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Deutscher Lehrerpreis 2013: Lichtenberger Lehrer ist bester Pädagoge

Bester Lehrer Deutschlands: Robert Rauh.

Bester Lehrer Deutschlands: Robert Rauh.

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blz/Paulus Ponozak

Robert Rauh ist ein ganz besonders guter Lehrer. Davon sind so ziemlich alle seine Schüler überzeugt. „Sein Unterricht ist interessant und vielfältig, sogar witzige Bemerkungen dürfen wir machen“, sagt der 19-jährige Dustin. „Er ist Lehrer und Freund zugleich“, sagt der gleichaltrige Besim. Von diesen beiden kräftigen Jungmännern würde man eigentlich nicht erwarten, dass sie von einem Lehrer schwärmen. Doch sie tun es und erzählen staunend, dass Jugendliche Robert Rauh sogar auf dem Handy anrufen konnten, wenn sie Probleme hatten.

Gemeinsam mit weiteren Schülern aus dem damaligen Leistungskurs Geschichte haben Dustin und Besim Robert Rauh vor einigen Monaten für den Deutschen Lehrerpreis vorgeschlagen. „Im Gegensatz zu anderen unterrichtet Herr Rauh nicht stur nach Lehrplan“, schrieben sie zur Begründung. Und Robert Rauh, 46 Jahre jung, hat die Jury überzeugt. Gemeinsam mit 15 weiteren Pädagogen aus ganz Deutschland erhält er den angesehenen Preis, den der Deutsche Philologenverband und die Vodafone-Stiftung gemeinsam vergeben. Neben der Ehre gibt es eine schlichte Trophäe und 1 000 Euro für ihn.

Er wollte gar nicht Lehrer werden

Robert Rauh unterrichtet am Barnim-Gymnasium, einem schmucken, erst 1998 bezogenen Halbrundbau draußen in Falkenberg am nordöstlichen Stadtrand. Sein Leistungskurs Geschichte beschäftigt sich heute im Raum 2.6.11 mit dem Mittelalter. Es geht um die Adelsgeschlechter der Staufer und der Welfen, um Kaiser Barbarossa und den Welfenfürsten Heinrich den Löwen. Waren die beiden mächtigen Herrscher damals Verbündete oder Gegner? Robert Rauh trägt eine ausgewaschene Jeans, ein schwarzes Hemd und weiße Turnschuhe.

Er spricht mit klarer Stimme. Zum Schluss sollen die Schüler zu zweit eine Pressemitteilung des Kaisers Barbarossa entwerfen. Zunächst definieren die Schüler gemeinsam, was eine solche Mitteilung eigentlich ausmacht: Eine Position klar machen soll sie, manipulativ und marktschreierisch soll sie sein, aber nicht zu lang ausfallen. Auf diese Weise lernen sie im Geschichtsunterricht auch noch, eine Pressemitteilung zu verfassen.

Den Schülern hat die Geschichtsstunde Spaß gemacht. „Ich habe das Gefühl, er will wirklich alle erreichen und mitnehmen“, sagt Lena. Es sieht so aus, als sehen die Schüler in ihre m Lehrer gleichzeitig den Kumpel und die Autoritätsfigur.

Kurios ist, dass Robert Rauh eigentlich gar nicht Lehrer werden wollte. Noch zu DDR-Zeiten begann er an der Humboldt-Universität ein Studium der Archivwissenschaften. Den Dingen auf den Grund zu gehen, den Zeitläufen hinterherzuspüren, das hat ihn stets interessiert. Schon damals an der Erweiterten Oberschule Friedrich List in Pankow, dem heutigen Delbrück-Gymnasium, wo er als Schüler die Geschichte der Schule erforschte. „Auch die Zeit vor 1945, das wurde in der DDR ja nicht so genau behandelt“, sagt Rauh.

Erst als er nach der Wende während seines Studiums einen Job an einer privaten Nachhilfeschule bekam, merkte er, welch große Freude es ihm bereitet, Wissen zu vermitteln. Er begann ein Lehramtsstudium. Geschichte und Deutsch. Auf eine Anstellung musste er jahrelang warten, bis 2001.

Heute unterrichtet Robert Rauh nicht nur. Er bildet auch als Fachseminarleiter Referendare aus. „Besonders wichtig ist die Lehrerpersönlichkeit“, sagt der höfliche Mann. Ein guter Lehrer sei wie eine Art Regisseur, der mittels Vortrag und sinnvoller Fragen das Unterrichtsgeschehen zusammenhalte. Rauh hält nicht allzu viel von manchen pädagogischen Modeerscheinungen. Er zieht die Kreidetafel dem Whiteboard vor. Er glaubt auch nicht, dass die Schüler immer in kleinen Gruppen selbst lernen sollten. Denn es sei ja unklar, was die Schüler sich da ohne Präsenz eines Lehrers gegenseitig beibringen.

Auch was die Lehrerausbildung angeht, hat Robert Rauh klare Vorstellungen. „Es sollte wie in Skandinavien ein Auswahlverfahren für das Lehramtsstudium geben.“ Nur wer gut mit Kindern und Jugendlichen kommunizieren könne, sollte Lehrer werden. Derzeit fehle der Praxisbezug in der Ausbildung.

Wichtig ist für Rauh, dass der Unterricht in entspannter Atmosphäre stattfinden kann, wie er sagt. Leider seien die Lehrpläne durch das Turboabitur am Gymnasium überfrachtet. Wichtiger werde es, den Schülern Schlüsselqualifikationen zu vermitteln. Ihnen zu zeigen, wie sie recherchieren, wie sie Wissen anwenden, argumentieren und bewerten können.

Als Vorbild hat er dabei immer noch seine einstige Chemielehrerin vor Augen. Frau Tewes, hieß sie. Chemie habe er nicht wirklich gemocht, erinnert sich Rauh. Doch diese Frau habe es durch ihre lebendige Art und viele Experimente geschafft, ihn doch zu begeistern.