blz_logo12,9

Das größte Problem der Berliner Bäderbetriebe ist fehlendes Personal

37 Schwimmhallen gibt es in Berlin. Bis auf eine sind derzeit alle am Netz.

37 Schwimmhallen gibt es in Berlin. Bis auf eine sind derzeit alle am Netz.

Foto:

Berliner Zeitung/Markus Wächter

Er ist spricht sechs Sprachen, ist 62 Jahre alt und soll ein ruhiger Typ sein: Viel ist es nicht, was derzeit bekannt ist über den neuen Vorstandsvorsitzenden der Berliner Bäderbetriebe (BBB). Andreas Scholz-Fleischmann, bis 2014 Personalvorstand bei der Berliner Stadtreinigung und seitdem sein eigener Chef als Unternehmensberater, ist am Donnerstag vom Aufsichtsrat des Unternehmens ernannt worden. Scholz-Fleischmann erklärte am Freitag, ihm sei nun wichtig, den geplanten Bau zweier neuer Bäder schnell in die Wege zu leiten und die Kommunikation nach innen und außen zu verbessern. Zudem wolle er sein Amt schnell antreten.

Es ist kein einfacher Betrieb, in den er wechselt: 62 Bäder, 736 Mitarbeiter, sechs Millionen Badegäste jährlich, 93 Millionen Euro Sanierungsstau – Scholz-Fleischmann wird sich erst einmal einen Überblick verschaffen müssen. Er ist der vierte Vorstand seit 1995; sein Vorgänger Ole Bested Hensing hatte 2015 nach nur zwei Jahren das Handtuch geworfen. Aus privaten Gründen, wie es hieß – weil er sich in der Politik nicht durchsetzen konnte, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Allerdings setzte er Preiserhöhungen durch und rang dem Land die Zusage ab, zwei neue Kombibäder zu bauen. Die Idee, auch im Tierpark ein Freizeitbad zu bauen, ist noch nicht vom Tisch.

Der neue Bäder-Chef heißt Andreas Scholz-Fleischmann

Der neue Bäder-Chef heißt Andreas Scholz-Fleischmann

Foto:

Berliner Zeitung/Markus Wächter

Bis 1995 waren die Bezirke für die fast 100 Bäder der Stadt zuständig. Dann wurde ein landeseigenes Bäderbetriebe gegründet – um Synergien zu bündeln, Personal flexibler einsetzen und die Hallen wirtschaftlicher betreiben zu können. In einem ersten Schritt wurden unrentable Schwimmhallen geschlossen, Freibäder verpachtet und die Eintrittspreise erhöht. Schnell aber stellte sich heraus, dass das nicht reicht, um Berlins Bäder gewinnbringend zu betreiben. Trotz millionenschweren Bädersanierungsprogramms pokert der Vorstand seitdem jedes Jahr um einen höheren Zuschuss durch das Land Berlin; in diesem Jahr gab es 49 Millionen Euro, 6 Millionen mehr als ein Jahr zuvor. Gefordert wurden 55 Millionen. Dass das Baden ein Zuschussgeschäft ist, ist dem politischen Willen geschuldet: Die Sportvereine können die Bäder kostenlos nutzen, Einnahmen bringen sie den BBB nicht.

Größtes Problem derzeit ist allerdings der Personalmangel im Unternehmen. Dieser fiel lange nicht auf, weil wegen Sanierungsarbeiten immer etliche Bäder zu waren. Nun aber sind alle bis auf eines wieder am Netz – und die Öffnungszeiten mussten reduziert werden. Vielerorts müssen sich Vereine und zahlende Besucher die Bäder teilen.

Sowohl Grüne als auch SPD forderten den neuen Bäderchef am Freitag auf, aus den Fehlern seines Vorgängers zu lernen. Berlins Bäder müssten nicht mit der „privatwirtschaftlich betriebenen Therme“ konkurrieren, sagte die Grünen-Abgeordnete Anja Schillhaneck. „Die Berliner Bäder müssen sich an ihren Nutzerinnen und Nutzern orientieren“, forderte der sportpolitische Sprecher der SPD, Dennis Buchner.