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Edeka-Tengelmann-Fusion: Diese Berliner Kaiser's-Filialen schließen noch im Februar

Im Zeichen der Kanne: Ob die Kaiser’s-Märkte bald zu Edeka gehören, ist nach wie vor offen.

Im Zeichen der Kanne: Ob die Kaiser’s-Märkte bald zu Edeka gehören, ist nach wie vor offen.

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imago/STPP

Die Zukunft der 133 Berliner Kaiser’s-Filialen ist weiterhin ungewiss. Zwar hatte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel der Übernahme von Tengelmanns Supermarktkette durch Edeka grundsätzlich zugestimmt, dies jedoch mit Bedingungen verknüpft. Dazu sollten sich alle Beteiligten ursprünglich bis zum 26. Januar äußern, doch wurde die Frist kurz vor Ablauf auf unbestimmte Zeit verlängert. Derweil geht nun in verschiedenen Berliner Filialen das Licht aus.

Nachdem beispielsweise schon Ende November zwei der im Zeichen der Kaffeekanne firmierenden Märkte in Pankow und eine Filiale am Weißenseer Pasedagplatz dichtmachten, sollen noch in diesem Monat weitere Kaiser’s-Märkte schließen, drei allein in Spandau.

In der Tengelmann-Zentrale in Mülheim an der Ruhr wird das bestätigt. „In der Tat werden noch in diesem Monat sieben Kaiser’s-Filialen in Berlin geschlossen“, sagte eine Sprecherin. Es gehöre zum Tagesgeschäft, Filialen zu eröffnen und andere zu schließen. Im Fall der sieben Filialen laufe entweder der Mietvertrag ab und werde nicht verlängert, oder es handele sich um Filialen, die aufgrund von Unwirtschaftlichkeit nicht weitergeführt werden könnten. „Darüber hinaus sind derzeit keine weiteren Schließungen geplant.“

Tatsächlich haben sich Tengelmann und Edeka offenbar schon vor Bekanntgabe ihrer Fusionsabsichten darauf geeinigt, dass Tengelmann bestimmte Filialen vorab schließt und somit nicht mit in die Ehe bringt. So jedenfalls ist eine Passage im Bericht der 2. Beschlussabteilung des Bundeskartellamts vom 31. März 2015 zu verstehen: Darin heißt es, dass einige Standorte schon geschlossen seien oder eine Schließung unmittelbar bevor stehe. „Für weitere Filialen bestehen bereits Schließungsbeschlüsse oder die Mietverträge laufen nur noch bis zum Ende des Jahres 2015.“

So war also stets von einem Verkauf von insgesamt 451 Kaiser’s-Tengelmann-Filialen die Rede, obwohl zum Tengelmann-Konzern tatsächlich 475 Filialen gehörten. Es war somit geplant, 24 Kaiser's-Filialen vor der Fusion mit Edeka abzustoßen.

Liste mit 24 Filialen

Für den Berliner Betriebsrat von Kaiser’s ist klar, dass es sich bei den demnächst schließenden oder bereits geschlossenen Märkten um Filialen handelt, die Edeka nicht haben wollte. „Es gab eine Liste“, sagt Betriebsratschef Volker Bohne. Die darin aufgeführten Filialen sollten geschlossen werden, sobald die entsprechenden Mietverträge ausgelaufen seien. Darunter zum Beispiel auch der Markt in der Blankenburger Straße in Pankow, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft sich eine Edeka-Filiale befindet. 16 dieser 24 Märkte hätten schon nicht mehr geöffnet.

Für die Mitarbeiter bedeutete das aber nicht das Ende im Supermarkt. Nach Auskunft aus der Tengelmann-Zentrale sei allen Mitarbeitern ein alternativer Arbeitsplatz in einer anderen Filiale angeboten worden. Auch Betriebsratschef Bohne bestätigt, dass niemand auf die Straße gesetzt werde, wenn eine Filiale schließt. „Das gibt es bei uns nicht“, sagt er. Dafür aber offenbar genug Alternativen. Jedenfalls wurden in den vergangenen zwölf Monaten in Berlin zugleich sechs neue Kaiser’s-Märkte eröffnet.

Zum Monatsende werden von den 24 zu schließenden Filialen also in 23 keine Kassen mehr piepen. Die Nummer 24 ist der Markt in der Neuköllner Rollbergstraße. Dort gibt es einen längerfristigen Mietvertrag, weshalb der Markt vorerst geöffnet bleibt. Dennoch ist die Schließung beschlossen.

Keine Kündigungen

Dass noch weitere Supermärkte dichtmachen, sorgt Bohne nicht. Der Betriebsrat hat eine Betriebsvereinbarung ausgehandelt, nach der es zumindest in den nächsten 24 Monaten keine betriebsbedingten Kündigungen geben darf. Außerdem sind da noch die Bedingungen, die der Bundeswirtschaftsminister an eine mögliche Ministererlaubnis zur Edeka-Tengelmann-Fusion knüpfte. Danach muss Edeka unter anderem mindestens 97 Prozent der bestehenden rund 16.000 Arbeitsplätze bei Kaiser's für mindestens fünf Jahre erhalten und dabei alle tariflichen Pflichten zu erfüllen. Außerdem dürfen Filialen erst dann an selbstständige Edeka-Kaufleute weitergegeben werden.

Edeka erklärte sich inzwischen zwar grundsätzlich bereit, die Bedingungen zu akzeptieren, doch stehen die Stellungnahmen aller Beteiligten noch aus.