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Daniel Wesener im Interview: Grüne fordern Aussetzen der Planung für Tempelhofer Feld

Daniel Wesener (Jahrgang 1975) ist seit März 2011 Landesvorsitzender der Grünen in Berlin. Er gilt als Vertreter einer linken Strömung innerhalb der Partei. Zu seinen thematischen Schwerpunkten zählt die Stadtentwicklung in der Hauptstadt.

Daniel Wesener (Jahrgang 1975) ist seit März 2011 Landesvorsitzender der Grünen in Berlin. Er gilt als Vertreter einer linken Strömung innerhalb der Partei. Zu seinen thematischen Schwerpunkten zählt die Stadtentwicklung in der Hauptstadt.

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dpa

Der Berliner Grünen-Chef Daniel Wesener hat ein Aussetzen der Planung für das Tempelhofer Feld gefordert. Um echte Bürgerbeteiligung zu ermöglichen und Ideen für eine sinnvolle Bebauung zu entwickeln, müsse es ein Planungs-Moratorium geben, sagte Wesener im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Auch ein Erfolg des Volksbegehrens könne Zeit dafür schaffen.

Der rot-schwarze Senat und die Initiative zum Erhalt des Tempelhofer Feldes stellten die Berliner vor die falsche Wahl. Es sei weder richtig, auf dem ehemaligen Flughafen-Gelände keinen Stein umzudrehen, noch so teure und große Wohnungen zu bauen, wie der Senat das wolle, soWesener.

Der Senat will am Rand des Tempelhofer Feldes hunderte Wohnungen schaffen. Die Initiatoren des Volksbegehrens wollen, dass sich überhaupt nichts ändert. Gibt es einen richtigen Weg?

Wir Grüne glauben, dass der Senat und die Initiative die Berliner vor die falsche Wahl stellen. Die einen wollen klotzen ohne Ende, die anderen wollen nicht einen einzigen Stein auf dem Feld umdrehen. Weder das eine, noch das andere wird dort gebraucht.

Wir teilen die Kritik der Initiative an den Plänen des Senats. Der will völlig überdimensioniert bauen und setzt auf Prestigeprojekte wie die „Klaus-Wowereit-Gedächtnis-Bibliothek“. Er gefährdet damit die soziale Balance in den angrenzenden Kiezen und schadet durch seine Betonpolitik der Stadtökologie. Aber die Forderung der Initiative - Käseglocke drüber und nichts verändern - halten wir auch für falsch.

Was wäre denn das Richtige?

Richtig wäre zu schauen, wie eine moderate Randbebauung aussehen kann, die moderne Stadtplanung mit dem Gemeinwohl verbindet und wirklich günstigen Wohnraum schafft. Denn der Senat suggeriert ja nur, dass dort bezahlbare Wohnungen entstehen.

Es sind Quadratmeterpreise von mehr als zehn Euro im Gespräch. Das ist kein soziales Bauen. Berlin könnte außerdem am Tempelhofer Feld endlich mal zeigen, wie moderne Bürgerbeteiligung aussieht. Dafür bräuchte es jetzt ein Planungs-Moratorium. Denn momentan schafft der Senat mit Ausschreibungen, Wettbewerben und Bebauungsplan-Verfahren vollendete Tatsachen.

Drücken Sie deswegen dem Volksbegehren die Daumen?

Es gibt viele in der Stadt, die von den Plänen des Senats entsetzt sind. Manche unterschreiben aus Protest das Volksbegehren, obwohl sie sich wie wir Grüne Wohnungen entlang des Tempelhofer Damms und auf Neuköllner Seite soziale Infrastruktur vorstellen können. Es wäre deshalb gut, wenn wir für die Diskussion mehr Zeit hätten. Berlin hat schon allzu häufig Großprojekte begonnen, die weder gut geplant noch gut gerechnet waren.

Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) hat Bürgerkonferenzen veranstaltet und verspricht günstiges Wohnen mit Wohnberechtigungsschein. Ist das nur Schönfärberei?

Ich fürchte ja. Auf den Veranstaltungen konnte man nur noch über minimale Änderungen diskutieren. Wie viel Fläche bebaut werden soll, stand nicht zur Debatte. Das hat mit Beteiligung nichts zu tun. Echte Beteiligung lebt von einer Ergebnisoffenheit.

Ich nehme Senator Müller ab, dass er günstigen Wohnraum schaffen will. Aber die Fakten sprechen dagegen: Die geplanten Wohnungen sind im Durchschnitt zu groß und zu teuer. Offenbar will man dadurch die Defizite aus der Bewirtschaftung des Flughafengebäudes querfinanzieren. Das spricht dafür, dass der Senat auf hochwertige Luxusbebauung mit Parkblick setzt. Das sind nicht die Wohnungen, die in Berlin so dringend gebraucht werden. (dpa)