blz_logo12,9

Dresdner Bahn in Berlin Lichtenrade: Der Flughafen-Express braucht vielleicht bis 2030

CDU-Politiker fordern eine schnelle Bahnanbindung an den neuen Hauptstadtflughafen BER.

CDU-Politiker fordern eine schnelle Bahnanbindung an den neuen Hauptstadtflughafen BER.

Foto:

imago/Martin Müller

Der Streit um die Dresdner Bahn, das größte Bahnbauprojekt im Süden Berlins, spitzt sich zu. Nach Informationen des Senats erhält die Deutsche Bahn (DB) in absehbarer Zeit die Genehmigung für einen Streckenbau ohne Tunnel in Lichtenrade. „Das Eisenbahn-Bundesamt möchte den Planfeststellungsbeschluss, der von einer ebenerdigen Führung ausgeht, spätestens Mitte des Jahres fassen“, sagte Andreas Geisel (SPD), Senator für Stadtentwicklung, der Berliner Zeitung. Damit kündigt sich eine Verschärfung des Konflikts an. Denn Anwohner der vorgesehenen Fern- und Regionalzugstrecke wollen klagen.

BER, Staatsoper, Museumsinsel – in Berlin gibt es einige Projekte, bei denen Zeitpläne aus dem Ruder gelaufen sind. Doch keines toppt den geplanten Neubau der Dresdner Bahn. Das Vorhaben geriet bereits in der Planungsphase in schwere Turbulenzen. Bis jetzt gibt es weder eine Genehmigung, noch wurde auch nur ein Kubikmeter Boden bewegt. Nicht viele Bauprojekte dümpeln schon so lange vor sich hin.

Ohne Umweg zum Flughafen BER

Seit den 1990er-Jahren plant die DB, die 1952 stillgelegte Strecke im Süden Berlins neu zu bauen – elektrifiziert, mit zwei Gleisen. Sie soll nicht nur dem Intercity nach Dresden Umwege ersparen, sondern auch dem Airport Express zum BER.

Die Dresdner Bahn ist wichtig für die Region. Doch nachdem Lichtenrader mehr als 16.000 Unterschriften für einen Tunnel gesammelt hatten, unterbrach der Senat 1998 das gerade erst begonnene Planfeststellungsverfahren – ein in Deutschland einmaliger Vorgang. Der prominente Lichtenrader Klaus Wowereit, bis 2014 Regierender Bürgermeister, unterstützte die Anwohner. Nach zwei Jahren ging das Verfahren weiter, doch es dauert bis heute an – noch ein Negativrekord. Offiziell will das Eisenbahn-Bundesamt nicht mitteilen, wann es endet. Und immer wieder trommelten die Bürgerinitiative Dresdner Bahn und andere Lichtenrader für ihre Forderung: Ein Bahntunnel muss her.

Betrieb könnte erst 2030 beginnen

Groß war deshalb die Aufregung, als Senator Geisel nach seinem Amtsantritt im Januar 2015 die Forderung nach einem Tunnel skeptisch bewertete. Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak fühlte sich durch Geisels Äußerung irritiert. „Sie steht im klaren Widerspruch zum Koalitionsvertrag. Dort ist auf Drängen der CDU festgelegt: ’Das Land Berlin setzt sich beim Bund für eine Tunnelführung der Dresdner Bahn im Bereich Lichtenrade ein.’“ Möglicherweise war Geisel Äußerung darauf zurückzuführen, dass er erst seit Kurzem im Amt ist, so Luczak. Doch nun, rund vier Monate später, hat der Senator bekräftigt, dass er kein Tunnel-Fan ist.

„Die DB wird uns Berechnungen vorlegen, und dann werden wir sehen, wie viel Geld die einzelnen Varianten kosten. Gleichzeitig treibt sie das Planfeststellungsverfahren, bei dem von einer ebenerdigen Führung ausgegangen wird, voran“, so Geisel. Das Abgeordnetenhaus müsse den Planfeststellungsbeschluss bewerten. Der Senator: „Wer sich für einen Tunnel ausspricht und dafür Geld auf den Tisch legt, muss nicht nur den Berlinern, sondern auch den anderen Bundesländern erklären, warum die geplante schnelle Verbindung zwischen dem Hauptbahnhof und dem BER weitere acht Jahre auf sich warten lassen soll – voraussichtlich bis 2030.“ Dabei soll der BER 2017 öffnen.