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Cuvrystraße Berlin: Ein letztes Stück Punk

Die Brache wirkt idyllisch. Doch die Debatte um das Gelände steht für einen Kampf um den öffentlichen Raum.

Die Brache wirkt idyllisch. Doch die Debatte um das Gelände steht für einen Kampf um den öffentlichen Raum.

Foto:

Gerd Engelsmann

Berlin -

Als die U 1 über die Oberbaumbrücke rumpelt, zündet sich Torsten Schrader eine Zigarette an, blinzelt in die Sonne und sagt: „Das hier ist ein Ort zum Träumen.“ Schrader sitzt auf einer Mauer am Spreeufer, am Rande einer Wiese, die versteckt hinter einem Bauzaun an der Cuvrystraße in Kreuzberg liegt. Von hier aus kann Schrader sehen, dass der U-Bahn-Fahrer die Tür zu seiner Kabine geöffnet hat, die laue Luft hineinwehen lässt; er sieht die Menschen über die Brücke schlendern, wo Musiker auf Blech trommeln. Der Wind trägt Calypsoklänge über die Spree herüber.

Dieser Blick von der Mauer wurde tausende Male mit Kameras festgehalten, von Touristen, von Werbe- und Musikvideofilmern. Die gelbe U-Bahn, die Brücke, das Wasser und irgendwo am Horizont der Fernsehturm, dieses Bild ist längst eine Berlin-Ikone geworden. Wie auch die Brandschutzmauer an der Längsseite der Brache, auf der ein riesiges Streetartbild prangt: ein Mann mit Krawatte und Armbanduhren, die ihm mit einer dicken Kette die Hände fesseln. Es sind 8 400 Quadratmetern Niemandsland, die viel über Berlin erzählen.

Schrader, 32 Jahre alt, Werbetexter, wohnt seit drei Jahren an der Schlesischen Straße. Von seinem Fenster aus blickt er auf diesen Freiraum. Der sei ihm ans Herz gewachsen, sagt er, denn es sei einer der letzten im Kiez. Schrader nennt es „ein letztes Stück Punk“. Neben ihm sitzt eine Gruppe junger Leute, sie trinken Bier, klimpern dazu auf einer Gitarre, daneben ein Liebespaar und ein Student, der Hesse liest.

Noch ist die Brache an der Cuvrystraße ein Ort, den eigentlich niemand braucht. Nach der Wende sollte dort ein Einkaufszentrum gebaut werden, das verhinderte damals der Bezirk. Auch alle anderen Pläne scheiterten. Ein Besitzer ging Pleite.
Vergangene Woche sorgte die Brache nun für Aufregung. Auf der einen Seite stehen die, die aus seiner vermeintlichen Nutzlosigkeit etwas vermeintlich Sinnvolles machen wollten, dort für einige Wochen ein Kulturprojekt der Guggenheim-Stiftung hinstellen wollten, gesponsert von BMW.

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