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Einheitsdenkmal: Die Schale kommt vor das Stadtschloss

Schale stadtschloss

Goldglänzend und sanft schwankend, so sollte das Einheitsdenkmal am Westufer der Spreeinsel stehen.

Foto:

Milla & Partner

Mehr als ein Vierteljahrhundert sind seit Mauerfall und deutscher Wiedervereinigung vergangen – ohne ein Einheitsdenkmal. Nun ist das Projekt doch einen weiteren Schritt vorangekommen: Es gibt eine Baugenehmigung. Die überdimensionale schwankende Schale darf auf dem Sockel des Kaiser-Wilhelm-Reiterstandbildes vor dem Schlossportal errichtet werden. Wenn der Bund zehn Millionen Euro bereitstellt, kann mit der Einweihung 2018 gerechnet werden.

Schwierigkeiten mit dem Positiven

Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, der einer Jury zum Einheitsdenkmal angehörte, zeigte sich erfreut. „Es wäre ja schön, wenn die quälende Geschichte nun an ein freundliches Ende käme“, sagte er am Donnerstag der Berliner Zeitung.

Thierse hat eine Erklärung, warum der Weg zum Einheitsdenkmal so schwierig war. „Denkmäler für Sieger und Helden und ebenso für Opfer und Trauer-Anlässe sind uns vertraut“, meint er. Dafür gebe es ästhetische Erfahrungen und künstlerische Formen. „Aber für die Vergegenwärtigung eines positiven Geschichtsereignisses, für Freiheit und Einheit? Das ist offensichtlich von fast unüberwindbarer Schwierigkeit“, vermutet der Berliner Politiker. Hinzu komme noch die moderne und verständliche Abwehr von Pathos.

Dennoch ist Thierse dafür, das Experiment mit der Wippe zu wagen. „Sie war beim Wettbewerb die relativ beste Lösung.“ Man werde sehen, ob sie von den Bürgern angenommen werde.

Ob die Gestaltungsidee einer begehbaren und beweglichen Schale tatsächlich dem Anspruch gerecht wird, deutsche Einheit, Demokratie und bürgerliche Freiheit zu symbolisieren und zu feiern, ist weiter umstritten. Fest steht jedoch, dass die bewegliche Konstruktion mit ihrem langsamen Auf und Ab die Entstehungsgeschichte des Denkmals trefflich zum Ausdruck bringt.

Die Einsendungen zu einem ersten künstlerischen Wettbewerb fielen 2009 allesamt durch, so dass das Verfahren abgebrochen werden musste. Für einen zweiten Wettbewerb gingen viele hundert Vorschläge ein. Einer der Preise wurde der Choreografin Sasha Waltz und dem Architekten Johannes Milla zugesprochen, die „bewegte Bürger“ zeigen wollten. Beide jedoch erzielten bei der geforderten Überarbeitung ihres Entwurfs keine Einigung und Waltz zog sich 2012 zurück. Milla führte das Projekt mit Sebastian Letz weiter. Der Antrag auf eine Baugenehmigung war dann 2014 eingereicht worden.

Weiter Stillstand in Leipzig

Stillstand herrscht dagegen weiter in Leipzig. Die Stadt hatte ihr Projekt im Juli 2014 auf Eis gelegt. 70 000 bunte Würfel sollten an die Montagsdemonstrationen erinnern, doch die Bürger lehnten das ab. Jetzt, anderthalb Jahre später, sollte das Kulturamt ein „Grundkonzept“ für einen Neuanfang vorlegen. Doch auch das stockt. Die Verwaltung ist dabei, die Beschlüsse des Stadtrates umzusetzen, hieß es am Donnerstag auf Nachfrage.