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Berliner Zeitung | E-Mobilität in Berlin: 1600 Ladesäulen für 1300 Elektroautos
20. March 2014
http://www.berliner-zeitung.de/3269668
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E-Mobilität in Berlin: 1600 Ladesäulen für 1300 Elektroautos

Will jemand mal ans Steuer? Bei den VW-Publikumstagen in Tempelhof war das Angebot größer als die Nachfrage. Dabei sind E-Autos ziemlich spurtstark.

Will jemand mal ans Steuer? Bei den VW-Publikumstagen in Tempelhof war das Angebot größer als die Nachfrage. Dabei sind E-Autos ziemlich spurtstark.

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Berliner Zeitung/Markus Wächter

An rund 400 Stellen in Berlin wird schon mit Kabeln Energie getankt. Doch nun soll die Zahl der Säulen, an denen Elektrofahrzeuge die Akkus aufladen können, vervierfacht werden. „Ende des nächsten Jahres soll es in Berlin rund 1600 öffentliche Ladepunkte geben,“ kündigte Wirtschafts-Staatssekretär Guido Beermann (CDU) am Donnerstag an. Im Mai soll entschieden werden, welches Unternehmen die Säulen aufstellt und betreibt. 1600 Ladestellen: eine weitere Zahl, die zeigen soll, wie der Senat die E-Mobilität fördert. Aber auch eine Zahl, die erst mal verwundert: Denn die Zahl der E-Autos ist geringer.

Ach ja, die Zahlen. Natürlich weiß Gernot Lobenberg, dass Autos mit Stromantrieb eine Minderheit darstellen. „Derzeit gibt es in Berlin rund 1300 Elektrofahrzeuge – Pkw und Nutzfahrzeuge“, sagte der Chef der landeseigenen Agentur für Elektromobilität (emo). Nur rund ein Fünftel gehört einzelnen Privatleuten, bei den meisten steht eine Firma als Eigentümer im Fahrzeugbrief. Car-Sharing-Firmen, die Autos zur gemeinschaftlichen Nutzung anbieten, haben 400 E-Autos im Einsatz – Tendenz steigend. Der Senat plant so viele neue Ladestellen, damit vor allem bei ihnen weitere Zuwächse möglich sind. Doch angesichts von 1,3 Millionen Kraftfahrzeugen, die in Berlin zugelassen sind, werden auch sie auf absehbare Zeit nicht den Unterschied machen.

Keine E-Buslinie im Osten

„Wir sollten den Erfolg aber nicht an der Zahl der Autos messen“, meinte Lobenberg. Sondern an qualitativen Faktoren: Wie wichtig ist die E-Mobilität für Berlins Wirtschaft? Wie weit vorn ist die Berliner Forschung in diesem Bereich? Rund 200 Unternehmen in Berlin schaffen bereits Arbeitsplätze – von Tüftlerbuden bis hin zu Global Playern. Das BMW-Werk Spandau beginnt mit der Serienfertigung des elektrischen Scooters „C evolution“. Der Antriebsstrang des Renault Zoe, den Lobenberg gerade testet, stammt aus dem Continental-Werk Berlin. Und der Stromversorger Vattenfall sucht sein Image mit dem Betrieb von Ladestellen aufzubessern. 78 hat er in Berlin, darunter drei Schnelllade-säulen, an denen der Akku in einer halben Stunde zu 80 Prozent voll ist.

Vandalismus sei in Berlin kein Problem, sagte Ulf Schulte, der bei Vattenfall für das Thema zuständig ist. Schwieriger sei es da schon, Genehmigungen für die Aufstellung zu bekommen. „Das kann Monate dauern.“ Und vielerorts würden sie gar nicht erlaubt, Teile der historischen Mitte sind tabu. Ein weiteres Problem: Mit dem Betrieb von Ladestellen (Stückpreis: rund 9000 Euro) lässt sich kein Geld machen. Darum rechnet Staatssekretär Beermann damit, dass der Senat die Erweiterung des Netzes bezuschussen muss: „Ich kalkuliere mit einem einstelligen Millionenbetrag.“

Zuschüsse fließen auch in das Projekt „Schaufenster Elektromobilität“, mit dem sich Berlin und Brandenburg als Praxislabor profiliert. Von den 90 Millionen Euro, die für die 29 Projekte eingeplant sind, steuern die beiden Länder 19 Millionen bei. Zu den Projekten gehört eine Radwegverbindung, auf denen Pedelecs von Steglitz-Zehlendorf schnell ins Umland gelangen sollen.

Lobbyisten fordern, dass E-Autos nicht nur an Ladesäulen kostenlos parken dürfen, sondern überall – wie in Stuttgart. „Aus Berliner Sicht ist eine solche Privilegierung nicht möglich“, entgegnete Beermann. Auf Skepsis stößt auch der Wunsch, Busspuren für Stromer freizugeben: Die BVG-Busse würden dadurch behindert. Apropos BVG: Welche Linie auf Elektrobusse umgestellt wird, soll im April entschieden werden. Die Linie 192 (Marzahn–Friedrichsfelde) ist aus dem Rennen – zu weit im Osten. Die 204 (Zoo–Südkreuz) oder eine neue Route zur Technischen Universität sind im Gespräch.

„Uns steht eine Revolution der Mobilität bevor“, sagte Beermann. Und irgendwann werde es auch keine Alternative mehr geben, weil das Erdöl ausgeht. „Am Besten ist es, selbst mal ein Elektroauto auszuprobieren“, meinte Lobenberg. Bei den „Tagen der Elektromobilität“, zu denen der Bund in die Fasanenstraße 87a einlädt, ist das möglich – am Sonntag von 13 bis 18 Uhr.