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Drohungen in der Tram: "Du wirst ein Messer im Bauch haben"

Der Zwischenfall in der Tram wurde auf Twitter dokumentiert.

Der Zwischenfall in der Tram wurde auf Twitter dokumentiert.

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imago/Rolf Zöllner

Zivilcourage zeigen. Das wird oft gefordert. Doch wenn sie wirklich gefragt ist, dann stehen nur wenige auf. Diese Erfahrung hat der Berliner Hannes Kling am Dienstagabend machen müssen. Über den Kurznachrichtendienst Twitter teilte er seine Eindrücke über eine brenzlige Situation in der Tram:

Am Alexanderplatz stieg er in eine Straßenbahn Richtung Hellersdorf. Dort bemerkte er eine Person, die laut vor sich hin geschimpft haben soll - zunächst schien er dabei nur mit sich selbst zu reden. "Refugees not welcome", "Homosexualität gehört verboten", "das Pack" - diese Äußerungen sollen dabei gefallen sein. So dokumentierte @hakling kurz nach dem Vorfall auf Twitter die Parolen des Unbekannten, dessen Wut sich bald gegen Flüchtlinge richteten, die sich ebenfalls in der Tram befanden.

Die Straßenbahn war voll. Nur leise Empörung einzelner, keiner half, als die Beschimpfungen nicht enden wollten. Hannes Kling stand auf und stellte sich vor die lautstarke Person. "Du verlässt jetzt bitte die Bahn", sagte er. Dann begann der Unbekannte erst richtig zu toben. Er beschimpfte den Berliner als Vergewaltiger, roten Faschisten. Immer wieder nahm er Bezug auf die angebliche Vergewaltigung einer 13-Jährigen durch eine Gruppe Araber. Dann schmetterte er Kling Drohungen entgegen. "Russen und Deutsche sind jetzt vereint. Wir kriegen dich. Du wirst von den Russen ein Messer im Bauch haben." Kling hielt ihm nur einen Satz entgegen: "Sie verlassen jetzt die Bahn."

Satzfetzen, Beschimpfungen, verbale Attacken - mehr als 20 Tweets über schilderte der Twitter-Nutzer die bedrohliche Situation aus seiner Perspektive. "Das waren nur Ausschnitte, und auch nicht die schlimmsten Sachen", schrieb er. Glücklicherweise endete die Szene ohne körperliche Auseinandersetzung, irgendwann verließ der Mann die Tram.

In der Straßenbahn bleibt die Stimmung dennoch beklemmend. Niemand war Hannes Kling zur Hilfe geeilt, niemand habe ihn unterstützt, schrieb er. Zwei Personen nickten ihm zu. Sonst keine Reaktion. Dann, so schrieb er weiter, entdeckte er drei Bänke weiter einen Polizist, offenbar auf dem Heimweg war. "Und als ich dann aussteige, überkommt mich das ganze Gespräch im wahrsten Sinne des Wortes; ich bin so wütend auf Polizei, auf den Typen."

Im Netz erhielt Hannes Kling dagegen viel Zuspruch. Viele zollen ihm Respekt, nennen ihn einen Helden.

Nach Anfrage der Berliner Zeitung nahm die Polizei Kontakt zu Kling auf, der selbst keine Strafanzeige erstattet hatte. "Wir haben die Sache dem Staatsschutz übergeben, der nun eine Anzeige prüft", sagte eine Sprecherin. Dabei werde auch ermittelt, welche Rolle der Polizist spielte, der laut Kling nicht in das Geschehen eingriff. Generell müsse ein Polizist auch nach seinem Dienst Straftaten verfolgen, sagte die Sprecherin weiter.