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Debatte um Denkmäler-Ausstellung: Wissenschaftler fordern Lenin-Kopf zurück

Abriss des Lenindenkmals auf dem Leninplatz in Berlin-Friedrichshain, 1991. Der Kopf soll in einer Ausstellung gezeigt werden.

Abriss des Lenindenkmals auf dem Leninplatz in Berlin-Friedrichshain, 1991. Der Kopf soll in einer Ausstellung gezeigt werden.

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imago stock&people

Denn am Freitag reagierten namhafte Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirates für die Ausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ und Abgeordnete mit Unverständnis auf die Entscheidung des Senats, dass der Granitkopf des Lenin-Denkmals vom früheren Leninplatz in Friedrichshain nicht in der neuen Ausstellung gezeigt werden darf. „Der Leninkopf hat im aktuellen Ausstellungskonzept einen wichtigen Stellenwert“, sagte der Präsident des Deutschen Historischen Museums (DHM), Alexander Koch, der Berliner Zeitung. „Ich wünschte, dass die Verantwortlichen die gebotenen Chancen einer Präsentation des Leninkopfes sähen.“

Auch der Direktor der Stiftung Topographie des Terrors, Andreas Nachama, gehört zum Wissenschaftlichen Beirat. Am Freitag sagte Nachama dieser Zeitung, er sei „sehr überrascht“ gewesen, als er von der Entscheidung erfahren habe. Wie berichtet, gehörte der dreieinhalb Tonnen schwere Kopf des Lenin-Denkmals bisher zu den bedeutendsten der über 100 Originalexponate der Ausstellung, die im kommenden Frühjahr eröffnen soll.

In 129 Einzelteilen im Köpenicker Forst vergraben

Von 1970 bis 1991 stand das 20 Meter hohe Monument aus Granit auf dem früheren Leninplatz (heute Platz der Vereinten Nationen) in Friedrichshain. Dann wurde es demontiert und in 129 Einzelteilen im Köpenicker Forst vergraben.

Dass der Granitkopf ausgestellt wird, steht seit fünf Jahren fest, die Ausstellungsmacher haben sich das Exponat offiziell beim Landesdenkmalamt reservieren lassen. Es steht für eine von fünf Epochen in der Ausstellung, es symbolisiert die Zeit von 1945 bis 1989 in Ost-Berlin.

Doch plötzlich und mit merkwürdigen Begründungen hat der Senat jetzt entschieden, dass der Kopf nicht ausgestellt werden darf. Im Landesdenkmalamt wisse man nicht, wo genau das Denkmal vergraben sei, heißt es, zudem fehle Geld für die Restaurierung. Und außerdem dürfe man den Kopf nicht vom Rest des Denkmals trennen, sagte Landeskonservator Jörg Haspel.

„Diese Argumente kann ich nicht nachvollziehen“, sagte Nachama. Im Wissenschaftlichen Beirat, zu dem auch Haspel gehört, sei mehrfach über das Lenin-Denkmal und den Transport des Kopfes gesprochen worden. „Es existiert ein exakter Lageplan“, so Nachama. Im Etat der Ausstellung sei auch genügend Geld für dieses Exponat. 14 Millionen Euro geben das Land Berlin, die EU und die Lottostiftung.

Das nächste Mal trifft sich der Beirat am 23. September. Dann will Nachama den Mitgliedern vorschlagen, eine Petition an den Senat zu schreiben und darum zu bitten, den Kopf doch noch ausstellen zu dürfen. „Die Ausstellung wäre ohne Lenins Kopf deutlich weniger attraktiv.“ Für die etwas jüngere Generation habe das Denkmal „einen hohen Erinnerungswert“, sagt Nachama. DHM-Präsident Koch sagte, die Präsentation des riesigen Kopfes böte eine fantastische Möglichkeit, konkreten Fragen nach der Aufstellung sowie der gesellschaftlich-politischen Bedeutung solcher Denkmäler in der DDR nachzugehen.

Der kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Stefan Schlede, sagte: „Die Ausstellungsmacher können gut begründen, warum sie den Kopf ausstellen. Da sollte man keine Einwände des Landesdenkmalamtes gelten lassen.“

Wolfgang Brauer, kulturpolitischer Sprecher der Linksfraktion, will das Thema nach der Sommerpause im Kulturausschuss behandeln. „Die Entscheidung des Senats ist peinlich, kontraproduktiv und nicht hinnehmbar“, sagte er.


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