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Dragoner-Areal in Berlin-Kreuzberg: Poker um Kreuzbergs letztes großes Grundstück geht in die heiße Phase

Die ehemalige Garde-Dragoner-Kaserne in Kreuzberg

Die ehemalige Garde-Dragoner-Kaserne in Kreuzberg

Foto:

Imago/Schöning

Es ist ein wohl letzter Versuch, um die Privatisierung des bundeseigenen Dragoner-Areals in Kreuzberg zu verhindern – und eine Fläche für preiswertes Wohnen zu erhalten. Der Senat hat am Dienstag die ersten Schritte eingeleitet, um das Dragoner-Areal sowie dessen Umgebung zu einem Sanierungsgebiet zu erklären.

Bis in die zweite Jahreshälfte 2016 soll ein insgesamt 18,8 Hektar großes Gebiet, zu dem das Dragoner-Areal gehört, zunächst untersucht werden, ob es sich als Sanierungsgebiet eignet. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn viele Flächen erneuerungsbedürftig sind und leerstehen. Wird das Quartier zum Sanierungsgebiet erklärt, könnte das Land Berlin einen Verkauf des 4,7 Hektar großen Dragoner-Areals zum spekulativen Preis, wie er jetzt von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) geplant ist, verhindern.

Das Problem: Der Verkauf des Dragoner-Areals steht bereits bei der nächsten Sitzung des Bundesrats-Finanzausschusses am 10. September erneut auf der Tagesordnung. Zweimal hatte das Land Berlin eine Beschlussfassung über den bereits ausgehandelten Verkauf verhindert. Ob es ein drittes Mal gelingt, ist offen. Der Plan des Senats könnte also zu spät kommen.

Das Dragoner-Areal ist eines der letzten großen Grundstücke in Kreuzberg, die neu gestaltet werden können. Im 19. Jahrhundert entstand auf dem Gelände die Garde-Dragoner-Kaserne – daher kommt der Name. Ein Teil des Areals steht unter Denkmalschutz, darunter ehemalige Pferdeställe. Auf dem Gelände haben sich kleine Gewerbebetriebe angesiedelt, darunter Autowerkstätten, ein Bio-Supermarkt und der Club Gretchen, der ein Kulturprogramm bietet. Sie wollen dortbleiben, befürchten aber, dass sie bei einem Verkauf an den privaten Interessenten weichen müssten – wegen steigender Mieten.

Wie berichtet, will die Bima das Dragoner-Areal für 36 Millionen Euro an einen Privat-Investor aus Wien verkaufen. Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) richtete am Dienstag einen Appell an die Beteiligten. Er sagte, mit Hilfe aller Mitwirkenden könne im Herzen Kreuzbergs beispielhaft Wohnen und Arbeiten mit sozialer und ökologischer Verantwortung zukunftsorientiert realisiert werden. Ziel des Senats ist es, das Dragoner-Areal zu einem „vielfältig genutzten Stadtquartier mit neuem und gefördertem Wohnraum für eine ausgewogene sozial gemischte Bevölkerung“ zu entwickeln.

Die Grünen-Politikerinnen Lisa Paus und Katrin Schmidberger kritisierten den Senat. „Endlich ist die SPD aufgewacht“, erklärten sie. Dass das Kreuzberger Quartier erst in der zweiten Jahreshälfte 2016 als Sanierungsgebiet ausgewiesen werden soll, sei aber zu spät. „Wenn der Senat es ernst meint mit der Rettung des Dragoner-Areals, muss er das Verfahren beschleunigen“. Die Initiative Stadt von Unten rief die SPD auf, im Bundesrat zu zeigen, „dass es ihr mit der Ablehnung des Verkaufs und der von ihr proklamierten sozialen Wohnungspolitik ernst ist“.



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