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Elektrobusse in Berlin: Lautlos durch die Stadt

Noch geht es mit Dieselkraft zum Südkreuz. Aber das soll sich ändern.

Noch geht es mit Dieselkraft zum Südkreuz. Aber das soll sich ändern.

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Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

Was haben ein Elektrobus und eine elektrische Zahnbürste gemeinsam? Beide können ohne Stecker berührungsfrei aufgeladen werden. Mit Induktion wird auch Berlins erste E-Buslinie ohne Oberleitung funktionieren, für die jetzt die Aufträge vergeben worden sind. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben Energieladesysteme für die Endhaltestellen und vier Busse bestellt. Das geht aus der Beilage zum Amtsblatt der Europäischen Union hervor. „Im Sommer 2015 soll der Betrieb auf der Linie 204 beginnen“, sagte BVG-Buschef Martin Koller der Berliner Zeitung. Sie verbindet die Bahnhöfe Zoo und Südkreuz.

Die Busse kommen wie erwartet vom polnischen Hersteller Solaris. Die Fahrzeuge vom Typ Solaris Urbino 12 electric haben 34 Sitz- und 40 Stehplätze. Mehr als 65 Kilometer pro Stunde schaffen die Einstöcker nicht, aber sie sind ja auch nur im Stadtgebiet unterwegs. Als Energiespeicher dienen Batterien, die für maximal 90 Kilowattstunden ausgelegt sind. Größere Kapazitäten werden nicht benötigt, denn an beiden Endhaltestellen der 6,1 Kilometer langen Buslinie wird es Ladestationen geben – verborgen im Pflaster.

In sechs Minuten aufgeladen

Primove heißt das Schnellladesystem, Bombardier Transportation der Hersteller. Eine Station, die von der Technischen Universität betrieben wird, soll an der Hertzallee in die Fahrbahn eingebaut werden. Die andere Anlage entsteht vor dem Bahnhof Südkreuz. Anders als bei anderen E-Mobilen wird das Aufladen schnell gehen: Im Durchschnitt vergehen gerade mal sechs Minuten. Dann sind die Batterien voll, und die nächste Fahrt kann starten.

Niemand muss Angst haben, dass er sich an den Ladestation einen Stromschlag holt. Denn das System überträgt nur dann Elektrizität, wenn der Bus über ihm steht.

Insgesamt fast 1,5 Millionen Kilometer werden die Elektrobusse pro Jahr auf der Strecke im Westen Berlins zurücklegen, hat die BVG errechnet. Im Alltagsbetrieb werden vier Busse benötigt, doch sicherheitshalber gibt es noch eine Auftragsoption für einen fünften Bus.

Der Test ist eines von 30 Kernprojekten, mit denen die Region Berlin-Brandenburg beim „Schaufenster Elektromobilität“ des Bundes vertreten ist. Wie berichtet hatte die BVG zunächst die Buslinie 147 vorgeschlagen, die den Ost- mit dem Hauptbahnhof verbindet. Der Bund gab Anfang 2013 grünes Licht. Doch die BVG verwarf den Plan wieder, weil auf der Strecke gebaut wird. Stattdessen schlugen sie vor, die Linie 192, die sich zwischen Marzahn und Friedrichsfelde Ost 9,8 Kilometer weit durch den Osten Berlins zieht, zu elektrifizieren. Doch in diesem Fall wollte der Bund nicht. Die Strecke lag ihm zu weit vom Stadtzentrum entfernt. Gewünscht werde eine Linie mit „hoher Sichtbarkeit“ – so kam man auf die 204.

Braunschweiger mögen Emil

Die Umstellung der Linie 192 ist aber nicht vom Tisch. Ein BVG-Konzept sieht vor, den Betrieb nach einem Jahr dorthin zu verlagern – wenn das Bundesprojekt endet.

Vorreiter ist Berlin allerdings nicht. In Braunschweig wird das kabellose Ladesystem Primove bereits erprobt – unter dem Namen „emil“ (Elektromobilität mittels induktiver Ladung). Ende März ging auf der Linie M 19 der erste Elektrobus in Betrieb. „Seit wir die Touren fahren, hatten wir bisher keine Störungen und keine Ausfälle“, sagte Christoph Gaffram von der Braunschweiger Verkehrs AG. „Hin und wieder gab es ein kleineres Problem mit dem Absenken oder der Erkennung des Busses auf der Ladestation, was aber den Linienbetrieb nicht beeinflusst hat. Die Braunschweiger haben Ihren Emil so richtig gern.“



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