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Eis für Vierbeiner: Kalter Hund

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Trio mit acht Beinen: Die Brüder Roman und  Raoul Krohn  mit  Hund Charlie, der das Eis ganz gerne mag. Er darf es auch ganz für sich alleine haben.
Trio mit acht Beinen: Die Brüder Roman und Raoul Krohn mit Hund Charlie, der das Eis ganz gerne mag. Er darf es auch ganz für sich alleine haben.
Foto: Christian Schulz
Berlin –  

Für die heißen Tage: Die Berliner Zwillinge Roman und  Raoul Krohn machen Speiseeis für Vierbeiner mit Wildlachsarmoma und Rindfleischgeschmack.

Jemanden, der genau beschreiben kann, wonach Hundefutter schmeckt, schaut man zunächst mal irritiert an. Der BWL-Student Roman Krohn kann das: „Die Sorte Wildlachs schmeckt fischig mit leicht fruchtiger Note. Die Sorte Rindfleisch ist im Vergleich dazu weniger intensiv im Geschmack.“ Für Roman und seinen Zwillingsbruder Raoul Krohn, ebenfalls BWL-Student, ist es das Normalste von der Welt, dass sie kosten, bevor sie ihrem Hund Charlie etwas aus eigener Produktion vorsetzen. Beide haben am Anfang ihres Studiums vor zwei Jahren die Firma Cold & Dog gegründet und stellen jetzt Speiseeis für Hunde her. Genauer gesagt: Frozen Joghurt.

Schuld daran ist Oma, die den zehnjährigen Enkeln, die ihren damaligen Hund mit Speiseeis fütterten, sagte: „Damit vergiftet ihr ihn!“ Sie meinte damit den Zucker im Eis, der für Hunde schädlich ist. Raoul Krohn erinnert sich noch genau: „Das hat uns damals geschockt.“ Er und sein Bruder nahmen sich also vor, gesundes Eis für Hunde zu erfinden, ohne normalen Zucker.

Experimente in Opas Küche

Die Zwillinge entstammen einer Berliner Unternehmer-Dynastie. Uropa Rudolf Krohn eröffnete 1897 sein erstes Feinkostgeschäft. Kartoffel-Krohn war in Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg eine bekannte Firma. Kinder und Enkel des Firmenpatriarchen gründeten eigene Unternehmungen. In genau dieser Tradition stehen jetzt Roman und Raoul. Auch mütterlicherseits besteht die Familie aus lauter Unternehmern. Filmproduzent Artur Brauner ist der Bruder ihres Opas Wolf Brauner. Auch Großtante Alice Brauner produziert Filme und schaut mit Stolz darauf, was die 24-jährigen Jungunternehmer gerade auf die Beine stellen.

Die Hundeeisfirma ist quasi das Dauerpraktikum der beiden BWL-Studenten, die mit Geld von der Bank und der Unterstützung von Familie und Freunden in Tempelhof eine Produktionsstätte eingerichtet haben und nun Schritt für Schritt den Markt erobern wollen. Ihre Geschäftsidee hatten sie sicherheitshalber während des Studiums im Seminar „Gründungs- und Innovationsmanagement“ nicht erwähnt. Wer weiß, wer in so einem Seminar alles zuhört und auf der Suche nach guten Ideen ist. Inzwischen erwarten sie Nachahmer allerdings fast sehnsüchtig. Roman Krohn: „Wenn es nach drei Jahren keine Konkurrenz gäbe, wäre das ein Zeichen dafür, dass es sich um kein gutes Produkt handelt.“

Erste Versuche, Speiseeis mit einem für Hunde attraktiven Geschmack herzustellen, unternahmen die beiden in der Küche der Großeltern. Opa fand nicht so gut, dass die Enkel in seine gute Eismaschine Rindfleisch füllten. Raoul: „Wir haben uns also für 120 Euro eine eigene gekauft.“

Nach vielen Experimenten, die sie immer wieder mit einem Tierarzt besprachen, dann der Durchbruch: „Kurz vor der Firmengründung hatten wir die Rezeptur.“

„Hundeeis macht Hunde heiß“

Bei ihren Verkostungsaktionen wie der am großen Hundeauslaufgebiet Grunewald kommt ihr Frozen Joghurt bei den Hunden richtig gut an. Roman Krohn freut sich schon auf eine Erweiterung der Kundschaft: „Bei einer Verkostung in Rostock waren auch Katzen ganz wild auf unsere Sorte Wildlachs.“

Die Liste der Läden, die ihren Frozen Joghurt für Hunde führen, wird auf ihrer Internetseite www.colddogs.de immer länger. Die Inhaber ahnen wohl, dass sie bei einem Preis von 2,19 Euro für eine 80 Milliliterpackung (viele Menschen geben nicht so viel für ihr eigenes Eis aus) Qualitätsargumente in den Vordergrund rücken müssen. Sie betonen also, dass das Rindfleisch aus artgerechter Haltung stammt. Roman Krohn: „Wir wollen keine gequälten Tiere an unsere Hunde verfüttern.“

Roman und Raoul Krohn teilen sich eine Wohnung in Schmargendorf. Auf den Werbeslogan „Hundeeis macht Hunde heiß“ sind sie gemeinsam gekommen. Mit dem Bruder ein Geschäft auf die Beine zu stellen, hat aus Sicht von Raoul einen entscheidenden Vorteil: „Man wird nicht über den Tisch gezogen.“

Die hinterhältige Frage, ob sie ihre Gewinne, mit denen sie demnächst fest rechnen, auch in Filme von Tante Alice stecken würden, lässt die Zwillinge nur kurz stutzen. Raoul antwortet als erster: „Wir wollen Tierschützern Geld abgeben.“ Sein Bruder Roman erinnert sich dann aber doch an eine Erkenntnis aus dem BWL-Studium: „Wir stecken das Geld in die Firma. Die soll schließlich wachsen.“ Ihre Eisproduktion in Tempelhof haben sie sicherheitshalber auf Zuwachs gebaut.

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