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Drogensüchtiger mordete "mit absolutem Vernichtungswillen"

Justizia

Christopher S. wurde in seiner Wohnung in Prenzlauer Berg erstochen. Der Täter hatte ihn zunächst mit einem Totschläger niedergeknüppelt, dann mit einem Messer mindestens 56 Mal auf den 26-jährigen einstigen Geologie-Studenten eingestochen. Der Täter ist der gleichaltrige Dirk F. Davon sind die Richter der 35. großen Strafkammer des Landgerichts überzeugt. Am Donnerstag verurteilten sie den drogenabhängigen Mann wegen Mordes und Raubes mit Todesfolge zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren.  Zudem ordnete das Gericht an, ihn nach drei Jahren und fünf Monaten Haft in eine Entziehungsanstalt einzuweisen.  Die Richter folgten damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Nach Ansicht des Gerichts hatte der wohnungslose Dirk F. am 18. Juli vorigen Jahres sein späteres Opfer, das er aus der Goa-Szene kannte,  in der Hiddenseer Straße besucht. Dirk F. wollte  Drogen abholen, mit deren Verkauf er sich seinen Lebensunterhalt verdiente.  Die geschäftliche Zusammenarbeit, so hatte es der Angeklagte im Prozess ausgedrückt,  habe seit drei, vier Jahren bestanden.

Dirk F. hatte Schulden bei Christopher S., er bekam die Ware nur noch gegen Barzahlung. An jenem Abend, so hatte der Angeklagte eingeräumt, wollte er sich bei Christopher S. für die schlechte Qualität der Drogen rächen. Er war nach eigenen Worten durch den Konsum von Speed und Kokain „gut auf Sendung“. Er hatte geplant, den Ex-Studenten bewegungsunfähig zu schlagen und dann die bestellten Drogen, ohne zu bezahlen, an sich zu nehmen.  Dirk F. hatte einen Totschläger und ein Messer dabei.

„Mit dem Totschläger schlug der Angeklagte mehrmals wuchtig auf den Kopf des Opfers ein“, sagt Ralph Ehestädt, der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Dann habe der Angeklagte das Messer genommen und immer wieder auf den am Boden liegenden Mann eingestochen. „Sie handelten mit absoluten Vernichtungswillen, Sie wollten das Leben von Christopher S. auslöschen“, sagte Ehestädt zu Dirk F.  Nach der Tat wusch sich der Angeklagte das Blut von den Händen und aus dem Gesicht. Er steckte  Drogen, ein Laptop, zwei Handys  und Geld ein und verließ die Wohnung.

Dirk F. lief anschließend mit blutverschmierter Kleidung zum Krankenhaus Friedrichshain und rief sich ein Taxi.  Dem Fahrer erklärte er das Blut mit einem schweren Autounfall. Er sagte auch, dass seine  Freundin dabei so schwer verletzt worden sei, dass sie im Krankenhaus habe bleiben müssen. Der Taxifahrer, der als Zeuge vor Gericht geladen war, konnte sich noch gut an den „netten Fahrgast“ erinnern. Er habe extrem nach Blut gerochen.  Dass Dirk F. unter  Drogeneinfluss stand, habe er nicht bemerkt.

Anwalt prüft Revision

Laut Ehestädt falle das Verbrechen „absolut aus dem Rahmen“ der Straftaten, über die sonst am Landgericht verhandelt werde. Christopher S. sei regelrecht niedergemetzelt worden. Der Angeklagte habe bei der Tat mehrere Mordmerkmale erfüllt. Er habe aus Habgier und heimtückisch gehandelt und die Tat begangen, um eine schwere Straftat – den Raub von Laptop, Drogen, Handys und Geld – zu ermöglichen und zu vertuschen.

„Auf Mord steht normalerweise eine lebenslange Freiheitsstrafe“, sagt der Richter. Dieses Strafmaß  hätte das Gericht nach seinen Worten auch mit Sicherheit verhängt und wahrscheinlich auch die besondere Schwere der Schuld zuerkannt. Damit hätte Dirk F. nicht nach 15 Jahren auf Bewährung entlassen werden können.  Doch der drogenabhängige Angeklagte sei zur Tatzeit durch den „mutiplen Verbrauch von Substanzen“ vermindert schuldfähig gewesen.  Strafmildernd sei auch das Geständnis und die Reue, die Dirk F. gezeigt habe.

Die Mutter des ermordeten Christopher S., die zusammen mit ihrem Ehemann und der Tochter im Prozess Nebenkläger waren, verfolgte mit schmerzvollen Gesichtsausdruck, gesenktem Kopf  und geschlossenen Augen die Urteilsbegründung.  Noch ist das Urteil gegen den Mörder ihres Sohnes nicht rechtskräftig. Der Anwalt von Dirk F. will prüfen, ob er gegen das Urteil Revision einlegt.