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Direktor Günter Marzineck ist DJ Direx: Berliner Schulleiter macht den Pausenhof zur Disco

Und jetzt alle: In der ersten Hofpause tanzen die Mädchen und Jungen der Grundschule am Teutoburger Platz.

Und jetzt alle: In der ersten Hofpause tanzen die Mädchen und Jungen der Grundschule am Teutoburger Platz.

Foto:

Akud/Lars Reimann

Kurz vor der ersten großen Hofpause wird Günter Marzineck unruhig, er schaut jetzt ständig auf die Uhr, denn wenn die Pausenklingel läutet, muss es schnell gehen. Dann greift sich der Schulleiter die mobile Musikbox in seinem Zimmer, zieht zügig den Kasten wie einen Rollkoffer über den Flur. Draußen umringen ihn die Kinder seiner Schule, die Sechsjährigen der ersten Klassen und die größeren der fünften und sechsten Klassen.

Auch Lehrerinnen tanzen mit

Marzineck stellt die Musikbox in die Mitte des Hofs und legt eine CD ein. Die Kinder stellen sich unaufgefordert zur Formation auf, schauen gespannt zum Direktor. Der dreht jetzt die Lautstärke voll auf. Taylor Swift singt „Shake It Off“, und die Mädchen und Jungen der Grundschule am Teutoburger Platz in Prenzlauer Berg tanzen nach einer eingeübten Choreografie, sogar ein paar Lehrerinnen machen mit. Alle sehen fröhlich aus, werfen die Arme hoch, kreisen ihre Hüften, gehen zwei Schritte nach links und zwei nach rechts. Es ist Discozeit, und Direktor Marzineck ist der DJ. DJ Direx.

„Das ist doch mal eine Pausengestaltung, die den Kindern Freude bringt“, sagt der 63-jährige Rektor später, als die Schüler wieder in ihren Klassenzimmern sitzen. „Und ich muss gar nichts machen, es läuft alles von allein.“

Marzineck lacht, wenn er das sagt. Er ist ein freundlicher Mann, einer, dem man zutraut, dass er anpackt, wenn er überzeugt ist, dass es was Gutes ist. Ein Kumpel-Typ in Karo-Hemd, Lederweste, Turnschuhen und Parka, der in der DDR mit der Musik der Rolling Stones und der Beatles aufgewachsen ist und den Erstklässlern bei der Einschulungsfeier immer wieder mit auf den Weg gibt, dass es zwei wundervolle Dinge im Leben eines Menschen gebe: das Lachen eines Babys und die Musik. Und jetzt ist er ein Alleinunterhalter, der die Lieblingssongs seiner Schüler spielt: Taylor Swift, Bruno Mars, Carly Rae Jepsen. Hits sind dabei wie Cotton Eye Joe. Am Ende läuft Michael Jackson. Beat it. Nach diesem Song dirigiert Marzineck mit ausgebreiteten Armen die Kinder in die Schule. Ohne Murren folgen sie seiner Anweisung. Sie wissen, am nächsten Tag geht die Pausenparty weiter.

Marzineck sagt, es sei von Anfang an alles von allein gelaufen. Im April vergangenen Jahres waren Schüler der Willkommensklasse mit einer einstudierten Choreografie beim Talentewettbewerb der Schule aufgetreten, ihre Lehrerin tanzt gern. Der ganze Saal habe damals mitgetanzt, sagt Marzineck. Anschließend wollten Schüler anderer Klassen auch so tanzen. Zwei Wochen lang probten sie im Theatersaal der Schule, dann gab es den ersten öffentlichen Auftritt auf dem Pausenhof. „So ging das immer weiter“, sagt Marzineck, der seit 37 Jahren Lehrer für Sport und Geografie ist und die Grundschule am Teutoburger Platz seit 1991 leitet.

Mittlerweile gehören sechs Titel zum Repertoire, das heißt, zu sechs Songs tanzen die Schüler in einstudierten Bewegungen. Manche Kinder üben zu Hause, selbst gebrannte CDs mit den Pausenhits kursieren in der Schule. Auch in Marzinecks Schreibtisch liegen einige zum Verschenken.

Neulich haben sich Anwohner bei Marzineck über die laute Musik beschwert. Er hat gleich gesagt, dass er sie nicht leiser stellen werde. Er hat sich auch keine Genehmigung von der Senatsschulverwaltung geholt. Warum auch. „Wer soll sich denn in den Weg stellen, wenn es um die Freude der Kinder geht?“