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East Side Gallery: Experte: Mauer ist Weltkulturerbe

Baumaschinen hinter der East Side Gallery: Nach Ansicht eines Experten hat die Mauer gute Chancen, Unesco-Weltkulturerbe zu werden.

Baumaschinen hinter der East Side Gallery: Nach Ansicht eines Experten hat die Mauer gute Chancen, Unesco-Weltkulturerbe zu werden.

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dpa

Der renommierte Denkmalschützer und Mauerexperte Leo Schmidt hat die Entnahme von Mauerteilen aus der Berliner East Side Gallery kritisiert. Das weltberühmte Mauerdenkmal müsse als einmaliges bauliches Dokument der Teilung erhalten bleiben, sagt Schmidt, Professor für Denkmalpflege an der TU Cottbus, der Berliner Zeitung.

Er fordert das Land Berlin auf, einen Antrag auf Aufnahme in die Weltkulturerbeliste zu stellen. „Die East Side Gallery wäre für einen Platz auf der Weltkulturerbeliste prädestiniert“, sagt Schmidt. An der bemalten, denkmalgeschützten Mauer will ein Investor ein Wohnhaus errichten, vergangene Woche ließ er für eine Baustelleneinfahrt mehrere Segmente entfernen.

Der Denkmalschützer Leo Schmidt befasst sich seit 1997 wissenschaftlich mit der Mauer. Von 2001 bis 2003 war er maßgeblich verantwortlich für die Erfassung, Beschreibung und Kartierung der noch vorhandenen Mauerreste.

Schmidt zufolge hätte die East Side Gallery gute Chance ins Weltkulturerbe aufgenommen zu werden, weil die Unesco mehr politische Denkmäler in ihre Liste aufnehmen wolle. „Schlösser, Kirchen und Tempel gibt es dort genug“, sagt der Cottbusser, der als Gutachter für den Internationalen Council on Monuments and Sites arbeitet. Die Organisation berät die Unesco bei der Zusammenstellung des Weltkulturerbes.

Laut Schmidt wäre der Zeitpunkt günstig. Im Moment werde die Bewerbungsliste für Deutschland zusammengestellt, die dann über 15 Jahre abgearbeitet wird. Jedes Bundesland kann zwei Vorschläge machen. Der Senat hat bereits das Hansa-Viertel und die Karl-Marx-Allee vorgeschlagen.


Schmidt widerspricht der Argumentation des Senats, dass es für die Einreichung der East Side Gallery zu spät ist. „Es gibt diverse Auswege“, sagt Schmidt. Berlin könnte etwa einen gemeinsamen Antrag mit Brandenburg stellen. Die Kultusministerkonferenz analysiert alle Vorschläge, 2014 soll das Ergebnis feststehen.

Das Bündnis zur Rettung der East Side Gallery bereitet die nächste größere Demonstration für deren Erhalt vor. An diesem Dienstag will es entscheiden, ob sie am kommenden oder am Sonntag darauf stattfindet. Zur Unterstützung wurden Musiker wie Udo Lindenberg und Reinhard Mey angefragt, sagt der Chef der Clubkommission, Sascha Disselkamp. Zuletzt war David Hasselhoff an der Mauer aufgetreten. Der Liedermacher Mey hat sich bereits gegen den Teilabriss ausgesprochen.

Lesen Sie hier das komplette Interview mit Leo Schmidt.

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