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Debatte über Chancengleichheit: In Berlin scheitern Migranten-Kinder häufiger an Gymnasien

Das Risiko am Gymnasium zu scheitern ist für Migrantenkinder viermal höher als für Schüler mit deutschen Wurzeln.

Das Risiko am Gymnasium zu scheitern ist für Migrantenkinder viermal höher als für Schüler mit deutschen Wurzeln.

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Imago

Berlin -

Auffällig viele migrantische Schüler in Berlin bestehen das Probejahr an Gymnasien nicht, obwohl sie laut Grundschulempfehlung dort hingehören. Genau 8,4 Prozent dieser Siebtklässler nichtdeutscher Herkunft scheiterten am Probejahr, von den Schülern deutscher Herkunft waren es in diesem Jahr nur gut zwei Prozent. Das teilte die Bildungsverwaltung in ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Bildungspolitikerin Stefanie Remlinger (Grüne) hin mit, die der Berliner Zeitung vorliegt. Diese Zahlen befeuern die Debatte um die Chancengleichheit im Bildungssystem neu.

Die Suche nach den Ursachen

Denn diese Schüler bringen nach Ansicht der Grundschullehrer das Leistungspotenzial für das Gymnasium mit. Dennoch ist das Risiko für Migranten, das Gymnasium wieder verlassen zu müssen und frustriert an eine Sekundarschule zu wechseln, viermal so hoch wie für einen Schüler deutscher Herkunft. Remlinger forderte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) nun auf, die Ursachen für das häufige Scheitern genau zu überprüfen. „Eine mögliche Diskriminierung darf hier keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden“, sagte Remlinger. Zu prüfen sei, ob die Schüler nach dem 1. Halbjahr wie vereinbart gezielt Förderung erhalten.

Von einzelnen Schulleitern wird hinter vorgehaltener Hand angedeutet, dass sie bei einem zu hohen Migrantenanteil Sorge haben, öffentlich als „Migrantenschule“ in Misskredit zu geraten, zumal die Bildungsverwaltung den Anteil von Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache auf ihren Internetseiten für jede Schule in Prozent ausweist. Die meisten Direktoren verweisen aber darauf, dass Grundschulempfehlungen nicht auf einheitlichen Kriterien basieren.

Bis zu einem Notenschnitt von 2,2 erhalten Berliner Grundschüler generell eine Gymnasialempfehlung, wobei gerade die Noten für die mündliche Mitarbeit nur schwer vergleichbar sind. „Und bei einem Notenschnitt von 2,3 bis 2,7 liegt die Entscheidung für eine Gymnasialempfehlung allein bei der Grundschule“, heißt es am Neuköllner Einstein-Gymnasium. Dort waren alle fünf Schüler, die das Probejahr trotz Gymnasialempfehlung nicht bestanden haben, nichtdeutscher Herkunft. Besonders viele migrantische Schüler mit Gymnasialempfehlung scheiterten am Neuköllner Abbe-Gymnasium (insgesamt 26 Jungen und Mädchen), am Kreuzberger Hermann-Hesse-Gymnasium (12) und am Spandauer Lily-Braun-Gymnasium (10). Als Nachteile gelten hier auch Sprachdefizite und die Tatsache, dass Eltern ihre Kinder in schulischen Dingen oft nicht unterstützen können.

Insgesamt absolvierten 8 914 Siebtklässler das Probejahr, davon waren 2 524 nichtdeutscher Herkunftssprache. 570 der Schülerinnen und Schüler bestanden das Probejahr nicht, davon haben 369 einen Migrationshintergrund.

Die vom US-Millionär George Soros gegründete „Open Society Justice Initiative“ hatte bereits vor einem Jahr eine Klage von türkisch- und arabischstämmigen Eltern gegen das Land Berlin unterstützt, weil sie die Kinder am Gymnasium diskriminiert sah. Diese Klage wurde aber abgewiesen.



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