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Eberswalde droht Schließung: Stellenabbau bei der Deutschen Bahn

Der blaue Himmel über dem Werk Eberswalde täuscht: Die Zukunft des größten Industriebetriebs in der Kreisstadt nordöstlich von Berlin ist ungewiss.

Der blaue Himmel über dem Werk Eberswalde täuscht: Die Zukunft des größten Industriebetriebs in der Kreisstadt nordöstlich von Berlin ist ungewiss.

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Berliner Zeitung/ Peter Neumann

Beim Kranbau fielen viele Arbeitsplätze weg, das Walzwerk meldete Insolvenz an. Nachdem die Schwerindustrie in Eberswalde enorm geschrumpft ist, blieb das Werk der Deutschen Bahn (DB) als größter industrieller Arbeitgeber übrig. Doch das Geschäft läuft schlecht – auch in anderen Bahn-Werkstätten. Darum wird bei der DB darüber nachgedacht, wie es weitergeht.

Was bisher bekannt wurde, lässt für die drei Werke in Brandenburg nichts Gutes erwarten. Ein Konzept sieht dem Vernehmen nach sogar vor, Eberswalde zu schließen. Klar ist: Bundesweit werden bei der DB Fahrzeuginstandhaltung viele Stellen wegfallen, von zirka 1000 der 8000 Arbeitsplätze ist die Rede. „Wir befürchten, dass es Brandenburg besonders hart treffen wird“, sagt Uta Trusch von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG.

Die Fahrzeugwerkstätten der Bahn in Eberswalde, Wittenberge und Cottbus gehören zu den letzten großen Betrieben, die in ihren Regionen nach den Umwälzungen der Wende noch übrig geblieben sind. „Die Bahn ist der größte produzierende Arbeitgeber in unserer Stadt. Als Investor und Arbeitgeber ist das Unternehmen ein wichtiger Impulsgeber für die regionale Wirtschaft“, sagt Eberswaldes Bürgermeister Friedhelm Boginski (FDP). In Wittenberge überleben die wenigen Hotels, die es dort gibt, vor allem dank der Geschäftsreisenden, die im Bahnwerk zu tun haben.

Doch nun zeichnen sich für die DB-Werke einschneidende Stellenstreichungen ab. „Es ist kein Geheimnis, dass wir bei der Fahrzeuginstandhaltung mit Leistungsrückgängen zu kämpfen haben“, sagt eine Bahnsprecherin. Einige Modernisierungsprojekte enden in absehbarer Zeit. Im Regionalverkehr hat die DB nach Ausschreibungen Aufträge verloren, damit gibt es auch für einige Werke weniger zu tun.

Im Güterverkehr haben Wettbewerber dem Bundesunternehmen ebenfalls Marktanteile abgerungen. „All diese Themen wirken sich unterschiedlich auf unsere Werksstandorte aus“, heißt es. Derzeit werde bei DB Dienstleistungen untersucht, wie sich die einzelnen Werke entwickeln und wie auf die Trends reagiert werden sollte.

Eberswalde droht Schließung

An diesem Dienstag reisten Betriebsräte aller Werksstandorte nach Frankfurt am Main, um sich vom Management informieren zu lassen. „Über Schließungen wurde nichts gesagt“, hieß es aus Gewerkschaftskreisen. Aber die Lage sei ernst, für viele Beschäftigte werde es nicht mehr genug zu tun geben. Die Zahl der Arbeitsstunden, die zu leisten sind, werde in den nächsten vier Jahren um rund eine Million sinken.

Konkrete Maßnahmen seien noch nicht beschlossen worden, so die Bahn. „Wir gehen davon aus, dass noch in diesem Jahr entschieden wird“, teilt die Bahnsprecherin mit. Nach inoffiziellen Informationen aus dem Bahnkonzern zeichnen sich vor allem für das Werk Eberswalde schlechte Nachrichten ab. Noch erinnert auf dem Betriebsgelände das Transparent „Tradition mit Zukunft“ an das 135-jährige Jubiläum, das die 1878 gegründete einstige Reparaturwerkstatt der Berlin-Stettiner Eisenbahn 2013 gefeiert hat. In dem Werk, in dem inklusive Auszubildenden mehr als 400 Menschen arbeiten, werden Güterwagen gewartet und repariert – ein Geschäft, in dem es besonders starke Rückgänge gegeben hatte. Deshalb steht der Eberswalder Betrieb besonders im Fokus.

Dem Vernehmen nach legte DB Dienstleistungen dem Konzernvorstand in diesem Sommer ein Konzept vor, das mittelfristig die Schließung des Werks vorsieht. Die Instandhaltung von Güterwagen sollte in Paderborn konzentriert werden, hieß es. Dort habe es bereits Investitionen gegeben, auch liege die westfälische Stadt näher an den großen Güterverkehrsströmen in Deutschland, die vor allem durch die westlichen Bundesländer fließen. Für den Osten habe der Güterzugbetreiber DB Schenker Rail in Polen Werkskapazität geschaffen. In Wittenberge, wo Reisezugwagen instand gehalten werden, und Cottbus, wo man sich um Dieselloks kümmert, sollen Stellen entfallen.

Beobachter erwarten, dass die Konzernvorlage nach der Brandenburger Landtagswahl, die für den 14. September vorgesehen ist, wieder auf die Tagesordnung kommt. „Offenbar wollte man aus Rücksicht auf die rot-rote Landesregierung noch nicht darüber entscheiden“, so die Einschätzung. Eine offizielle Stellungnahme gibt es dazu nicht.

Städte wollen kämpfen

Inzwischen haben sich die Städte Eberswalde, Wittenberge und Cottbus zusammengetan, um für ihre Werke zu kämpfen. „Auf Initiative der Stadt hin haben sich die drei Bürgermeister in Eberswalde getroffen, um die Bedeutung der Werke hervorzuheben“, sagt Friedhelm Boginski. Brandenburgs Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) habe das Thema zur Chefsache gemacht. Für Eberswalde sei das DB-Werk sehr wichtig, berichtet der Bürgermeister. Es stehe viel auf dem Spiel. „Die Tradition des Bahnwerks in der Stadt hat sich zu einem Imagefaktor für Eberswalde entwickelt. Den Standort der Bahn-Werkstätten hat die Stadt stets unterstützt und wird dies selbstverständlich auch in Zukunft tun“, sagt er.

„Die Politik ist in der Verantwortung“, sagt die Gewerkschafterin Uta Trusch. „Die Kollegen sind gut ausgebildet und motiviert, sie leisten gute Arbeit. Für Brandenburg sind die Werke von großer Bedeutung. Sie müssen erhalten bleiben.“

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