03.02.2012

Demos und Schweigemärsche: Die neue deutsche Fluglärm-Protest-Allianz

Flugroutengegner am 26. Januar in Berlin-Friedrichshagen. Nun wollen sich bundesweit die Initiativen zusammentun. Am Wochenende sind in Schönefeld und in Frankfurt am Main Aktionen geplant.
Flugroutengegner am 26. Januar in Berlin-Friedrichshagen. Nun wollen sich bundesweit die Initiativen zusammentun. Am Wochenende sind in Schönefeld und in Frankfurt am Main Aktionen geplant.
Foto: dapd

Rund um große Flughäfen demonstrieren Anwohner schon länger gegen lärmende Jets über ihren Orten - mit Montagsdemos oder sonntäglichen Schweigemärschen. Nun wollen sich Initiativen bundesweit zusammentun.

Netzwerke gehören in der Luftfahrt zum Geschäft. Airlines "füttern" ihre Jumbos nach Übersee mit Zubringerflügen aus der ganzen Republik und kooperieren in globalen Allianzen. Jetzt verbünden sich auch lärmgeplagte Flughafenanwohner, die gegen Triebwerksdröhnen über ihren Dächern mobil machen. Regionale Bürgerinitiativen gegen Ausbauprojekte an mehreren deutschen Flughäfen suchen den bundesweiten Schulterschluss - und wollen so der Bundesregierung auf Augenhöhe begegnen. Politik und Wirtschaft sind sensibilisiert.

Den Auftakt soll an diesem Samstag ein Parallel-Protest markieren. Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt, wo seit Herbst eine neue Landebahn den Lärm im Umland neu verteilt, werden um 12.00 Uhr bis zu 10.000 Menschen zu einer Großdemonstration erwartet. Eineinhalb Flugstunden östlich, ist auch in Schönefeld am Stadtrand Berlins eine Aktion geplant. Dort wächst der milliardenteure Hauptstadtflughafen empor, der am 3. Juni als drittgrößtes deutsches Drehkreuz eröffnen soll. Eine Delegation aus der Region Berlin/Brandenburg wollen die Frankfurter zum Solidaritätsbesuch begrüßen, nachdem eine dortige Abordnung schon bei einer Demo in Berlin war.

Die Flugrouten: So laut wird es in Berlin

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"Wir wollen zeigen: Wir gehören zusammen, und wir kämpfen um das Gleiche", sagt Ingrid Kopp, Sprecherin des Bündnisses der rund 70 Bürgerinitiativen im Rhein-Main-Gebiet. Geplant ist unter anderem, Banner auszutauschen, um jeweils auch die Forderungen der anderen hochzuhalten. Am 24. März soll dann ein großer bundesweiter Aktionstag folgen - mit koordiniertem Protest auch in Leipzig/Halle und Köln/Bonn, wo Nachtflüge für Ärger sorgen, sowie in München. "Gemeinsam sind wir stärker", sagt Hartmut Binner, Sprecher des dortigen Aktionsbündnisses, das eine dritte Startbahn verhindern will. Vorbereitet werden einheitliche Plakate und ein Motto.

Mit dem überregionalen Auftreten wollen die Lärmgegner ihre Schlagkraft erhöhen. "Wir können bundesweit mehr Menschen erreichen, als wenn jeder Flughafen für sich demonstriert", sagt Binner. "Die Bundespolitik ist unser Ansprechpartner", ergänzt Kopp. Das Reizthema ist schon auf dem Radar der Regierung. Für Investitionen und privaten Wohlstand brauche es eine leistungsfähige Infrastruktur - und die sei ohne Nebenwirkungen nicht zu haben, argumentiert Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). "Wir müssen allerdings darauf achten, unsere Wohn- und Lebensqualität als Gegengewicht zu den auftretenden Belastungen zu bewahren."

So sollen die Flugzeuge starten

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Zum Dialog bekennt sich auch die Luftfahrt, die weiteres Wachstum anpeilt. Getrieben durch den Billigflieger-Boom stieg die Zahl der Flugbewegungen schon auf gut 2,1 Millionen an 22 größeren Airports - das sind rund 280 000 Starts und Landungen mehr als zehn Jahre zuvor an 18 Standorten. "Die Sorgen und Nöte der Anwohner nehmen wir sehr ernst", sagt der Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV), Ralph Beisel. Das Ziel laute deswegen, "das Verkehrswachstum vom Fluglärm zu entkoppeln". Neben Schallschutzfenstern gehe es etwa darum, Flugrouten zu verbessern und mit lärmabhängigen Entgelten Anreize für leisere Jets zu schaffen.

Große Flughäfen sind allerdings auch Jobmotoren mit Zehntausenden Beschäftigten. Und die Gelegenheit zum Abheben ohne weite Anfahrt nutzen viele Bundesbürger gern. Die Bevölkerung reagiere mittlerweile aber deutlich stärker auf Lärmbelastung durch Flugverkehr, sagt der Präsident des Umweltbundesamts, Jochen Flasbarth. Entscheidend bei neuen Projekten sei die Standortwahl, da es später für das direkte Umfeld kaum Lärmbekämpfungsspielraum gebe. "Ein Flughafen gehört aus Lärmschutzgründen nicht in unmittelbare Stadtnähe." Angesichts der Wachstumsprognosen gilt indes eher mehr Lärm als wahrscheinlich, wie auch Flasbarth befürchtet. "Die neueren Flugzeuge werden nicht ausreichend leiser sein, um die Lärmsituation spürbar zu verbessern." (dpa)

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