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Datensicherheit bei Emails: Kleiner Berliner Dienst, hoher Schutz

Sabrina und Patrik Löhr wollen die Welt ein bisschen besser machen.

Sabrina und Patrik Löhr wollen die Welt ein bisschen besser machen.

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Berliner Zeitung/Markus Wächter

Wie dynamische Jungunternehmer einer irre angesagten Internetfirma wirken Sabrina und Patrik Löhr nicht gerade. Eher nachdenklich, mit persönlicher Überzeugung. Aber das Unternehmen der beiden 33-Jährigen ist auch kein Start-up, das sich mit einer zündenden Idee und fremdem Geld möglichst rasant entwickelt und dann teuer verkauft wird. Sondern ein kleines Unternehmen, das langsam gewachsen ist – und die Welt ein bisschen besser machen soll.

Posteo heißt der E-Mail-Dienst, den das Paar in einem Kreuzberger Hinterhof betreibt. Das Besondere: Er bietet seit seiner Gründung 2009 größtmögliche Datensicherheit. Von Anfang an wurden die E-Mails auf verschlüsselten Servern gespeichert – lange vor Edward Snowdens Enthüllungen über Geheimdienste und ihre Abhörpraktiken. Doch die haben der kleinen Firma großes Wachstum beschert: 10 000 Kunden hatte Posteo vor dem weltweiten Abhörskandal im Juni 2013. Inzwischen sind es 30.000. „Die Menschen sind sehr verunsichert“, erzählt Patrik Löhr. „Im Sommer bekamen wir eine Flut von Anfragen, viele wollten von uns wissen, wie man generell sicher surft – als wären wir die Verbraucherzentrale.“

Posteo ist eine Erfolgsgeschichte. Obwohl die beiden alles falsch machten – glaubt man gängigen Ratschlägen zur Existenzgründung. So verzichteten sie von Anfang an auf Werbung. „Wir mögen selbst nicht mit blinkenden Werbebannern zugeballert werden. Daher machen wir das auch nicht“, erklärt Sabrina Löhr, die für die Redaktion verantwortlich ist. Persönliche Empfehlungen hätten bisher genügt. Dabei war ihr Dienst von Anfang an kostenpflichtig

Kein Gründungsmythos, dafür anonyme Kunden

Einen Euro im Monat kostet das Postfach, dafür bekommt man zwei Gigabyte Speicherplatz und die Gewissheit, dass man Kunde bei einem Unternehmen ist, das Ökostrom und ein Konto bei der GLS-Bank nutzt. Keine persönlichen Daten aufzunehmen sei das Wichtigste, ist sich Patrik Löhr sicher: „Nur Daten, die nicht erhoben wurden, können nicht gehackt oder missbraucht werden.“ Die Kundendaten müsste Posteo sonst auch bei Anfragen diverser Behörden herausgeben.

Die Idee kam dem Paar, das bei Greenpeace aktiv war, als die NGO vor einigen Jahren ihren E-Mail-Dienst einstellte: Den hatten die beiden und viele Freunde bis dahin genutzt. Patrik Löhr, der schon vorher selbstständig als Administrator arbeitete, rief Posteo ins Leben, vorerst nur für einen kleinen Kreis.

Dass ein Dienst im Netz Geld kostet, ist für viele Nutzer nicht selbstverständlich. Bei den Giganten Google, Yahoo oder Apple kann sich jeder ein kostenloses E-Mail-Postfach einrichten. „Aber natürlich sind die nicht gratis, sondern finanzieren sich über Datenvermarktung und Werbung“, sagt Patrik Löhr. Datenschützer empfehlen, generell dezentrale Dienste zu nutzen. Durch das langsame Wachsen kam Posteo von Anfang an ohne fremdes Geld aus. Heute sind die beiden und ihre fünf Mitarbeiter ausschließlich mit Posteo beschäftigt. Es gab keinen Businessplan, keine Kredite, keinen Gründungsmythos – alles hat sich einfach so ergeben.

Da ihre Kunden anonym bleiben, können die Gründer nicht viel über sie berichten. Nur durch den Kundenservice erfahren sie, mit wem sie es zu tun haben. Senioren seien dabei, Selbstständige, Computerfreaks. Und einige, die man nicht zu den Digital Natives zählen würde. Das merke man, wenn sie als Bildschirmfoto ein Foto des Schreibtischs samt Bildschirm per Post verschickten. Darüber lustig macht sich Patrik Löhr nicht: „Es ist unsere Aufgabe, Technik so zu gestalten, dass jeder sie versteht.“ Auch in Sachen Transparenz will Posteo Vorbild sein: So erfährt man auf der Webseite auch, dass kein Mitarbeiter mit dem Auto zur Arbeit fährt.

Der E-Mail-Dienst im Netz: www.posteo.de



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