft. Am heutigen Mittwoch will Mario Ziervogel eröffnen, der Laden ist nur eine U-Bahn-Station von dem seiner Mutter entfernt. Zwei Tage lief der Probebetrieb in den Ladenräumen in einem Wohnhaus an der Schönhauser Allee. „Wir haben alle unsere Freunde eingeladen um die Currywurst zu testen“, sagt Viola Ziervogel, Marios Ehefrau. An der Eingangstür wird noch gearbeitet. Über eine provisorische Holzstufe gelangen die Gäste vorerst in den Laden. Im vorderen Teil ist er modern mit roten Barhockern eingerichtet, im hinteren Bereich lebt Mario Ziervogel seine Liebe zu den Bergen aus. Lederhosen schmücken die Wände und karierte Gardinen verhängen die Fenster, die nur Dekoration an der Wand sind und sich nicht schließen lassen. So etwas hätte bei Waltraud Ziervogel nicht gegeben.

Schon im Probebetrieb kommen die Stammgäste aus dem Geschäft der Mutter. Bernd Kühn (68) hatte früher ein Blumengeschäft in der Nähe von Konnopke’s Imbiß. „Wenn ich das Geld zur Sparkasse gebracht habe, hab’ ich auf dem Weg dorthin immer eine Currywurst bei Konnopke gegessen“, erzählt er. Für ihn ist der neue Laden des Sohnes wegen der Parkmöglichkeiten direkt davor praktischer.

Mario Ziervogel kennt die meisten seiner Gäste, er begrüßt sie mit Namen, sie wünschen ihm viel Glück. Das braucht er auch. Schließlich ist der neue Laden eine direkte Konkurrenz zum Geschäft der Mutter.

Das sieht der Sohn aber nicht so. „Letztendlich haben uns keine Konkurrenzgründe getrieben, sondern die Kundennähe“, sagt Mario Ziervogel. Die Kunden aus dem Geschäft der Mutter wolle man bei sich halten, sie seien an ihn und seine Frau gewöhnt. „Viele meiner Gäste sagen, es sei ihnen an Konnopke’s Imbiß zu touristisch geworden.“ Bei ihm sei das anders, sagt Mario Ziervogel. „Man kennt sich und man kennt die Wünsche der Kunden“, sagt er.

Über den Streit mit der Mutter sagt Mario Ziervogel nicht viel. „Wir wurden verabschiedet.“ Um seine Abfindung habe er vor Gericht gestritten, schließlich habe er über 20 Jahre bei der Mutter gearbeitet. Am gestrigen Dienstag entschieden die Richter den letzten Streitfall zwischen Mutter und Sohn. Es ging um die Namensrechte. Jetzt darf Mario Ziervogel seinen Laden Ziervogel’s Curry-Kult nennen. Selbst dagegen hatte die Mutter Waltraud Ziervogel zuvor geklagt. Sie wollte sich zu dem Streit nicht äußern.

Es scheint unwahrscheinlich, dass Konnopke’s Imbiß von der neuen Konkurrenz beeinträchtigt werden könnte. In allen Berlin-Reiseführen wird die Currywurstbude empfohlen, bekannte Politiker, Schauspieler und Musiker kamen schon vorbei. Am Dienstagmittag standen etwa 20 Kunden an, einige wussten noch nichts vom neuen Geschäft. „Dann geht’s jetzt wohl um die Wurscht“, sagt ein Gast.