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Debattier-WM: Sollen Neandertaler geklont werden?

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In Aktion: Teilnehmer der Debattierweltmeisterschaft.
In Aktion: Teilnehmer der Debattierweltmeisterschaft.
 Foto: Benjamin Pritzkuleit

In der TU üben sich 1400 Studenten aus 82 Ländern im Debattieren - mit kurzen Redebeiträgen zu allen möglichen Themen versuchen sie alle sich für das Finale am 3. Januar zu qualifizieren.

Was machen junge Menschen in größeren Gruppen einen Tag vor Silvester auf der Straße des 17. Juni? Den Jahreswechsel vorbereiten, schon vorglühen? Nein, jedenfalls nicht diejenigen, die sich vor der Technischen Universität versammelt hatten. Die vermeintliche Party-Gemeinde hat ein anderes Hobby: das Debattieren. 1400 Studenten aus 82 Ländern sind dazu extra nach Berlin gekommen – unter anderem aus den USA, Großbritannien, Australien, Österreich, Frankreich, aber auch aus solchen Ländern wie Myanmar und Tadschikistan.

Letztere gelten bei der WUDC – der World Universities Debating Championship – als benachteiligte Länder, sagt WUDC-Sprecherin Annette Kirste. Nicht nur, weil die Demokratie in solchen Staaten (vorsichtig gesagt) eben nicht in voller Blüte steht, sondern weil Teilnehmer eigentlich nicht das Geld haben, nach Europa zu reisen. Daher übernimmt der WUDC für 115 Leute die Kosten der neuntägigen Reise zu der Weltmeisterschaft, die sich immerhin auf 400 Euro pro Person belaufen.

15 Minuten Vorbereitungszeit

Aber zurück zum Wettbewerb. Der beginnt am Sonntagmorgen um 10 Uhr erst einmal in zwei übervollen Hörsälen. Dort erfahren die Debattanten erst einmal, welches Thema überhaupt behandelt werden soll. Und das lautet: Internationale Entwicklungsorganisationen sollten nicht Projekte finanzieren, mit denen in korrupten Staaten die Natur ausgebeutet wird. Das ist die eine Meinung, die ein Teil der Studenten als Regierungsvertreter verteidigen muss, der Widerpart ist der Opposition vorbehalten.

15 Minuten haben die Debattanten Zeit, sich auf ihre rhetorische Auseinandersetzung vorzubereiten. Zu wenig, um nicht zu sagen, überhaupt keine Zeit. Jan Ohmstedt und Lucas Danco kennen die Debattenrunden mit ihren kurzen Vorbereitungszeiten. Gerade darin sehen die beiden Studenten aus Heidelberg den Reiz des Diskutierens. Seit sechs Jahren betätigt sich der jetzt 22-jährige Ohmstedt bereits als Freizeit-Diskutierer, sein Studienkollege Lucas (20) ist erst seit einem Jahr mit dabei. Die beiden wissen, dass natürlich kein Mensch zu jedem Thema eine eigene Meinung haben kann. Trotzdem versuchen Ohmstedt und Danco ihr Wissen möglichst breit zu halten. „Wir lesen den Spiegel, mehrere Zeitung online, sehen viel Nachrichten“, sagt Ohmstedt.

Musik gewalttätiger Rapper, Kernwaffen in Japan

Wenn dann bei den Diskussionsrunden Themen auftauchen, die ihnen fremd sind, dann müssen sie sich arrangieren. Den Vertretern der Regierungsseite geht es da ebenso wie den Oppositionsleuten. Und so wird gegen oder für das Klonen von Neandertalern gestritten, darüber, ob Verlage weiterhin die Musik gewalttätiger Rapper veröffentlichen sollen, und ob Japan der Besitz von Kernwaffen erlaubt werden sollte.

So streitet Lucas Danco am Sonntagmorgen auch vehement gegen die Förderung von Projekten in korrupten Staaten. Seine Widerpartner sind ein Student aus Südafrika und ein Kommilitone aus New York. Seine eigene Meinung ist da nicht gefragt, sie stört eher. Lucas muss Regierungsauffassungen vertreten. „Die Sicht der anderen Seite hilft, den Blick zu weiten, andere Argumente zu übernehmen oder zu akzeptieren“, sagte der Jurastudent. Mit welchen Argumenten der 20-Jährige selbst gearbeitet hat, darüber will er nicht sprechen.

Finale auf Englisch

Denn ob die schlüssig waren, darüber muss eine Jury entscheiden. Deren Bewertung wird erst am 2. Januar bekannt gegeben. Am 3. Januar gibt es dann ein großes Debatten-Finale im Maritim Hotel in Berlin, das um 17 Uhr beginnt. Wer dorthin will (der Eintritt ist kostenlos), sollte aber der englischen Sprache mächtig sein. Die Streitgespräche werden nicht übersetzt.

Debattierclubs gibt es im Gegensatz zu den USA und Großbritannien in Deutschland erst seit 20 Jahren. 60 Clubs sind es inzwischen bundesweit. Wer sie besucht, hat nach dem Studium wegen seiner Fähigkeiten in Rhetorik und Argumentation gute Chancen einen Job zu finden.

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