image001
Nachrichten aus Berlin und der ganzen Welt

Ein Ort für Flüchtlinge, Kultur und Behörden

Nur noch eine Ruine, viele Fenster sind ausgebaut – das Haus der Statistik.

Nur noch eine Ruine, viele Fenster sind ausgebaut – das Haus der Statistik.

Foto:

Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

Die Initiative Haus der Statistik hat gute Chancen, dass sie ihr Konzept für ein Zentrum für Flüchtlinge und Künstler in dem leerstehenden Komplex an der Otto-Braun-Straße umsetzen kann.

Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) gibt der Initiative jetzt die Möglichkeit, bis Mitte März eine Finanzierung für die Übernahme sowie die Sanierung des Areals vorzulegen. Auch soll dann geklärt sein, wie das neue Zentrum betrieben werden kann. „Wenn das belegt ist, will sich der Finanzsenator bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben für die Initiative einsetzen“, sagte am Donnerstag Mittes Bürgermeister Christian Hanke (SPD), der die Initiative unterstützt.

Zähe Verhandlungen

Die Künstlerinitiative hat im vergangenen Herbst ihr Konzept für das Haus der Statistik vorgelegt, das seit dem Auszug des Statistischen Bundesamtes und der Stasi-Unterlagen-Behörde im Jahr 2008 leer steht.

Künstler, Stadtplaner und Architekten um Berlins Atelierbeauftragten Florian Schmidt haben sich zusammengeschlossen, um die Häuser zu einem Wohn- und Arbeitsort für Flüchtlinge und Berliner Künstler umzubauen. Sie wollen in dem bis zu zwölf Geschosse hohen Komplex für etwa 1000 Geflüchtete Unterkünfte in Wohngemeinschaften, Apartments aber auch Familienwohnungen einrichten.

Auch 250 Künstlerateliers sind geplant. Zudem könnten bis zu 1000 neue Wohnungen ab dem Jahr 2020 gebaut werden. Nach Angaben der Initiative gibt es eine Bank, die die 50 Millionen Euro teure Sanierung des Hauses finanzieren würde.

Doch die Situation ist kompliziert. Denn die Gebäude gehören dem Bund, die großen Freiflächen dem Land Berlin. Mittlerweile hat der Senat seine Überlegungen aufgegeben, das Haus der Statistik abzureißen, um dort neue Wohnungen zu errichten. Derzeit verhandelt die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) mit dem Bund über einen Kauf der Häuser.

Die Bundesanstalt ermittelt noch den Wert, der auf 20 bis 40 Millionen Euro geschätzt wird. Nach Darstellung von Hanke herrscht im Berliner Parlament aber die Meinung vor, das Land solle auf jeden Fall das Haus der Statistik kaufen. Anschließend könnte über die Nutzung mit Kunst und Kultur sowie Flüchtlingsprojekten entschieden werden.

Doch im Senat gibt es noch ein weiteres Szenario. Demnach soll das Haus der Statistik zu einem Verwaltungsstandort ausgebaut werden. Einziehen sollen dort das Bezirksamt Mitte, das noch ein Bürohaus am Kino International gemietet hat, das Finanzamt Mitte sowie die BIM.

„Eine Option, Teilaspekte der Initiative mit aufzunehmen und zu planen, ist sicher denkbar“, sagt BIM-Sprecherin Katja Cwejn. Derzeit werde eine Studie zur Sanierung erarbeitet, die in einigen Monaten vorliegen soll. Auch aus Sicht der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung lässt die „Größe des Gebäudes alle zurzeit diskutierten Nutzungen als Behördenstandort und Standort für Kunst und Kultur zu“, sagt Sprecher Martin Pallgen.

Ob auf dem Parkplatz hinter dem Haus Container für Flüchtlinge aufgestellt werden, prüft das Land noch. „Wir haben großes Interesse daran, dass Notunterkünfte aufgestellt werden. Das gehört an diesen Standort“, sagt Florian Schmidt. Dann könnte bereits eine Kooperation von Künstlern und Geflüchteten aufgebaut werden. Auch Schmidt ist inzwischen der Ansicht, dass das Land das Haus kaufen soll.

„Ein Verwaltungsstandort könnte neben dem Haus der Statistik neu gebaut werden. Dort muss auch das Bezirksparlament untergebracht werden.“ Den Arbeitstitel für das Haus der Statistik hat Schmidt schon erweitert: Zentrum für Geflüchtete, Soziales, Kunst, Kreative – und kommunale Demokratie.