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E-Mobilität in Berlin: Senat will massiv Ladestationen bauen

Ein Elektroauto tankt Strom an einer Ladesäule in Berlin.

Ein Elektroauto tankt Strom an einer Ladesäule in Berlin.

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dpa/ Stefan Sauer

Berlin -

Nicht kleckern, sondern klotzen, lautet die Devise. Mit einer millionenschweren Investition will der Senat den Betrieb von Elektroautos erleichtern. Die Zahl der Ladestationen, an denen E-Mobile ihre Akkus aufladen können, soll stark steigen, kündigte Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) an. Wenn der Plan vollständig umgesetzt würde, gäbe es in Berlin für fast jedes Elektrofahrzeug, das heute durch die Region fährt, einen eigenen Stromladepunkt. Nach einem Wettbewerb steht jetzt fest, wer die neuen Stationen aufstellen und betreiben wird: ein Konsortium der Firmen Alliander, The New Motion und Allego.

So reizvoll es ist, in einem E-Auto lautlos über die Straßen zu gleiten, so spurtstark diese Fahrzeuge auch sind: Nur wenige Berliner können sich für sie erwärmen. Laut Kraftfahrt-Bundesamt waren in Berlin im vergangenen Jahr nur 657 Pkw mit Elektroantrieb gemeldet, dazu 111 Elektro-Lkw, 134 elektrische Krafträder und ein Elektrobus. Zum Vergleich: 1,35 Millionen Kraftfahrzeuge haben das Kennzeichen B.

Auch wenn man die elektrischen Car-Sharing-Autos und andere anderswo gemeldete Wagen dazu rechnet, ist die Zahl wenig beeindruckend. Die landeseigene Agentur für Elektromobilität geht davon aus, dass rund 1800 elektrische Pkw und Nutzfahrzeuge durch Berlin und Brandenburg fahren. Immerhin, so Agenturchef Gernot Lobenberg: „Damit besitzt die Region die höchste Zahl an Elektrofahrzeugen in einem deutschen Ballungsraum.“

Marzahn bleibt außen vor

Außer der geringen Reichweite gelten große Entfernungen zur nächsten Ladesäule als Haupthemmnis, sich ein Elektromobil anzuschaffen. Dieses Argument soll in großen Teilen Berlins nicht mehr gelten. „Wir gehen in Vorleistung. Fehlende Ladeinfrastruktur kann künftig kein Hemmnis mehr sein, sich ein Elektroauto anzuschaffen“, sagte Burkhard Horn, der in der Senatsverwaltung die Verkehrsabteilung leitet.

Heute gibt es in Berlin rund 500 öffentlich zugängliche Ladepunkte für jeweils ein Fahrzeug. Das deutsch-niederländische Konsortium um die Firma Alliander, die bereits alle Berliner Ampeln betreibt, soll die Zahl in die Höhe treiben. Bis Mitte 2016 entstehen 400 Wechselstrom-Lademöglichkeiten auf öffentlichen Straßen und auf öffentlich zugänglichen Privatgrundstücken. Auch 20 Gleichstrom-Schnelllademöglichkeiten sind geplant. Die neuen Säulen werden vor allem innerhalb des S-Bahn-Rings aufgestellt. Weil außerhalb ein geringerer Bedarf erwartet wird, sind dort nur wenige Standorte geplant – unter anderem in Spandau, Tegel, Zehlendorf, Tempelhof, Neukölln, Treptow, Pankow, Steglitz und Köpenick.

„Wenn die für die Genehmigungen zuständigen Bezirke mitspielen, könnten im März die ersten Bagger losfahren und mit dem Bau beginnen“, teilte Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) mit. „Ich bin optimistisch, dass im Sommer eine nennenswerte Zahl von neuen Ladesäulen nutzbar ist.“

Laternen werden angezapft

In einer zweiten Stufe sollen weitere Ladepunkte entstehen, bis zu 700 mit Wechsel- und 20 mit Gleichstrom. Würden alle gebaut, gäbe es über 1 600 Ladepunkte, mehr als drei Mal so viel wie heute. Der Zuschussbedarf bis 2020 wird auf bis zu 6,5 Millionen Euro beziffert. Es ist das größte Projekt im regionalen „Schaufenster Elektromobilität“.

Berlin hat als erste deutsche Stadt den Bau und den Betrieb von Ladestationen ausgeschrieben. „Es darf nur grüner Strom, also Strom aus erneuerbaren Energien mit Herkunftsnachweis, angeboten werden“, so Gaebler. Wichtig war auch ein barriere- und diskriminierungsfreier Zugang. „Alle vom Land Berlin geförderten Ladeeinrichtungen werden mit einer Ladekarte nutzbar sein“, sagte Senator Geisel. Laut Senat wird es die Karte bei Alliander geben. Die Ladeberechtigung kann auch in die VBB-Fahrcard übernommen werden – das heißt, dass das Ticket dann nicht für Bus und Bahn, sondern auch zum Stromtanken gilt. Der Senat fordert, dass alle Säulen mit der Verkehrsinformationszentrale vernetzt werden, damit sie über Ausfälle informieren kann.

Der Senat hat weitere Vereinbarung abgeschlossen – mit den Berliner Firmen Ubitricity und Ebee, die dafür werben, Straßenleuchten zum Aufladen von E-Autos zu nutzen. Gaebler: „Sie dürfen auf eigene Kosten, ohne Zuschüsse vom Land, zu Testzwecken jeweils bis zu 100 Ladepunkte an Straßenleuchten einrichten, die auf alle Bezirke verteilt werden müssen.“ Ebee nahm die ersten Laternen-Ladepunkte im September in Friedenau in Betrieb.

„Wir lehnen die Technik nicht ab“, sagte der Staatssekretär. „Es ist aber so, dass der größte Teil der Beleuchtungsmasten dafür aus technischen Gründen nicht geeignet ist. Zudem würde das Aufladen lange dauern, bis zu acht Stunden. Im Ostteil Berlins kommt hinzu, dass die Leuchten dort an einem eigenständigen Netz hängen, das nur nachts betrieben wird“ – tagsüber wäre dort kein Aufladen möglich.



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