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Das Tacheles wird saniert und wieder kulturell genutzt

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Das Tacheles wurde international bekannt, als es nach dem Mauerfall von Künstlern besetzt wurde. Sie retteten die  Ruine vor dem Abriss.

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Paulus Ponizak

Aus der Giebelwand des Tacheles kriecht eine riesige Wanze. Es ist noch eine Installation der Grünen, die die Zeit überdauert hat. Seit fast vier Jahren steht das einstige Kunsthaus an der Oranienburger Straße in Mitte leer, nachdem die Künstlerinitiative dort ausziehen musste.

Jetzt sind die Fenster im Erdgeschoss mit Plakaten zugeklebt. In der Etage darüber stehen in den Fensterbögen noch ein paar letzte Werke der Metallkünstler, die im Tacheles seit 1990 gearbeitet hatten. Mit dem Stillstand ist es  in ein paar Tagen aber vorbei: Am 4. April beginnt der Projektentwickler pwr development mit den Erdarbeiten auf dem Gelände, kündigte am Montag Geschäftsführer Sebastian Klatt an.

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Nicht nur Geschäfte und Büros

Das Kürzel pwr steht für die Firma Perella Weinberg Real Estate, die das 25.000 Quadratmeter große Tacheles-Areal vor zwei Jahren gekauft hatte. Es erstreckt sich von der Friedrichstraße bis zur Oranienburger Straße. Perella Weinberg will nun umsetzen, was der Fundus-Gruppe von Kaufmann Anno August Jagdfeld seit 1998 nicht gelungen war. Entstehen soll bis zum Jahr 2020 nun ein neues Stadtquartier mit Geschäften, Büros und Wohnungen. „Wir freuen uns darauf, mit unserem Projekt Berlin ein Stück Stadt zurückgeben zu können“, sagt Klatt.

Ein zentraler Baustein ist dabei das Tacheles. Das Gebäude war Teil der 1908 errichteten Friedrichstraßen-Passage. Diese Passage wollen die Investoren wieder herstellen – mit Geschäften, Restaurants und Cafés. Das Tacheles wird saniert und wieder kulturell genutzt. So schreibt es der Bezirk vor. Denn nach dem Mauerfall waren es Künstler, die das Haus vor dem Abriss retteten und den Ort international bekannt machten. Vorgesehen sind  Galerien, Ateliers, ein Kino und vielleicht ein Klub im Untergeschoss. Über dem riesigen Tacheles-Portal soll es ein Dachrestaurant geben.

Außer Geschäften und Büros sind auch 450 Wohnungen geplant, überwiegend Eigentumswohnungen. Laut Klatt wird der Wohnanteil in dem Quartier 38 Prozent betragen. Zudem werden die bestehenden Wohngebäude an der Friedrichstraße saniert. Zum Konzept gehört ein Hotel mit 140 Zimmern sowie ein Stadtplatz an der Oranienburger Straße. Das Gelände soll autofrei und öffentlich begehbar sein, es gibt mehrere Zugänge und Möglichkeiten zum Durchqueren. Mehr als eine halbe Milliarde Euro wird der Bau des Stadtquartiers kosten.

Die Planung dafür hat das Architekturbüro Herzog & de Meuron aus der Schweiz erarbeitet. Es soll mit vier Berliner Büros noch dieses Jahr Entwürfe für die Häuser erarbeiten. „Mit der Neubebauung und Sanierung wollen wir die Geschichte dieses besonderen Ortes einfangen und auf zeitgemäße Art widerspiegeln“, so Klatt. Das hofft auch Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU). Pwr sei kompetent und verlässlich, sagt er: „Nun hoffen wir auf Architekturentwürfe, die dem Ort und seiner Geschichte gerecht werden.“