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Ehrung für Klaus Doldinger: Der Mann der großen Melodien

Ausgezeichneter Komponist: Klaus Doldinger mit seiner Ehefrau Inge.

Ausgezeichneter Komponist: Klaus Doldinger mit seiner Ehefrau Inge.

Foto:

Christian Schulz

Berlin -

Rund um die Berlinale hat schon so mancher mehr oder weniger verzweifelte Versuche unternommen, die Aufmerksamkeit von Filmwelt und Publikum zu erheischen. Hier eine Fotoausstellung, dort ein Stehempfang. Meist soll dann die Anwesenheit von einem halben Dutzend Darstellern aus Vorabendserien die enge Verbindung des Events zur Filmbranche belegen. Und alle paar Jahre hat wirklich mal jemand eine richtig gute Idee.

So war das bei der Gründung der Friedensfilmgala „Cinema for Peace“, die anfangs sogar von der großen Berlinale geduldet und unterstützt wurde. Diese Zeiten sind vorbei. „Cinema for Peace“-Gründer Jaka Bizilj hat diese Art von Unterstützung auch nicht mehr nötig, denn in Hollywood hat seine Veranstaltung längst einen guten Ruf.

Gut möglich, dass die Marketingfachkräfte des Champagnerhauses Moët & Chandon gerade eine Idee hatten, die sich in den kommenden Jahren als ähnlich bestrickend erweist. Am Mittwochabend, 24 Stunden vor der Eröffnung der Berlinale, hatten sie ins Kaufhaus Jandorf in der Brunnenstraße in Mitte gebeten, um dort unter dem Motto „Moët & Chandon Grand Scores – Celebrating International Film Music“ die Gilde der Filmkomponisten zu ehren. Begrüßt wurden die Gäste vom Filmorchester Babelsberg, dessen Musiker ganz spektakulär inszeniert hinter Schattenwänden große Hits der Filmgeschichte spielten.

Glücklich über die Entscheidung für Deutschland

Der erste, der bei der Premierenausgabe dieser Preisverleihung eine Trophäe entgegennahm, war der Komponist Klaus Doldinger. Neben seinen Arbeiten für das Fernsehen – von ihm stammen die Titelmusiken der „Tatort“-Reihe und der Serien „Ein Fall für Zwei“, „Wolffs Revier“ und „Liebling Kreuzberg“ (dessen Wiederholungen er sich fast jeden Sonnabend mit großem Vergnügen im rbb anschaut) – gelang Doldinger auch im Kino so mancher große Wurf. Die größte Aufmerksamkeit brachte ihm die Titelmusik für „Das Boot“ von Regisseur Wolfgang Petersen, aber auch für den Kinofilm „Die unendliche Geschichte“ hat er komponiert. Überreicht wurde ihm der Preis von Schauspielerin Marie Bäumer.

Doldinger freute sich über die Ehrung, denn die Filmmusik bekommt für seinen Geschmack nicht die Aufmerksamkeit und Wertschätzung, die ihr zusteht: „Es ist doch wunderbar, wenn die Musik heute hier gewürdigt wird.“ Er erinnerte sich am Rande der Gala an eine Phase seines Lebens, in der er eine wichtige Entscheidung treffen musste: „Wolfgang Petersen hat mir in den Achtzigern angeboten, mit ihm in die USA zu gehen.“ Doldinger entschied sich dagegen und hadert heute nicht damit: „Hier in Deutschland kann man sich freier entwickeln.“

Unter den Premierengästen von „Grand Scores“: Schauspieler Elyas M'Barek (sein Kinohit „Fack ju Göhte!“ bewegt sich unaufhaltsam auf die Marke von sieben Millionen Zuschauern zu), die Sänger Nadja Michael und Romy Haag, Schauspieler Axel Schreiber und Oscar-Preisträger Florian Gallenberger. Die Silly-Sängerin Anna Loos hat seit der gemeinsamen Arbeit mit ihrer Band am Soundtrack des Films „Der Mond und andere Liebhaber“ eine Ahnung davon, dass Filmkomponisten einen harten Job haben: „Das war ganz schön schwierig.“ Zu ihrem Berlinale-Nachtprogramm machte sie eine interessante Vorhersage: „Die Zeiten, wo ich auf jede Party gehen musste, sind längst vorbei.“

Falls die Ehrung „Grand Scores“ in Serie gehen sollte, müssten sich die Gastgeber bald nach neuen Räumen umsehen. Das Kaufhaus Jandorf an der Ecke Brunnen-/Invalidenstraße steht unter der Überschrift „Zwischennutzung“ nur so lange zur Verfügung, bis sich die künftige Bestimmung der Immobilie entschieden hat. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges befand sich in dem Gebäude ein Kaufhaus, später war es Sitz des Instituts für Modegestaltung der DDR. Inzwischen steht es gut zwei Jahrzehnte leer und hat zu bieten, was im glattsanierten Berlin in diesem Ausmaß nur noch selten zu finden ist: den morbiden Charme blätternden Putzes.