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Berliner Zeitung | Demo in Berlin-Köpenick: Flüchtlinge nehmen NPD-Protest gegen neue Unterkunft gelassen
27. November 2015
http://www.berliner-zeitung.de/23296908
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Demo in Berlin-Köpenick: Flüchtlinge nehmen NPD-Protest gegen neue Unterkunft gelassen

Auch der Berliner NPD-Chef Sebastian Schmidtke war vor Ort.

Auch der Berliner NPD-Chef Sebastian Schmidtke war vor Ort.

Foto:

imago/ZUMA Press

Berlin -

Neonazis und Anwohner in Berlin-Köpenick wollten am Freitag mindestens zehn Stunden lang gegen die Notbelegung einer Turnhalle protestieren. Ab 12 Uhr sammelten sich wie schon am Vorabend zwischen 30 und 50 Menschen in der Glienicker Straße im Stadtteil Köllnische Vorstadt vor der notbelegten Doppelstockturnhalle. Nach der Beschlagnahmung waren am Donnerstagabend bereits die ersten 125 Flüchtlinge eingezogen; sie schliefen vorerst auf Matten.

Während am Freitag 80 Soldaten Spanplatten zum Schutz des Hallenbodens verlegten und Betten aufbauten, erschien mit dem NPD-Vorsitzenden aus Marzahn-Hellersdorf, Andreas Käfer, der erste Demonstrant. Schon am Vorabend hatte er gemeinsam mit dem Berliner NPD-Chef Sebastian Schmidtke den Protest angeführt. Die rechtsextreme NPD ist bemüht, ihre Aktionen gegen Flüchtlinge als Bürgerprotest zu tarnen und kam ohne eigene Fahnen. Eine Gegenkundgebung mit etwa 15 Demonstranten wurde bereits um 13 Uhr wieder beendet, am Abend sollte der Protest gegen die NPD jedoch weitergehen.

Flüchtlinge reagieren gelassen

Die Polizei sprach von einer ruhigen Lage. Die bereits eingezogenen Flüchtlinge reagierten gelassen, verließen die Halle aber nicht allein. Das Wohngebiet in der Köllnischen Vorstadt gehört zu den Hochburgen der NPD. Im Stimmbezirk direkt gegenüber der Turnhalle erzielte die NPD 2011 bei den Abgeordnetenhauswahlen 14,2 Prozent der Erststimmen.

Die betroffene Halle wurde bislang von zwei Schulen und einigen Vereinen genutzt. Das Land Berlin hatte die Halle am Donnerstag ohne Konsultation des Bezirks beschlagnahmt, wie Schul- und Sportstadtrat Michael Vogel (CDU) vor Ort bestätigte. Ersatzorte zur Durchführung des Sportunterrichts seien bereits gefunden. Betreiber der Notunterkunft für bis zu 400 Flüchtlinge ist der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). (BLZ)