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Berliner Zeitung | Debatte um Cannabis-Eigenbedarf: Jeder dritte Berliner hat schon mal gekifft
05. July 2012
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Debatte um Cannabis-Eigenbedarf: Jeder dritte Berliner hat schon mal gekifft

Zweifelhafter Genuss: Wie viel Stoff für den eigenen Joint darf man besitzen? Darüber scheiden sich die Geister.

Zweifelhafter Genuss: Wie viel Stoff für den eigenen Joint darf man besitzen? Darüber scheiden sich die Geister.

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AFP

Berlin -

So soll der Besitz von bis zu 15 Gramm Cannabis weiterhin als nicht strafbarer Eigenbedarf gelten oder soll die in den meisten anderen Bundesländern geltende, schärfere Regelung von 6 Gramm eingeführt werden? Mehr als die Hälfte der Berliner sind nicht dieser Meinung. 38 Prozent sind dafür, das bisherige Gesetz so zu belassen. Weitere 13 Prozent finden sogar, der Besitz von Cannabis sollte gänzlich straffrei, also unbegrenzt erlaubt sein. Demgegenüber stehen 19 Prozent, die eine Verschärfung des Eigenbedarfsgesetzes befürworten, immerhin 28 Prozent sind für ein generelles Verbot von Cannabis. Das geht aus dem Berlin-Barometer für Juni hervor, welches das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung durchführt.

Interessant sind die Toleranzunterschiede zwischen Ost und West. Sind 52 Prozent der Befragten aus dem Ostteil für einen rigideren Umgang mit Cannabis, plädieren 55 Prozent der West-Befragten für eine Liberalisierung. Noch deutlicher zeigen sich die Unterschiede, wenn gleichzeitig nach politischen Neigungen gefragt wird. Hier stehen sich besonders scharf die Anhänger der Grünen (69 Prozent für Liberalisierung) und die der CDU (62 Prozent für Verschärfung) gegenüber.

Außerdem ist gefragt worden, ob man „schon einmal Haschisch geraucht“ hat. 34 Prozent antworten mit Ja, wobei der Westen (38 Prozent) den Osten (27 Prozent) dominiert. In den Alters-kohorten stellt die Gruppe der 30- bis 44-Jährigen mit 45 Prozent den Spitzenwert, die Altersgruppe 60 Jahre und älter schneidet mit 16 Prozent Ja-Stimmen am geringsten ab.

Politiker sollen "Füße still halten"

Aufgeschlüsselt nach politischen Neigungen bekennen sich Grünen- und Piraten-Anhänger je zur Hälfte zu Haschischkonsum, die Kiffer und die Linke-Anhänger kommen auf 31 Prozent, die CDU (29 Prozent) geht noch vor der SPD (25 Prozent) durch. Nicht abgefragt wurde der aktuelle Konsum.

Einer der rührigsten Cannabis-Lobbyisten in der Stadt ist Georg Wurth vom Deutschen Hanfverband (DHV). Er hat schon eine Petition für die Legalisierung in den Bundestag eingebracht. Jüngst saß er auf Einladung der Justizverwaltung in einem Expertengremium, das die Eigenbedarfsgrenze debattierte. Am Dienstag brachte Wurth sein Anliegen beim Bürger-Dialog im Bundeskanzleramt an die Frau. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zu einem runden Tisch mit 20 Bürgern eingeladen, die je viereinhalb Minuten Zeit hatten, ihr Anliegen vorzubringen. „Sie hat sich meine Argumente für eine Liberalisierung angehört und immerhin versprochen, da ,noch mal Experten drübergucken’ zu lassen“, sagt Wurth.

„Mal sehen, ob ich noch mal von ihr hören werde.“ Durch die Ergebnisse des Berlin-Barometers fühlt sich Wurth in der Annahme bestätigt, dass eine Verschärfung des Umgangs mit Cannabis keinesfalls notwendig oder etwa auch gesellschaftlich gewollt sei. „Ich hoffe, dass das ein weiterer Punkt mehr ist, der den Politikern zeigt: Haltet die Füße still.“