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Elektromobilität: Die BSR ist jetzt elektrisch unterwegs

Futter für das neue Müllauto B-S-2013: BSR-Mitarbeiter bringen einen Sessel.

Futter für das neue Müllauto B-S-2013: BSR-Mitarbeiter bringen einen Sessel.

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berliner ZEitung/Markus Wächter

Ein paar Sekunden noch, dann wird es den hässlichen grauen Sessel nicht mehr geben. Greifer ziehen ihn ins Innere des Müllautos. Die schmuddeligen Polster verbiegen sich, die Holzlatten gehen knackend zu Bruch. Ein ganz normaler Vorgang. Doch etwas fehlt bei der Vorführung auf dem Betriebshof der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR): der Krach, den eine dieselgetriebene Presse erzeugt.

Nur ein Surren ist zu hören. Das Sperrmüllfahrzeug, das am Mittwoch erstmals eingesetzt wurde, arbeitet elektrisch. Ein weiteres Projekt für das „Schaufenster Elektromobilität“ hat begonnen.
Ein E-Müllauto mit einer Presse, die von einer Batterie gespeist wird, die Strom für bis zu 18 Stunden parat hält – spektakulär wirkt das nicht. Doch für Gernot Lobenberg, Chef der Berliner Agentur für Elektromobilität (emo), ist die Technik ein Meilenstein. Der Lkw Volvo FE sei ein Vorbote einer Entwicklung, die sich beschleunigen werde: „Bei Nutzfahrzeugen sehen wir große Potenziale für Elektromobilität.“

Batterie bringt Post auf Trab

Er weiß: Als Privatwagen werden E-Autos noch lange uninteressant bleiben. Batteriemobile sind teuer, bieten oft wenig Platz und einen kleinen Aktionsradius. In lokalen Flotten können sie aber sinnvoll sein, so der emo-Chef. Zum Beispiel als Bestandteil von Verkehrskonzepten, in denen sie für Stadtfahrten dienen – Car-Sharing-Firmen wie Flinkster und Multicity bieten in Berlin E-Autos an. Auch für die Logistik seien Elektromobile ideal. Weil sie meist klein und wendig seien, in jedem Fall aber leise und klimafreundlich – wenn sie wie bei der BSR mit Ökostrom fahren.

So setzt die Post in Berlin Elektro-Trikes ein: batteriebetriebene Dreiräder, mit denen bald 100 Zusteller ihre Sendungen ausfahren. Für die Belieferung von Textilläden werden ebenfalls E-Fahrzeuge ausprobiert.

BVG rechnet noch

Der geleaste Volvo FE, der nun zwei Jahre lang Sperrmüll sammelt, hat einen Hybridantrieb. Ein Dieselmotor sorgt für Tempo. Bei niedrigen Geschwindigkeiten übernimmt ein Elektromotor, dessen Batterie durch Rückgewinnung von Bremsenergie Kraft erhält. Am interessantesten ist für die Beteiligten aber, dass das Laden und Pressen ebenfalls elektrisch funktioniert. Nicht nur, weil das zur 30-prozentigen Kraftstoffersparnis beiträgt, sondern auch, weil es so leise abläuft. Leises Auftreten ist ein Trumpf der E-Mobile. Lobenberg: „Darum können sie viel flexibler eingesetzt werden – zum Beispiel, um nachts Waren zu liefern.“

Rund 1 200 Pkw und Nutzfahrzeuge sind in Berlin und Brandenburg elektrisch unterwegs, so viele wie in keinem anderen deutschen Ballungsraum. Trotzdem sind es immer noch wenig, was auch an den Kosten liegt. Die BSR, die Abfallwirtschafts-Union Oberhavel und die Stadtwerke Potsdam, die jeweils ein Müllauto testen, erhalten Zuschüsse. 100 Millionen Euro stehen für die 150 Schaufensterprojekte in dieser Region zur Verfügung. Bund und Industrie steuern je 40 Millionen bei, Berlin den Rest. Eines der Projekte sieht vor, bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) Elektrobusse zu testen. Zur Auswahl stehen die Linien 147, 204 und eine Strecke in Marzahn. Noch rechnet die BVG, im Oktober fällt die Entscheidung.