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Berliner Zeitung | Dragoner-Areal in Kreuzberg: Kampf um eines der letzten großen Baugrundstücke in Kreuzberg
21. April 2015
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Dragoner-Areal in Kreuzberg: Kampf um eines der letzten großen Baugrundstücke in Kreuzberg

Die ehemalige Garde-Dragoner-Kaserne in Kreuzberg

Die ehemalige Garde-Dragoner-Kaserne in Kreuzberg

Foto:

Imago/Schöning

Berlin -

Platzt der umstrittene Verkauf des Kreuzberger Dragoner-Areals in letzter Minute – und kann die bundeseigene Fläche als Standort für preiswerte Neubauwohnungen gesichert werden? Zumindest Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) will alles dafür tun.

Der Senator erklärte am Dienstag, Berlin wolle bei der entscheidenden Sitzung des Finanzausschusses des Bundesrats am Donnerstag gegen die geplante Transaktion stimmen. „Die Veräußerung des Dragonergeländes zum Preis des Meistbietenden wäre wieder ein Beispiel für eine gesellschaftliche Fehlsteuerung“, sagte der Senator der Berliner Zeitung. Der Bund würde bei dem geplanten Verkauf zum Höchstpreis „vielleicht das Doppelte des Verkehrswerts“ kassieren, die Schaffung „preiswerten Wohnraums“ werde damit aber „erschwert oder unmöglich“.

Eine der letzten bebauungsfähigen Flächen in Kreuzberg

Wie berichtet, hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) beim Bieterverfahren für das rund 47.000 Quadratmeter große Areal einem privaten Interessenten den Zuschlag erteilt, der 36 Millionen Euro geboten hat. Mehrere landeseigene Berliner Wohnungsbaugesellschaften stiegen bei Geboten von 18 bis 20 Millionen Euro aus. Grund: Bei einem höheren Preis wäre aus ihrer Sicht das Ziel nicht zu erreichen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Das Dragoner-Areal ist eines der letzten großen Grundstücke in Kreuzberg, die bebaut werden können. Im 19. Jahrhundert entstand zwischen Mehringdamm, Obentraut-, Großbeeren- und Yorckstraße die Garde-Dragoner-Kaserne – daher der Name. Noch heute gibt es frühere Pferdeställe und Reithallen. Auf dem Gelände haben sich unter anderem Autowerkstätten angesiedelt, die Firma Marmorwerk und ein Bio-Supermarkt.

Nachdem der Bundestags-Haushaltsausschuss bereits grünes Licht für den Verkauf gegeben hat, fehlt jetzt noch die Zustimmung des Bundesrats. Diese ist notwendig, wenn Grundstücke für mehr als 15 Millionen Euro verkauft werden. Ob der Bundesrat grünes Licht gibt, ist aber offen. Neben Berlin wollen Bremen und Schleswig-Holstein dem Vernehmen nach gegen den Verkauf stimmen. Dort werden die Finanz-Ressorts von den Grünen besetzt, die im Bund und in Berlin den Verkauf bundeseigener Immobilien zum Höchstpreis heftig kritisieren.

In einem Brief an die Finanzminister der Länder rufen die Berliner Bundestagsabgeordnete Lisa Paus, die Landespolitikerin Katrin Schmidberger und der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg Hans Panhoff (alle Grüne) dazu auf, dem Verkauf des Dragoner-Areals nicht zuzustimmen.

Vielfalt in Kreuzberger Leben ist das Ziel

Die Grünen kritisieren, dass den Mitgliedern des Haushaltsausschusses vor der Zustimmung „nur sehr unvollständige Angaben zum Käufer des Dragoner-Areals gemacht“ worden seien. Anders als in einem Bericht des Finanzministeriums über den Verkauf dargestellt, sei der Käufer nicht der Berliner Unternehmer Arne Piepgras, sondern eine Investorengruppe mit Sitz in Wien. Und anders als vom Ministerium dargestellt, habe der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg die noch von Piepgras vorgelegte Planung auch nicht befürwortet.

Die Firma Stattbad Wedding des Unternehmers Piepgras hatte mit ihrer neu gegründeten Projektgesellschaft Dragonerhöfe für 36 Millionen Euro den Zuschlag für die Top-Immobilie bekommen. Piepgras hielt jedoch bis zuletzt nur noch zehn Prozent der Anteile, weswegen Kritiker in ihm nur einen Strohmann sahen.

Seit Dienstag ist klar: Selbst die zehn Prozent wird Piepgras aufgeben. Die in Wien beheimatete Dragonerhöfe GmbH erklärte, sie werde das Areal ohne den Berliner Unternehmer gestalten. „Unsere Absicht ist es, das Dragoner-Areal so zu entwickeln, dass es Raum und Atmosphäre bietet für das typisch Kreuzberger Leben der Vielfalt“, heißt es in einer Mitteilung. Dazu gehörten „Wohnungen zu sozialverträglichen Mieten ebenso wie frei vermietbarer Wohnraum; Geschäfte, Cafés und Restaurants ebenso wie Möglichkeiten für Kunst und Kultur.

Finanzsenator Kollatz-Ahnen erklärte: „Falls das Areal tatsächlich an den Privaten übergeht, werden wir auf sozialverträgliche Mieten dringen.“ Der Handlungsspielraum sei dann allerdings begrenzt. Berlin habe nach wie vor selbst Interesse am Erwerb des Areals, um dort Wohnungen zu bauen, bekräftigte der Senator – „aber nicht zum aufgerufenen Preis“.